Kartellwächter alarmiert

Die Hintergründe der Großrazzia der EU-Kommission bei Großverlagen sind nun – neun Monate nach den Durchsuchungen – offiziell erläutert worden: Wie die EU in einer Pressemitteilung bekannt gibt, wurde ein Kartellrechtsverfahren gegen die Verlage Hachette Livre (Frankreich), Harper Collins (USA), Simon & Schuster (USA), Penguin (Großbritannien) und die deutsche Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck eingeleitet.

Update: In der „Zeit“ erklärt Rüdiger Salat, Mitglied der Holtzbrinck-Geschäftsführung, er halte die Vorwürfe der Europäischen Kommission für unbegründet: „Wir haben bereits im Rahmen eines Nachprüfungsauftrages mit der Europäischen Kommission kooperiert und sämtliche Unterlagen zur Verfügung gestellt. Konkrete Vorwürfe oder Belege wurden seitens der Europäischen Kommission bisher noch nicht vorgelegt“.

Hintergrund: Die EU-Kommission prüft, ob und inwieweit die Unternehmen beim Vertrieb von E-Books rechtswidrige Vereinbarungen gegen den Wettbewerb geschlossen haben. Da auch Apple an den Pranger gestellt wird, dürfte es die EU auf das von Cupertino angestoßene Agency-Modell abgesehen haben. Beim Agency-Modell, das die sechs größten US-Verlage durchgesetzt haben, dürfen die Verlage selbst die Bedingungen des E-Book-Verkaufs, insbesondere den Preis, diktieren. Auch in Großbritannien haben Hachette, HarperCollins, Penguin Canongate, Macmillan und Simon & Schuster die Preishoheit über ihre E-Books gegenüber Amazon durchgesetzt (hier mehr).

Die Kartellwächter wollen auch die Verträge überprüfen, die die genannten Unternehmen mit Einzelhändlern für den Absatz von E Büchern geschlossen haben. Die Dauer der Untersuchung hängt laut EU von der Komplexität der Verfahrens und von der Kooperationsbereitschaft der beteiligten Unternehmen ab.

Zur Zeit läuft außerdem eine Sammelklage gegen Apple und fünf der sechs großen US-Verlage. Auch in diesem Fall steht das Agency-Modell auf dem Prüfstand: Die Kläger (zwei Privatpersonen) werfen der Holtzbrinck-Tochter Macmillan, HarperCollins, Hachette, Penguin sowie Simon & Schuster vor, illegal die Preise festzusetzen, um ihre „Gewinne zu steigern und den Rivalen Amazon dazu zu zwingen, seine Discountpreise aufzugeben“ (hier mehr).

Auch Amazon feuerte wiederholt gegen das Agency-Modell: In einer E-Mail an die Kunden im November 2010 kündigte der Onliner an, die Pricing-Verlagerung zur Verlagsseite zu „bekämpfen“.

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