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Der letzte Tycoon

Die deutschen Feuilletons verabschieden sich heute mit langen Hymnen von Diogenes-Verleger Daniel Keel, der gestern verstorben ist.

Der „Spiegel“ würdigt Keel als „Anreger und Aufspürer, voller Witz und nicht ohne Koketterie“. Einer von Keels Lieblingssätzen, „Die Vernunft verfolgt mich, aber ich bin schneller“, „sei eine erstaunliche Aussage für einen Kaufmann, der seinen Verlag zu einem der erfolgreichsten in Europa gemacht habe.

Die „Welt“ vergleicht Keel mit Siegfried Unseld, dessen „Präpotenz“ und „Selbstdarstellungsfreude“ Keel abging. Beide vereine aber die „Nase“, das verlegerische „je ne sais quoi“, das den Besitzer derselben einfach spüren lasse, ob ein Manuskript ein durchschlagender und haltbarer Titel werden könnte. „Dazu reicht es nicht, gebildet zu sein und Geschmack zu haben; schon gar nicht, bereits erzielte Erfolge schematisch „weiterzudrehen“. Man muss in der Literatur eine Zukunftsbegabung haben: Siegfried Unseld hatte die, Samuel Fischer, Ledig-Rowohlt. Und Daniel Keel.“

Keel habe zu den bedeutendsten Verlegerpersönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum gezählt, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“. Ohne davon ein großes Aufheben zu machen, habe er die Grenzen zwischen Unterhaltungs- und ernster Literatur beiseitegewischt. „Und vielleicht wie keinem Verleger zuvor ist es ihm gelungen, aus seinen Büchern einen wiedererkennbaren Markenartikel zu machen.“ Schießlich sei es Keel, wie einst seinen Freund Ruedi Bettschart, gelungen, Mitarbeiter ins Unternehmen zu holen und mit seinem Enthusiasmus anzustecken. „Ohne sie wäre sein Lebenswerk nicht geworden, was es wurde – und sie erst geben Gewähr, dass es über seinen Tod hinaus Bestand haben kann.“

Der „Tagesspiegel“ feiert Keel als „letzten Tycoon“, der Diogenes zu einer immens erfolgreichen Marke gemacht habe, „einer Marke, die nicht zuletzt bis heute unabhängig ist und keinerlei Konzernvorgaben verpflichtet“ – weshalb er auch kein Problem damit gehabt habe – Verleger-Tycoon hin oder her – als Name und Person hinter dieser Marke zu verschwinden.

Die „taz“ würdigt Keel als „alten Fuchs“, der die Tücken des Geschäftes kannte. „Als einer der ersten unter den renommierten deutschsprachigen Verlagen erklärte er den Kalten Krieg zwischen Hoch und Unterhaltungskultur für beendet und druckte die interessanten Kreuzungen zwischen beiden: Ambler, Chandler, Fitzgerald, Highsmith, Faulkner, Hammet oder Carson McCullers.“

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