In Amazons Fußstapfen

Das Verlagsgeschäft wird durch Händler und Distributoren aufgemischt: Nachdem bereits Amazon eigene Print- und E-Book-Verlagsaktivitäten entwickelt hat, geht jetzt auch der E-Book-Spezialist Kobo in die Offensive. Die Kandier haben gegenüber CBC News angekündigt, im nächsten Jahr mit einem eigenen Verlagsprogramm an den Markt zu gehen.

Kobo will demnach – analog zu Amazon – direkt mit Autoren verhandeln und ihnen den kompletten Verlagsservice anbieten, inklusive Buchgestaltung und Herausgabe. Die Begründung von CEO Michael Serbinis: „Das ist Teil des neuen Marktes, und wenn man zur weltweiten Nummer 1 im Markt werden will, muss man es einfach anbieten.“

Großer Vorsprung des Konkurrenten Amazon

Derweil prescht Amazon mit großen Schritten vorwärts. Erst hat sich der Onliner mit dem Literaturagenten und ehemaligen Chef der Time Warner Publishing Group, Larry Kirshbaum, einen gestandenen Verleger an Bord geholt (hier mehr), inzwischen hat Amazon eine Vielzahl von Genres im Portfolio:

  • Das jüngste Amazon-Imprint „47North“ umfasst die Genres Science-Fiction, Horror und Kult.
  • Das Label „Thomas & Mercer“ soll sich auf Mystery- und Thriller-Titel fokussieren.
  • Unter „Montlake Romance“ veröffentlicht Amazon populäre Liebesromane, darunter romantische Spannungsliteratur, zeitgenössische und historische Liebesromane sowie Fantasy.
  • Mit „Powered by Amazon“/„The Domino Project“ präsentiert der Online-Händler kurze Bücher, die neue Ideen und Konzepte präsentieren, mit dabei ist auch Bestsellerautor Seth Godin.
  • Bereits 2009 startete Amazon mit dem Verlagsprogramm „Amazon Encore“, das auf englischsprachige Debütanten fokussiert ist.
  • Über „Amazon Crossing“ bietet Amazon englischsprachige Übersetzungen fremdsprachiger Bücher an.

Auch der deutsche Buchmarkt wird aufgemischt

Allein in diesem Herbst will der Online-Riese nach Berechnungen der „New York Times“ 122 Titel verlegen. Bekannt geworden ist auch der Fall eines deutschen Autoren, der dank Amazon in den USA reüssiert. Wie buchreport berichtete, erwarb der Online-Riese die Rechte an der englischen Übersetzung des bei Ullstein erschienenen Romans „Die Henkerstochter“ von Oliver Pötzsch. Nachdem von „The Hangman’s Daughter“ im Kindle Store in kurzer Zeit mehr als 100.000 E-Books verkauft worden waren, kaufte Houghton Mifflin Harcourt (HMH) die Zweitrechte von Amazon, um die Druckausgabe im Buchhandel zu vertreiben. Mit deren Auslieferung hat wiederum Amazon seine eigene Printausgabe aus dem Programm genommen.

Die 26-jährige Amanda Hocking schloss einen lukrativen Buchvertrag ab, nachdem sie mit ihren selbst verlegten E-Books bei Amazon, Barnes & Noble und Apple berühmt geworden war. Die deutsche Übersetzung ihrer E-Book-Serie „My Blood Approves“ hat sich die Random House-Tochter cbj gesichert. Der erste Teil „Unter dem Vampirmond“ ist bereits Anfang des Monats erschienen (hier mehr). Auch John Locke – als Selfpublishing-Autor in den Club der Kindle-Millionäre eingestiegen –  hat einen Vertrag mit dem US-Verlag Simon & Schuster abgeschlossen (hier mehr).

Klassische Mischkalkulation der Verlage gefährdet

Sorge bereitet den Verlagen vor allem, dass Amazon mehr und mehr den klassischen Buchmarkt untergräbt: Der Onlineriese buhlt aggressiv um erfolgreiche Autoren und wirbt den traditionellen Verlagshäusern etablierte Bestsellerautoren ab – eine Gefahr für die klassische Mischkalkulation aus Bestsellern und Hoffnungsträgern.

So hat der Onliner für die Rechte an den Memoiren der Schauspielerin und Hollywood-Regisseurin Penny Marshall angeblich 800.000 Dollar gezahlt. Ihre Autobiografie erscheint nun bei Amazon – als gedrucktes Buch und als E-Book. Ein anderes Beispiel: Die Autorin Kiana Davenport hat sich wegen Amazon mit ihrem Hausverlag Riverhead Books (Penguin) überworfen. Als sie ältere Kurzgeschichten direkt über Amazon verkaufte, hat der Verlag ihren Vertrag gekündigt und juristische Schritte angedroht.

Die internationale Branche ist alarmiert: „Jeder hat Angst vor Amazon“, zitiert die „New York Times“ den langjährigen Agenten und E-Book-Verleger Richard Curtis. „Wenn Du einen Buchladen hast, ist Amazon schon seit Jahren Dein Wettbewerber. Wenn Du Verleger bist, wachst Du eines Tages auf, und Amazon ist ebenfalls in Konkurrenz zu Dir getreten. Und wenn Du ein Agent bist, könnte Dir Amazon auch die Butter vom Brot nehmen, weil Autoren direkt dort veröffentlichen können und Du ausgeschlossen wirst.“

Und Olaf Trunschke vom Verband deutscher Schriftsteller fasst gegenüber der „Zeit“ zusammen: „Ehe man sich auf der einen Seite eine Meinung gebildet hat, hat die andere Seite längst Fakten geschaffen. Das halte ich für eines der zentralen Probleme der klassischen Verlage.“ 

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