Das Profil immer wieder in Frage stellen

Langjährigen Erfolg kann nur erreichen, wer sein Konzept immer wieder in Frage stellt. Aktuelles Beispiel dafür ist die Buchhandlung Schreiber in Korbach, die heute (11.11.) ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Olaf Schreiber, der das Unternehmen in vierter Generation führt, holt Umsatzeinbrüche im Kerngeschäft Buchhandel mit Trendprodukten wieder herein.

Eine Bildergalerie mit weiteren Impressionen finden Sie am Ende des Artikels. 

Von 5,5 Mio Euro Umsatz hat Schreiber 2010 nur noch knapp 55% mit Büchern gemacht. Inzwischen ist die Buchhandlung mit fünf Standorten in der Region vertreten – neben dem Haupthaus im nordhessischen Korbach bestehen Filialen in Frankenberg, in Bad Arolsen, im westfälischen Marsberg sowie seit 2008 in Bad Wildungen.

Die Erfolgsfaktoren des Familienunternehmens erläutert Schreiber (Foto) im Interview mit buchreport.de:

Kann man mit „alteingesessen“ heute noch punkten?

„Alteingesessen“ ist keineswegs ein Qualitätsmerkmal. Allerdings schaffen wir es unseren Kunden glaubhaft zu transportieren, dass wir die Tradition mit den Themen der Zukunft verbinden. Und da es viele „alteingesessene“ Unternehmen mittlerweile in den Einkaufsstraßen nicht mehr gibt, wissen die Kunden diese Konstanz schon zu schätzen.

 …oder ist das je nach Zielgruppe womöglich uncool?

Natürlich interessiert einen 15-Jährigen weniger, dass wir seit 100 Jahren als Firma existieren, dass ist für unsere älteren Kunden schon deutlich interessanter. Aber auch unser jungen Kunden empfinden, dass wir sie schon ihr ganzes Leben begleiten beim Thema „lesen, schreiben, schenken“. Und „alteingesessen“ bedeutet nicht zwangsläufig „altbacken“.

Mit hälftigem Buch- und Nonbook-Sortiment haben Sie einen Mix, wo andere erst hinwollen: Ist Korbach Pilgerstätte der Branche?

Pilgerstädte ist ein bisschen hoch gegriffen, aber wir bekommen schon sehr viel Besuch von Kollegen unterschiedlichster Firmengrößen.

Passt Ihr Konzept für jeden Standort?

Ganz klar nein! Auch unsere Sortimente unterscheiden sich zwischen den Filialen, je nach Wettbewerbssituation vor Ort und den räumlichen Gegebenheiten.Unser Konzept wäre auf einer 2500-qm-Verkaufsfläche ebenso wenig realisierbar wie auf 100 qm.

Verstehen Sie die Kollegen, die sich bewusst gegen die Sortimentserweiterung entscheiden, um ihr Buchhandelsprofil zu schärfen?

Wenn sie dieses Profil tatsächlich geschärft bekommen und sich in „der Nische“ profilieren können, kann das durchaus funktionieren. Wenn sie die angebliche Profilschärfe aber als Ausrede benutzen, um das eigene System nicht in Frage stellen zu müssen, habe ich wenig Verständnis. Aber an dieser Stelle wird sich wohl in naher Zukunft zeigen, welches System wirtschaftlich überlebensfähig ist und welches nicht.

Die Fragen stellte Thomas Wilking.

Olaf Schreiber
führt die Geschäfte in der vierten Generation. Er hat im Rahmen der Gondrom-Berufsakademie Betriebswirtschaft studiert, war Buchhändler bei Gondrom und nach der Übernahme durch Thalia Filialleiter in Rudolstadt. 2007 stieg er ins elterliche Geschäft ein.

