Ein unmöglicher Zustand“

Andrea Nunne (Foto) ist die Frühstückslektüre am Freitag (9.12.) übel aufgestoßen. Die Hamburger Buchhändlern (Bücher & Co.) hat im Wirtschaftsteil ihrer Lokalzeitung den Aufmacher „E-Books erobern die Regale“ gelesen und klar erkannt, dass in der öffentlichen Wahrnehmung des E-Book-Geschäfts nur die großen Marktteilnehmer im Licht stehen, so wie in dem Artikel alles am Online-Riesen Amazon und Buchhandels-Marktführer Thalia festgemacht wird. Das ärgert die Buchhändlerin, die für ihr Geschäft am Winterhuder Marktplatz mit der Charakterisierung wirbt: eine inhabergeführte Buchhandlung mit „Wohlfühlatmosphäre und einem tollen, professionellen Online-Shop“.

In einem breit gestreuten Rund-Mail an den Börsenverein und den Arbeitskreis unabhängiger Sortimente (AkS, ca. 500 Mitglieder), dessen Sprecherin sie ist, geht Andrea Nunne den Verband und die Wirtschaftstocher MVB massiv an: Amazon und Thalia verfügten natürlich über eine entsprechend funktionierende Presseabteilung, um sich auch im E-Book-Geschäft zu positionieren: „Genau diese Unterstützung fehlt uns von unserem Verband!“. 

Nunne im O-Ton: 
„Zum einen funktioniert die an sich gut gedachte Reader-Strategie der MVB mit dem Liro Color bisher leider nicht, weil die seit Mitte November angekündigten Lesegeräten nach wie vor nicht vollständig ausgeliefert sind. Von der wortreich angekündigten Teilhabe des Sortiments an dieser Entwicklung kann jetzt nicht mehr die Rede sein. 
Zum anderen fehlt es an begleitender Pressearbeit!

Das müsste unser Verband leisten können: 
Dass ein Artikel wie hier im Hamburger Abendblatt einen dicken Abschnitt darüber enthält, dass auch das unabhängige Sortiment sich modern aufstellt und über einen richtig guten Reader verfügt!
Und darüber hinaus über einen Reader, der richtig gut ist, der vom Buchhändlerverband speziell auf Leserinteressen zugeschnitten wurde und für günstige 99,99 Euro ein Lesegerät anbietet, dass viele Vorteile bietet und locker besser ist als der Kindle. Warum kommen diese Informationen nicht bei der Presse an?
Natürlich bieten wir im unabhängigen Sortiment auch andere E-Book-Geräte an – aber der angekündigte Liro Color fehlte jetzt eindeutig in unserer Strategie, da wir uns auf die mehrfach zugesicherten Liefertermine der MVB eingestellt haben. Wir haben mehrere Vorbestellungen auf den Liro Color und müssen unsere Kunden von Woche zu Woche vertrösten.
Ein unmöglicher Zustand – und unser Unmut steigt mit Artikeln wie diesen, die klar machen: die Chance, uns gegen die Großen zu behaupten, ist gering. Das an sich ist nicht ungewöhnlich. Äußerst ärgerlich ist, dass von der MVB scheinbar viel auf den Weg gebracht wird, viel Geld dafür in die Hand genommen wird, aber das Ergebnis dem Buchhandel kaum nützt.“

Update: MVB-Geschäftsführer Ronald Schild entschuldigt sich in einem Interview mit  boersenblatt.net für die Verzögerung in der Auslieferung. Mittlerweile (9.12.) seien die Geräte bei den Buchhändlern oder auf dem Weg dorthin. Hinsichtlich der von Andrea Nunne kritisierten Kommunikation sagt Schild, dass man bisher schon viel in PR-Maßnahmen investiert habe: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, mit den nächsten Schritten abzuwarten, bis alle Händler beliefert sind: Dann kommunizieren wir den Marktstart des E-Readers überregional und auch branchenübergreifend mit einer Pressemitteilung. Zudem stellen wir einigen Redaktionen auch Testgeräte zur Verfügung und präsentieren den Reader auch persönlich im Gespräch mit Redakteuren.“ –  Das „Börsenblatt“ wird von der MVB herausgegeben. 

