Andreas Köglowitz: Augen auf bei der E-Book-Partner-Wahl

Andreas Köglowitz: Augen auf bei der E-Book-Partner-Wahl

Bald ist es wieder so weit. Die Frankfurter Buchmesse öffnet ihre Pforten, und wie beim letzten Mal werden auch verschiedene E-Book-Dienstleister ihre Dienste an die suchenden Verlage herantragen. Für wen sich nun entscheiden als Verlag, der davon keine Ahnung hat? Was ist wichtig, was nicht?

Hier ein kleiner Leitfaden, der aber nur zur Orientierung dienen soll, denn jeder Verlag hat andere Bedürfnisse.

1. Qualität

Wie beurteilt man nun die Qualität eines E-Books? Auf der Messe werden Sie von jedem nur fehlerfreie und schöne E-Books präsentiert bekommen, daran werden Sie die Qualität nicht messen können.

Hier ist aus meiner Erfahrung heraus ganz entscheidend, wo die Bücher konvertiert werden. Fragen Sie den Anbieter einfach mal direkt, ob er seine Bücher im Ausland, wie z.B. Indien, konvertieren lässt, oder ob er die Kompetenz bei sich im Hause hat. Das kann ganz entscheidend sein, wenn es mal nicht ein 08/15-Buch sein soll. Ihr Dienstleister soll ja auch etwas leisten und nicht nur weitergeben. Vergessen Sie die Aussage „Wir geben auch Bücher ins Ausland zur Konvertierung“, das heißt so viel wie „Wir haben es schon mal versucht bei uns, aber haben es nicht sauber geschafft“. Nehmen Sie einen Anbieter, der zu 100% bei sich fertigt, nur so ist Qualität und Schnelligkeit überhaupt erst möglich, wenn auch nicht garantiert.

Bietet der Dienstleister nur ein Format an oder alle relevanten? Mindestens dabei sollten sein: Epub, azw und mobi. Nur so ist garantiert, daß der Leser auf allen Endgeräten eine gute Qualität vorfindet.

Wenn Sie nun schon mal 80% der Dienstleister ausgeschlossen haben, fragen Sie nach, ob der Anbieter auch Eigenentwicklungen hat, etwas, was die Konkurrenz nicht hat. Gerade im Bereich iBooks von Apple ist hier eine ganze Menge mehr möglich. Hat er so etwas vorzuweisen, dann können Sie davon ausgehen, daß hier fähige Programmierer am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen.

Sollten nun mehr als einer übrig bleiben, so bitten sie die Anbieter um eine kostenlose Testkonvertierung. Das sollte für niemanden ein Problem sein, und Sie können dabei ganz in Ruhe Qualität und auch Geschwindigkeit des Anbieters testen.

2. Preis

Es ist wie immer: Was nichts kostet, ist nichts wert. Leistung hat auch hier ihren Preis, und wer, wie Libreka, behauptet, Ihre Titel kostenlos zu konvertieren, der holt sich das Geld an anderer Stelle wieder. Da stellt sich die Frage, ob man mit jemandem Geschäfte macht, der so etwas nötig hat. Lieber geben Sie transparent ein paar Euro mehr aus, bekommen aber dafür Qualität und wissen, was Sie wann wofür zahlen. Thema Vertrauen unter Partnern.

3. Auslieferung

Hier gibt es inzwischen kaum Unterschiede bei den Anbietern. Ziemlich alle beliefern alle relevanten Plattformen. Wenn Ihnen ein Anbieter erzählt, er beliefert alle Plattformen einzeln, so lügt er entweder, oder er macht sich unnötige Arbeit, beides kein Garant für Qualität. Und es bringt Ihnen keinen einzigen Cent mehr, es hört sich nur gut an für den Laien.

Folgende Unterschiede gibt es hier aber im Hintergrund:
– Die Konditionen der Auslieferer mit den Plattformen. Es macht eine Unterschied, ob Sie 60% oder 65% von einer Plattform bekommen.
– Die Konditionen der Auslieferung selbst: Wieviel bleibt bei der Auslieferung? Gibt es versteckte Kosten? Transparenz ist ganz wichtig, und lassen Sie sich das zur Not schriftlich bestätigen, was man Ihnen mündlich anbietet. Es gibt Anbieter, bei denen sind hohe Kosten ganz weit hinten versteckt.
– Ein Punkt, den man nicht überprüfen kann, aber doch mal erfragen kann: Wie gut ist das Verhältnis zu Amazon oder Apple? Beide sind nicht einfach zu handlen, aber gerade beim Auslandsgeschäft gibt es so viele Stolpersteine, die zu meistern sind.
– Fragen Sie, in welchen Ländern ihre Bücher überall erhältlich sind und lassen Sie es sich an Beispielen zeigen.
– Fragen Sie nach, wann an Sie ausbezahlt wird. Es gibt Auslieferungen, die zahlen, wenn sie das Geld von den Plattformen bekommen (was manchmal sechs Monate bedeutet), und es gibt Auslieferungen, die zahlen, sobald sie die Absatzzahlen haben. Ein wichtiger Punkt für die Liquidität.

Zusatzpunkte:

Sind Sie ein bequemer Mensch, so bietet sich die Kombination physische und digitale Auslieferung an. Das ist bequem, die Auslieferung kümmert sich dann um alle Ihre Bücher, und Sie erhalten nur eine Abrechnung. Nachteil: Die Auslieferung muss diese Leistung zukaufen und lässt sich das auch etwas kosten, meist aber nicht mehr als 1 oder 2%. Fragen Sie die Auslieferung, welcher Partner hinter ihnen steht. Noch gibt es nicht viele physische Auslieferungen, die das anbieten, aber vor allem kleine und mittlere Auslieferungen sind hier interessant.

Wie man sieht, ist es auch hier nicht einfach, den richtigen Partner zu finden, und es ist längst nicht alles Gold, was glänzt.

Deswegen: Augen auf bei der Partnerwahl! Sie haben sie Wahl.

Andreas Köglowitz, Verleger von Unsichtbar.

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