Groß und kleinteilig

Die Frankfurter Buchmesse öffnet sich immer stärker gegenüber anderen Branchen und entwickelt neue Formate – in diesem Jahr bauen die Frankfurter besonders das Konferenzen-Programm aus. Im Interview beschreibt Messe-Chef Juergen Boos Konzept und Vorbilder.

Die Buchmesse baut das Konferenzprogramm aus und führt mit Frankfurt Academy eine neue Marke ein. Ein Meilenstein?
Insofern ja, als wir den Bereich Konferenzen professionalisieren. Es ist aber keine sprunghafte Entwicklung, sondern eine Evolution. Das bereits stattliche Kongressangebot im Rahmen der Buchmesse wächst. Wir richten darüber hinaus schon seit Jahren international Konferenzen mit Partnern aus. Das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit und ein vielversprechender Entwicklungsansatz.

Was soll das Academy-Programm für Frankfurt leisten?
Die Verlage blicken über ihre Gartenzäune und treffen nicht mehr nur ihre Kollegen aus anderen Weltregionen und Sprachräumen. Sie wollen mit Telekomfirmen, Spieleproduzenten und anderen Bildungsanbietern sprechen. Seit drei Jahren öffnen wir deshalb die Buchmesse systematisch und haben dabei festgestellt, dass wir viele kleine Marktplätze schaffen müssen. Es reicht nicht, 200000 Fachleute der Kreativindustrie auf das Frankfurter Messegelände zu bringen. Wir müssen sie identifizierbar machen und Möglichkeiten bieten, sich zu relevanten Themen auszutauschen. Das sollen die Konferenzformate leisten.

Messe bedeutet normalerweise Kontakte und Kommunikation. Passt dazu der Frontalunterricht einer Konferenz?  
Konferenzen sind nach unserem Verständnis kein Platz, wo einer vorn steht und Best Practice referiert oder wissenschaftliche Inhalte präsentiert, sondern ein Marktplatz mit bestimmten Themen und Sprechern und reichlich Gelegenheit zum Austausch und zum Netzwerken.

Gibt es für den Mix aus Ausstellungsplattform und Kongress Vorbilder?
Die Frankfurter Buchmesse ist schon sehr einzigartig in ihrer Internationalität und als Messe, die für eine komplette, wenn auch relativ kleine Branche konkurrenzlos alles abdeckt. Im Bereich der Kreativbranchen ist vielleicht das Konzept der South by Southwest in Texas vergleichbar, bei der um ein Musik- und Filmfestival herum ein Programm entstanden ist mit Workshops, Präsentationen und Ausstellungen.

Ist das die Richtung?
Die Stände, die Leistungsschau werden weiterhin wichtig bleiben, aber tatsächlich wird der Konferenz- und Workshop-Anteil wachsen, auch durch Mischformate wie die vor zwei Jahren eingeführten Frankfurt Hot Spots als Marktplätze zu jeweils speziellen Themen. Die Buchmesse wird noch stärker in diese Richtung gehen.

Öffnung für andere Branchen plus neue Formate. Wie groß ist die Gefahr, zu viel zu wollen?
Ich glaube nicht, dass wir zu viel wollen. Das Konzept heißt auch nicht, dass wir jetzt der Marktplatz für alle Kreativ- und Medienindustrien werden. Wir werden im Filmsegment nicht Cannes oder die Berlinale ablösen. In unserem Fokus ist der Verleger, der immer häufiger erkennt, dass er mit anderen Leuten ins Gespräch kommen und Geschäfte machen will, um die Verwertungskette zu verlängern oder einfach, weil in anderen Bereichen mehr zu verdienen ist als im klassischen Geschäft. Wir haben den Auftrag, den Verlegern Möglichkeiten zu schaffen, Geschäfte zu machen, auch mit anderen Branchen.  

Die Messe gilt auch so als Moloch…
Sie wird gelegentlich als Moloch charakterisiert, aber wir versuchen auch gerade durch die Veranstaltungen und die definierten Marktplätze mehr Orientierung zu geben. Wir schneiden das Gesamtangebot in Scheiben und machen es konsumierbar. Auch wenn insgesamt alles sehr komplex erscheint, ermöglichen wir jedem, seine Messe zu finden. Wir geben Orientierung für Märkte, die schon sehr weit sind, ebenso für Märkte in einem anderen Entwicklungsstadium und mit ganz anderen Herausforderungen. Das Veranstaltungsprogramm trägt wesentlich zur Strukturierung bei.

Lassen sich die Rückgänge in der Flächenvermietung durch hochkarätige Veranstaltungen kompensieren?
Wir haben de facto keinen Rückgang bei den Quadratmetern. Die internationale Halle 8 ist nach wie vor überbucht, das Rechte-Zentrum LitAg wächst und wir müssen weitere Tische besorgen. Die Fläche schmilzt nicht, aber tatsächlich sind die Veranstaltungen ein Wirtschaftsfaktor und das nicht nur im Rahmen der Messe in Frankfurt. Es sind Formate, die wir auch international an anderen Standorten wie beispielsweise Brasilien und Indien weiterentwickeln werden.

Wo geht die Entwicklung hin?
Das Konzept der Messe ist wie die Branche in Bewegung. Wir müssen langfristig als Frankfurter Buchmesse noch kleinteiliger werden, aber um erfolgreich zu bleiben, müssen wir auch die Größe halten, die wir jetzt haben.  

Die Fragen stellte Thomas Wilking

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