Knackige Kalkulation

Nicht nur jenseits des großen Teichs rüsten sich die digitalen Akteure mit Hardware und digitalen Services für das Weihnachtsgeschäft. Während Amazon in den USA ab Mitte November mit dem „Fire“-Tablet Apple den Kampf ansagt und hierzulande in der kommenden Woche eine Schmalspur-Kindle-Version – erstmals mit deutschem Menü – für 99 Euro auf den Markt bringt, drehen auch Weltbild und Hugendubel kräftig an der Preisschraube.

Ab dem heutigen Donnerstag verkauft die DBH-Allianz ein Gerät von TrekStor mit 7-Zoll-LCD-Farb-Display für 59,99 Euro – „günstiger als alle bisherigen Geräte auf dem deutschen Markt“, wirbt Weltbild. Im digitalen Titel-Portfolio sind laut Weltbild aktuell über 120.000 Bücher. 30 Leseproben sind auf dem Gerät vorinstalliert.

Im Interview mit buchreport skizziert der fürs Online-Geschäft verantwortliche Weltbild-Geschäftsführer Klaus Driever (Foto: re., neben Nina Hugendubel) die Ausgangsposition:  

  • Der Absatz der Reader und E-Books liege in diesem Jahr „weit oberhalb der Erwartungen“. Seit dem Frühsommer sei die Nachfrage deutlich gestiegen.
  • Auf die Frage, ob die DBH am Gerät etwas verdient oder – ähnlich wie Amazon mit dem „Fire“ – mit der Hardware primär das Inhalte-Geschäft forcieren wolle, erklärt Driever, dass der E-Reader „knackig kalkuliert“ sei. Geschäftsführer Carell Halff wird deutlicher: Weltbild habe den Vorteil, den E-Reader subventionieren zu können, schließlich mache er das Geschäft mit Inhalten, nicht mit dem Verkauf der Geräte, erklärt er im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (6.10.). Von den neuen E-Readern habe er „mutig“ eine Anzahl bestellt, die sich auf Bestsellerniveau im Belletristikbereich bewege. Im E-Book-Markt in Deutschland sieht er sich bereits auf Augenhöhe mit Amazon. 
  • Die im Juli 2011 gegründete DBH-Abteilung „Digital Products“ solle bis auf zehn Mitarbeiter aufgestockt werden, um die digitalen Geschäftsaktivitäten voranzutreiben.
  • In den vergangenen drei Monaten sei der Anteil der Bucherlöse am gesamten Onlineumsatz so hoch ausgefallen wie seit zehn Jahren nicht mehr.
  • Die jüngsten Gerüchten, Weltbild steige mit ins Pubbles-Boot und beteilige sich am digitalen Bertelsmann-Kiosk, wollte Driever nicht kommentieren.

Während sich Driever auf die Frage, ob Weltbild auch ein Tablet plane, gegenüber buchreport.de ausweichend geäußert hat (man beobachte weiter den Markt), kündigte Weltbild-Chef Carel Halff gegenüber der „FAZ“ an, noch vor Weihnachten mit einem eigenen Tabletcomputer auf den Markt zu kommen, der wie die Amazon-Version dem iPad von Apple Konkurrenz machen solle. Der Weltbild-Computer solle mit weniger als 200 Euro wesentlich weniger kosten als das iPad. Das Marktpotential für einen Tabletcomputer schätzt Halff laut „FAZ“ jedoch kleiner ein als für ein Lesegerät.

Mehr zur E-Book-Strategie der DBH im neuen buchreport.express/2011

Kommentare

1 Kommentar zu "Knackige Kalkulation"

  1. Robert Stöppel | 6. Oktober 2011 um 17:01 | Antworten

    Mit dem Füllhorn der katholischen Kirche im Hintergrund ist das auch kein große Kunst! So zahlt der Steuerzahler die Expansion – feine Sache…

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