Kommentare

5 Kommentare zu "Ein unmöglicher Zustand“"

  1. Norbert Gillmann | 12. Dezember 2011 um 22:31 | Antworten

    Vielen Dank Frau Nunne und die sich auf Sie beziehenden Kommentatoren. Dass endlich einmal in dieser, für den Buchhandel peinlichen Angelegenheit Klartext geredet wird, steht schon lange aus.
    Als Libreka aus der Taufe gehoben wurde, ich habe Vorstufen der Planung dazu bei einer Präsentation durch Herrn Ulmer während einer Frankfurter Buchmesse im Jahr 200X mitbekommen, wollte man ein Gegengewicht zu den Großen der Branche in Gang bringen. Eine sichere Erkenntnis daraus: Amazon kennt jeder Grundschüler und Libreka? Besser hätte man mit Amazon und deren hervorragendem Kindle kooperieren sollen. Konkurrenz sollte als Chance für das eigene Handeln verstanden werden und nicht als Grund sich von dieser durch Besserwisserei abzuwenden.

  2. Peter-Uwe Sperber | 11. Dezember 2011 um 19:25 | Antworten

    Liebe „junge Frau“ ( wie man im Ruhrgebiet sagt, pardon )Andrea Nunne, liebe Kommentatoren – Danke für die technische Aufklärung zum „Pudels Kern“. Die Wahrheit liegt doch ganz wo anders, z.B. das man schon vor Jahrzehnten branchenintern offen aussprach > „alles Schlafwagenschaffner in Frankfurt“. Sicherlich doch auch bemerkt > eigene Creaktivität gleich Null oder nicht sichtbar und die Ideen aus anderen Kanälen brav rathausmäßig verwaltet. Was erwarten Sie da ? Machen Sie Alle viel lauter Ihre Vorschläge und das mit optimalem Druck, statt hinterher Enttäuschung zu plakatieren.

  3. Vielleicht steckt ja eine Strategie dahinter, nämlich dem Kunden das Lesen von E-Books gleich wieder abzugewöhnen? Der Liro ist für das Lesen von E-Books nicht gerade geeignet. Hab ihn selbst getestet. Kunden, die diesen Elektroschrott kaufen, werden erst ge- dann enttäuscht.
    Unsere Strategie ist eine andere. Wir bieten mit dem Iriver Story HD ein sehr gutes Gerät an, mit dem das Lesen von E-Books ein Vergnügen ist. Und bei dem auch die Unterstützung des Partners KNV stimmt.
    Als ich von der Akkulaufzeit des Liro gehört habe, hielt ich das zunächst für eine Fehlinformation. Ebenso die Angabe, das der Shop ab 1000 bestellten Exemplaren ein Branding bekommt (bei KNV ab zehn bestellten Readern).

    Nun stellt sich also alles als die traurige Wahrheit heraus. Blamabel.

    Andererseits verstehe ich eh nicht, warum die MVB sich hier am Wettbewerb beteiligen muss. Aber wenn sie es macht, sollte es dem Buchhandel auch dienen (zumindest, wenn man mit diesem Anspruch antritt). Und nicht, wie der Start von Libreka, zu einer Blamage werden, die der Branche und gerade auch den „kleinen Buchhändlern“ sogar einen Image-Schaden bringt.

  4. Manfred Queisser | 10. Dezember 2011 um 2:32 | Antworten

    Ich kann Robert Stöppel nur zustimmen: wir sollten froh sein, dass der LIRO nicht noch per PR gepusht wird. Der Akku hält gerade mal 3 Stunden, Downloads gelingen nicht, das Schriftbild ist dunkel und schwammig. Die MVB hatte drei Jahre Zeit eine Antwort auf Amazon und Kindle zu geben, der LIRO kann dem Kindle nicht das Wasser reichen. Das ist der eigentliche Skandal gegenüber dem unabhängigen Sortiment. Wenn das Produkt stimmen würde, wäre die PR dazu kein Problem. Andersherum schon.

  5. Robert Stöppel | 9. Dezember 2011 um 20:55 | Antworten

    Ich habe mir den Liro ziemlich genau angesehen, mit anderen Geräten verglichen und auch von Kollegen testen lassen. Ich bin nicht allein mit meiner Meinung, daß dieses Gerät alles andere als die Rettung des stationären Handels darstellt. Ich habe eher die Befürchtung, daß damit der eine oder andere Kunde sogar abgeschreckt wird, wenn er Anspruch und Werbung mit der Realität vergleicht.

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