Wiedersehen vorm Kadi?

Dass der Start von Amazons Programm zum Ausleihen von E-Books nicht optimal verlaufen ist, war bekannt. Neu ist jedoch, dass sich unter den US-Verlagen ein Proteststurm formiert, der die Parteien vor Gericht wehen könnte.

Seit der vergangenen Woche können Amazon-Prime-Kunden (zahlen 79 Dollar pro Jahr für schnellere Belieferung) ohne Aufpreis E-Books aus einem 5000 Titel umfassenden Katalog zur Ausleihe auswählen. Unter Verlagen, soviel war klar, ist der Dienst umstritten – laut „Wall Street Journals“ ist keiner der sechs größten US-Verlage mit an Bord, aus Sorge, das Ausleihprogramm könnte den Verkauf kannibalisieren.

Titel ohne Rücksprache ausgeliehen?

Doch nach Recherchen von „Publisher’s Weekly“ (hier) hat sich ein der Sturm der Entrüstung bei angelsächsischen Verlagen gebildet. Hintergrund: Das Gros der Verlage, deren Titel im Programm sind, habe keine entsprechenden Vereinbarungen mit Amazon getroffen. Vielmehr habe der Onliner die Titel ohne Rücksprache ins Programm genommen, weshalb jetzt die Verlagsjuristen dabei seien, rechtliche Schritte zu prüfen.

Dass Amazon keinen Titel der Big-6 ins Programm genommen hat, erklärt „PW“ damit, dass diese ihre E-Books nach dem Agency-Modell (auch Kommissionsagenten-Modell genannt) über Amazon verkaufen und daher selbst die Bedingungen diktieren können. Demgegenüber seien viele Titel der Verlage, die nach dem Lizenzierungsmodell (das dem Händler selbst erlaubt, die Bedingungen für den Verkauf der E-Books zu bestimmen) Verträge mit Amazon geschlossen hätten, im Lending-Programm drin.

Standpunkt von Amazon: Die Ausleihen seien als herkömmliche Verkäufe einzustufen, weshalb keine neuen Verträge geschlossen werden müssten. Neben den Büchern solcher Verlage seien Titel der Self-Publishing-Autoren sowie E-Books aus den hauseigenen Amazon-Imprints im Verleih-Portfolio.

Amazon beackert ein schon bestelltes Feld 

Sollte Amazon hierzulande ein Leihangebot starten, wären besonders die Bibliotheken getroffen – seit September 2011 kooperiert Amazon mit US-Bibliotheken, seitdem können die Nutzer einer städtischen Bibliothek auch E-Books für den Kindle ausleihen. Ein Feld, das hierzulande seit Mai 2007 die ekz-Bibliotheksservice über ihre Tochtergesellschaft DiViBib  beackert. Im Rahmen des „Onleihe“-Service können Nutzer von mehr als 200 Bibliotheken in Deutschland, Österreich und in der Schweiz per Internet digitale Medien wie E-Books und Hörbücher für einen begrenzten Zeitraum herunterladen. Auf Nutzerseite scheint das Angebot langsam angenommen zu werden: 2010 gab es mehr als 1 Mio Ausleihen.

Doch unter den deutschen Verlagen sind Kannibalisierungs-Befürchtungen virulent. Auch bei der Börsenvereins-Tochter Libreka steht ein Verleihservice auf der Wunschliste, doch das Vorhaben könne zumindest nicht kurzfristig umgesetzt werden, heißt es auf buchreport-Nachfrage. Auf Verlagsseite gebe es keinen Konsens über ein einheitliches Geschäftsmodell. „Und solange es kein einheitliches Meinungsbild gibt, gehen wir davon aus, dass das erstmal kein Thema sein wird.“

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