Die Firmengeschichte der Buchhandlung Schreiber

  • 2011 Die Buchhandlung Schreiber feiert ihr 100-jähriges Bestehen.
  • 2010 Die Filiale in Bad Wildungen erhält ein neues Gesicht und wird im September nach drei Wochen Umbauzeit wiedereröffnet.
  • 2009 Die Filiale in Frankenberg zieht im Sommer in neue Geschäftsräume – ebenfalls in der Fußgängerzone – um. Die großzügige Ladenfläche befindet sich nun auf einer Ebene und ermöglicht den Kunden barrierefreies Bummeln und Einkaufen in entspannter Atmosphäre. Das Korbacher Stammhaus wird nach fast 18-monatiger Bauzeit im Oktober des Jahres neu eröffnet. Die Geschäftsräume wurden komplett umgebaut und von 500 auf 800 qm auf zwei großzügig gestalteten Ebenen erweitert.
  • 2008 Zum 1. Januar erweitert die Buchhandlung Schreiber ihr Filialnetz und übernimmt die Buchhandlung Bing in Bad Wildungen. Auf rund 700 qm präsentiert sich das nun mehr fünfte Schreiber-Haus. Die Zahl der beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firmengruppe erhöht sich damit auf über 70.
  • 2007 Mit Olaf Schreiber tritt zum 1. September ein Vertreter der vierten Generation in die Geschäftsführung ein, um den Fortbestand zu sichern und die weitere Entwicklung der Firma voranzutreiben.
  • 2006 Die Filiale in Marsberg wird im Sommer des Jahres umgebaut und auf ca. 250 qm erweitert.
  • 2002 Nach dem plötzlichen Tod von Karl-Friedrich Schreiber übernimmt seine Ehefrau Ulrike die Geschäftsführung. Gemeinsam mit mehr als 50 Mitarbeitern führt sie die Firmengruppe Schreiber weiter. Im Herbst des Jahres wird das Reisebüro großzügig erweitert und völlig neu gestaltet.
  • 2001 Zum ersten Mal orientiert sich die Firma über die Kreis- und Landesgrenze hinaus. In Marsberg wird im Sommer eine neue Filiale eröffnet.
  • 1999 Die Frankenberger Geschäftsräume werden von 250 auf mehr als 350 qm erweitert. Eine großzügige Treppenanlage verbindet die hellen und großzügigen Räume mit neuen Verkaufsflächen im Untergeschoss.
  • 1996 Am 16.Oktober eröffnet das Unternehmen eine weitere Filiale in Bad Arolsen auf 260 qm. Gleichzeitig wird die Willinger Filiale geschlossen.
  • 1993 In den Räumen der ehemaligen Frankenberger Buchhandlung Kahm eröffnet die Firma Schreiber eine weitere Filiale. Die vorhandenen Geschäftsräume werden komplett umgestaltet und dem Auftritt der anderen Geschäfte des Unternehmens angepasst.
  • 1991 Komplettumbau der Korbacher Geschäftsräume und Ausgliederung des Bertelsmann-Clubcenters in die Kirchstraße 1.
  • 1990 Eine erste Filiale wird in Willingen eröffnet.
  • 1988 Das Reisebüro erhält eigene Geschäftsräume im Pavillon am Berndorfer Torplatz. Dadurch wird im Hauptgeschäft noch mehr Fläche für den Verkauf von Büchern, Bürobedarf und Geschenken geschaffen.
  • 1980 Mit der Umgestaltung des Berndorfer Torplatzes folgt der Ausbau des Geschäftes auf die heutige Größe von über 500 Quadratmetern.
  • 1973 Nach dem Abitur und einer Berufsausbildung in Hannover tritt in der dritten Generation Karl – Friedrich Schreiber in das Unternehmen ein. Erneute Erweiterung der Geschäftsräume durch einen groß angelegten Umbau. Neue Räume entstehen im 1. Stockwerk des Geschäftshauses und bieten Platz für ein erstes eigenes Reisebüro und das Bertelsmann – Clubcenter (1974).
  • 1961 Rechtzeitig zum 50jährigen Firmenjubiläum werden die Geschäftsräume im Rahmen einer großen Umbauaktion erheblich erweitert.
  • 1948 Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft entwickelt der Sohn des Firmengründers, Erwin Schreiber, das Unternehmen vom Handwerks- zum Handelsbetrieb. Gemeinsam mit seiner Frau Ilse leitet Erwin Schreiber das Geschäft bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1990. Erste Mitarbeiterinnen werden eingestellt. Wichtige Ergänzungen zur Buch- und Schreibwarenhandlung finden statt.
  • 1913 Kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges wird das eigene Geschäftshaus am heutigen Standort errichtet. Nach dem Tod von Karl Schreiber im Jahr 1943 führt seine Frau Meta das Geschäft weiter.
  • 1911 Am 11.11. gründet der Buchbindermeister Karl Schreiber in Korbach ein Buchbinderei- und Bildereinrahmungsgeschäft verbunden mit Buch-, Papier- und Schreibwarenhandlung. Die ersten Geschäftsräume befinden sich in der Berndorfer Straße 1 (heutige Prof.- Bier Straße).

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