50 Prozent für den Autor, nichts für die Portale

Die Diskussion über die Höhe der Autoren-Tantiemen bei E-Books ist nicht neu, gewinnt aber mit dem Erstarken der eigenverlegerischen Aktivitäten von Amazon & Co. sowie der Agenten selbst und dem Aufwind für Selfpublishing-Portalen an Fahrt: Literaturagent Andrew Wylie (Foto: Robert Adam Meyer) geht davon aus, dass Verlage ihre Ausschüttungen werden verdoppeln müssen. Auch andere Agenten erhöhen den Druck.

Wie der „Bookseller“ berichtet, glaubt der US-Agent, dass Verlage schon bald – nach der ersten Phase, in der hohe Investitionskosten angefallen seien – akzeptieren werden, die Hälfte der digitalen Erlöse an den Autor abzuführen. Aktuell sind 25% der Reinerlöse üblich, wie zuletzt der Zürcher Agent Peter S. Fritz in Frankfurt auf der Konferenz Publishers Launch erklärte. Und hinzufügte, dass Verlage angesichts der neuen Player wie Amazon, die direkte Deals mit den Autoren suchten und höhere Tantiemen zahlten, Einfluss in der Buchindustrie verlören.

Agent droht: Entweder höhere Tantiemen, oder die E-Rechte sind weg

Auch der US-Literaturagent Robert Gottlieb (Trident Media) geht auf Konfrontationskurs zu den verlagen. Im Interview mit buchreport drohte der Rechtehändler: „Wenn sich die Verlage nicht bald dazu durchringen, höhere Tantiemen für digitalen Content zu zahlen, ist es durchaus denkbar, dass wir diese Rechte künftig aus den Verträgen herausnehmen.“

Während die meisten Agenten bei den E-Tantiemen an einem Strang ziehen, bleiben die eigenverlegerischen Aktivitäten der Agenten umstritten: Wylie will mit seinem vor einem Jahr gestarteten digitalen Imprint „Odyssey Editions“ laut „Bookseller“ offenbar auch die Verlage unter Druck setzen, höhere Tantiemen zu zahlen: „Wir versuchen, den Verlagen mit Odyssey die Wahrscheinlichkeit der Disintermediation zu demonstrieren, wenn die digitale und Print-Ausgabe nicht zusammengehalten werden“. („Disintermediation“ bezeichnet den Bedeutungsverlust innerhalb einer Wertschöpfungskette).

Peter S. Fritz lehnt Agenten-Verleger an

Fritz dagegen lehnt eine Ausweitung des Agenten-Aktionsradius‘ ins Verlegerische strikt ab: „Ich habe keine Absicht, einen Verlag zu gründen. In diesem Zeitalter werden viele Rollen verwischt. Ich kann als Agent nicht meine Kunden, das sind Verlage, konkurrenzieren. Da ergeben sich zu viele Interessenskonflikte.“ (hier mehr)

Neben seiner Spitze gegenüber den Verlagen wiederholte Wylie seine Kritik an der Beteiligung von Digitaldistributeuren wie Apple (buchreport.de berichtete), die nicht 30% kassieren dürften. „Null wäre attraktiv“, so Wylie.

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