Putsch und Possen

Der langjährige Gesellschafter-Streit beim Suhrkamp Verlag eskaliert. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ (19.9.) berichtet, hat der Hamburger Unternehmer Hans Barlach (Foto l.) Klage gegen die dreiköpfige Suhrkamp-Geschäftsleitung eingereicht. Barlach hält mit seiner Medienholding Winterthur 39% der Verlags-Anteile.

Sein Vorwurf: Das Gremium bestehend aus Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz (Foto r.), Jonathan Landgrebe und Thomas Sparr habe seine Kompetenzen „weit überschritten“ und Gelder veruntreut. 

Suhrkamp bestätigte auf Nachfrage von buchreport.de, dass eine entsprechende Klage eingereicht wurde. Bereits vor vier Jahren hatte Barlach der Verlagschefin Missmanagement und Veruntreuung vorgeworfen. Suhrkamp beantragte daraufhin einen Strafbefehl gegen Barlach wegen übler Nachrede. Schon die damaligen Vorwürfe stellten sich laut Suhrkamp als „ungerechtfertigt“ heraus, dementsprechend „überraschend“ sei der erneute Vorwurf.

Barlach wurde laut Verlag mit einer von ihm zwischenzeitlich anerkannten einstweiligen Verfügung des Landgerichts Berlins (16. August 2011) untersagt, öffentlich zu behaupten, dass Unseld-Berkéwicz Verlagsmittel veruntreut hätte. Die einstweilige Verfügung wurde zwischenzeitlich mit Urteil vom 9. September 2011 bestätigt; Winterthur habe Rechtsmittel angekündigt.
 
Zum Jahreswechsel will Barlach laut Focus zusammen mit dem ehemaligen Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Josef Depenbrock, selbst in die Geschäftsleitung des Verlags eintreten. Suhrkamp bestätigte, dass Winterthur als Minderheitsgesellschafter das satzungsmäßige Recht habe, einen nicht zur Alleinvertretung befugten Geschäftsführer zu entsenden. Der Gesellschaftsvertrag stelle jedoch bestimmte Anforderungen an die zu entsendenden Geschäftsführer. Die Mehrheitsgesellschafterin des Suhrkamp Verlags, die Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung, habe „erhebliche Bedenken, ob Herr Barlach über die persönlichen und fachlichen Kompetenzen verfügt, in die Geschäftsführung eintreten zu können“. Die Geschäftspolitik und Verlagskultur werde von der Familienstiftung bestimmt, die Linie des Verlags werde „in jedem Fall unverändert fortgeführt“. 

Zuletzt schien es, als ob Barlach und die Geschäftsführung Frieden geschlossen hätten. Barlach hatte die Übersiedlung des Verlags von Frankfurt nach Berlin unterstützt und sich damit gegen Verlegersohn Joachim Unseld gestellt, der seinen 20%-Anteil nach monatelangen Streitigkeiten schließlich jeweils zur Hälfte an die beiden anderen Gesellschafter verkaufte.  

Der Suhrkamp Verlag belegt mit einem Umsatz von 39 Mio Euro in 2010 (-9,3%) aktuell Platz 40 im buchreport-Ranking der größten Buchverlage.

Foto Unseld-Berkéwicz: © Shannon / Wikimedia, Fotomontage buchreport.de

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