Verbund mit Fragezeichen

Die seit August kursierenden Gerüchte, dass Bertelsmann bei seiner Tochter Pubbles den Medienkonzern Weltbild mit ins Boot holen will, sind jetzt bestätigt worden. Doch ob sich die Perspektiven des Medien-Kiosks durch die Allianz mit der DBH verbessern, ist unklar.

Die EU-Kommission hat in einem Amtsblatt (hier das PDF) bekanntgegeben, dass sie den Zusammenschluss von Bertelsmann und der DBH zum Betrieb von Pubbles prüfen wolle – und somit die Gerüchte der vergangenen Monate bestätigt (hier mehr). Bislang halten die Bertelsmann Direct Group und Gruner + Jahr  (über die Tochter Deutscher Pressevertrieb, DPV) je 50% am Unternehmen. Künftig soll die DBH (Weltbild, Hugendubel) die eine Hälfte und die Reinhard Mohn GmbH (da die Direct Group aufgelöst wurde) sowie der DPV die zweite Hälfte kontrollieren.

Die Vorteile des Zusammenschlusses von Weltbild und Bertelsmann für Pubbles sind klar:

  • Bertelsmann erhält einen Teil der Investitionen zurück.
  • Pubbles kann voraussichtlich die Reichweite durch die Anbindung an den Weltbild-Shop und die zu erwartende Vorinstallation der Pubbles-App auf den von Weltbild vertriebenen Tablets (hier mehr) erhöhen. Dies dürfte wiederum die Verhandlungen mit weiteren Content-Lieferanten erleichtern.
  • Pubbles könnte durch die Multichannel-Strategie von Weltbild auch offline zu einer bekannteren Marke werden.
  • Möglicherweise profitiert Weltbild technologisch von der Pubbles-Allianz, da die Hamburger ihre Plattform auch als White-Label-Lösung anbieten wollen.

Ob die Aussichten von Pubbles durch den Schulterschluss verbessert werden, bleibt allerdings abzuwarten:

  • Titel: Zumindest im Zeitschriften-Bereich hat Pubbles noch zu wenig Inhalte im Vergleich zur Konkurrenz. Kürzlich sicherte sich der Telekom-Wettbewerber Pageplace, der ohnehin über ein breiteres Portfolio verfügt, die Titel von Springer.
  • Wettbewerb: Pubbles muss sich nicht nur gegen den starken Telekom-Konkurrenten, sondern auch gegen Apple behaupten. Der US-Konzern eröffnete im Oktober mit „Newsstand“ einen eigenen Zeitschriftenkiosk, der auf den millionenfach verbreiteten iOS-Geräten vorinstalliert ist und beim Bezahl-Prozess für den Kunden komfortabler ist, weil die Kreditkartendaten bereits hinterlegt sind.
  • Weltbild: Die unklare Perspektive des Medienkonzerns könnte auf Pubbles abfärben: Treibt auch ein möglicher Käufer des Augsburger Konzerns die Pubbles-Allianz voran?
  • Web-Apps: Mit Hilfe der HTML-5-Technologie können Verlage abseits von Apple selbst und den Kiosken eigene webbasierte Angebote konzipieren und diese selbst vermarkten, was beim SPIEGEL bereits gut funktioniert (hier mehr).
  • Fokus auf E-Books: Bei Pubbles tragen nicht Zeitschriften, sondern E-Books das Gros der Erlöse bei. Dies bedeutet für den (designierten) DBH-Bertelsmann-Kiosk, dass er sich nicht nur gegen mächtige Presse-Wettbewerber wie Pageplace oder iKiosk (Springer), sondern auch etablierte E-Book-Shops à la libri.de oder Thalia/buch.de und die mächtigen amerikanischen Wettbewerber (Amazon, Apple, Kobo, perspektivisch auch Google und Barnes & Noble) behaupten muss.

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