Postskriptum: Gequirlte Geschenke

Pünktlich zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts hat der Soziologe Holger Schwaiger eine tiefgründige Untersuchung über „Geben und Gebenlassen“ vorgelegt („Schenken. Entwurf einer sozialen Morphologie aus Perspektive der Kommunikationstheorie“, erschienen bei UVK). Darin zitiert er u.a. Sigmund Freud: Schon das Kleinkind wolle seinen Eltern etwas schenken, wobei „seine einzige Möglichkeit darin liegt, den Eltern den Wunsch zu erfüllen, nicht einfach die Windeln vollzumachen, sondern zu warten, bis es auf dem Topf sitzt. (…) In diesem Sinne versteht Freud das Exkrement als ,erstes Geschenk‘“, erläutert Schwaiger in einem Interview dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Als Beschenkter sollte man sich diesen Zusammenhang immer ins Gedächtnis rufen, wenn man mal wieder irgendeinen überflüssigen Dreck geschenkt bekommt: Nicht ärgern! Psychoanalytisch gesehen hat das schon seinen Sinn.

Lotossitz: Lebensfroh

„Ein Buch, das einfach Freude bereitet und zum Mitmachen einlädt“, ist laut Klappentext der jetzt bei Knaur erschienene Fitness-Ratgeber „Meister Seos Buch der Lebensfreude. Mit einem Lächeln den Tag begrüßen“ von Taekwondo-Meister Seo Yoon-Nam. Die Abbildung zeigt meine Lieblingsübung „Lotossitz im Kopfstand“. Unter der lebensfrohen Überschrift „Die Welt steht kopf“ schreibt Meister Seo dazu: „Diese Übung erfordert einige Praxis, Gelenkigkeit und Kraft.“ Ach was.

Hospize: Herbeizitiert

„Ach, dass ich eine Herberge fände in der Wüste“ – dieses schöne Wort aus dem Buch des Propheten Jeremia wählten die Organisatoren des „Ökumenischen Novemberforums“ in Dortmund für ihre diesjährige Veranstaltungsreihe zur Sterbebegleitung in christlichen Hospizen. Eine weitere interessante Bedeutungsebene gewinnt das Motto übrigens, wenn man es in seinem Zusammenhang (Jeremia Kapitel 9, Vers 1) liest: „Ach dass ich eine Herberge fände in der Wüste, so wollte ich mein Volk verlassen und von ihnen ziehen! Denn es sind lauter Ehebrecher und ein treuloser Haufe.“

Willen: Weihnachtlich

Zur Einstimmung auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft hier noch ein paar „gepflegte Sprüche“ aus der gerade bei Ullstein erschienenen Neuauflage des hübschen Redensartenlexikons „Niveau ist keine Hautcreme“ von Günther Willen: „Die meisten Leute feiern Weihnachten, weil die meisten Leute Weihnachten feiern.“ – „Wär Maria hart geblieben, wär Weihnachten uns erspart geblieben.“ – „Fröhliche Arschnachten, ihr Weinlöcher.“ Zu negativ? OK, dann ganz zum Schluss noch: „Weihnachten kommt einmal im Jahr. Bin ich froh, dass ich nicht Weihnachten bin!“

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