Vorwürfe sind unwahr und diffamierend

(Stellungnahme von Weltbild am Ende des Artikels)

Eine buchreport-Meldung zur Angebotspolitik des Weltbild-Onlineshops schlägt hohe Wellen. Die Print-Messeausgabe des buchreport.express und buchreport.de hatten berichtet, dass Weltbild entgegen früheren Einlassungen, man verzichte mit Rücksicht auf die katholische Moral auf einigen Umsatz, explizit erotische Bücher verkauft.

Zwei Wochen nach der Meldung wird das Thema in der Publikumspresse und in Blogs zu dem Aufreger-Thema. Auch in Augsburg haben die Shop-Manager reagiert.

Nachdem sich nach der buchreport-Meldung  zwischenzeitlich vorwiegend Fachmedien wie kath.net (ein von Österreich aus betriebenes privates Online-Magazin) dem Thema Erotik/Kirche annahmen, stieg am vergangenen Dienstag welt.de mit einem großen Artikel ein: „Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen“ – der Autor ist bei kath.net und bei der Springer-Tochter derselbe, Bernhard Müller. Am Donnerstag (27.10.) legte die „Berliner Morgenpost“ nach: „Katholische Kirche verdient an Pornografie“. Autor: Müller. Höhepunkt auf der Boulevard-Schiene: Der Kölner „Express“ machte parallel mit „Kirche macht mit Pornos Millionen“ auf (hier die Online-Variante des Artikels).

Tenor der Artikel: Der von mehreren Diözesen gesteuerte Medien-Konzern opfere seine Moral dem kapitalistischen Ziel, „milliardenschwerer Marktführer“ zu werden. Die Glaubwürdigkeit der Kirche – Wasser predigen und Wein trinken – stehe auf dem Spiel.

Das als rechtskonservativ geltende Portal kath.net bringt regelmäßig Updates zu Weltbilds vermeintlichem Pornogate und den Folgen:

Und erntet damit wiederum Kritik. So schreibt der ebenfalls in der katholischen Kirche aktive Blogger Felix Neumann (fxneumann, hier): „Die eigene Lust am Verbotenenen der Lust wird sublimiert in Schmähungen. Kritik wird gnadenlos sexualisiert, es wird geschwelgt in Schilderungen der Verdorbenheit des anderen, und es ist völlig legitim, all die wunderbaren unanständigen Wörter in den Mund zu nehmen und all die wunderbaren Schweinereien sorgfältig zu recherchieren und zu beschreiben.“

Die Kirchenvertreter selbst haben auf den Druck im Internet reagiert. Im Anschluss an die jüngste Sitzung des Aufsichtsrats der Weltbild-Gruppe formulierten der Vorsitzende des Aufsichtsrats Klaus Donaubauer und das Aufsichtsratsmitglied Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, in einer Pressemitteilung: Die Verlagsgruppe Weltbild stehe als größtes Buchhandelsunternehmen Deutschlands in einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung. „Ihr Sortiment erfährt eine ständige Prüfung hinsichtlich der Wertbindungen der kirchlichen Gesellschafter. In diesem Sinn befasst sich der Aufsichtsrat auch regelmäßig mit dem Angebot der elektronischen Vertriebswege. Die Geschäftsführung wurde angehalten, ihrer Verantwortung in diesem Bereich konsequent zu entsprechen.“

Auch das Erzbistum München und Freising reagierte inzwischen laut kath.net: „Wir nehmen das nicht einfach hin. Wir werden unsere Position der Geschäftsführung über Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung deutlich machen“, wird Pressesprecher Bernhard Kellner zitiert.

In Augsburg wurden offenbar schon erste Konsequenzen gezogen. Zwar sind die betreffenden Titel des Hamburger Blue Panther Books-Verlags bei weltbild.de weiterhin such- und bestellbar. Suchen nach Begriffen wie „Sex“ oder „Pornografie“ werden gestoppt bzw. der Nutzer wird wieder auf die Startseite geführt.

Weltbild hat sich inzwischen laut Katholischer Nachrichten-Agentur (hier) gegen den Vorwurf zur Wehr gesetzt, Geschäfte mit Pornografie zu machen. Weltbild biete in seinem Sortiment keine Pornografie an und habe dies auch noch nie getan. Schlagzeilen wie „Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen“ seien „unwahr und diffamierend“. Es würden „rechtliche Schritte gegen die Verleumder“ geprüft. Der Umsatz mit unter dem Stichwort „Erotik“ auffindbaren Artikeln sei minimal, der Anteil im Jahr 2011 liege unter 0,017%. Wie jeder andere Buchhändler stelle Weltbild sein Angebot aktiv im Katalog, den Filialen und dem „redaktionell gestaltbaren Teil“ des Internetshops zusammen. Dort fänden sich die kritisierten Artikel nicht, wohl aber im lieferbaren Großhandelsangebot des deutschen Buchhandels, das in den Online-Portalen verwendet werde. Diese Titel seien indes über jede Buchhandlung beziehbar und überall im Internet zu finden. Grenzen setze das Unternehmen bei Holocaust-Leugnern, Verherrlichung von Gewalt und Krieg, Sex und polemischen Büchern über seine Gesellschafter.

Kommentare

2 Kommentare zu "Vorwürfe sind unwahr und diffamierend"

  1. Robert Stöppel | 27. Oktober 2011 um 22:52 | Antworten

    Auf den Umsatz von Feuchtgebiete und Schoßgebete werden die Bischöfe wohl kaum verzichten …

  2. Lieber Pornos statt Panzer! Raus mit den Nazibüchern bei Weltbild! Dazu sagt Kath.net nichts und die Bischöfe reiben sich die blutigen Finger und preisen die Frieden und die Verantwortung für die Geschichte.

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