Frankfurter Schwarzmalerei

Auf einem noch jungen Geschäftsfeld können erste Landvermessungen befruchtend wirken, wenn sie bei den Akteuren für Orientierung sorgen. Oder verwirrend, wenn sie dieses Ziel verfehlen. Nachdem der Börsenverein im Frühjahr eine „erste breit angelegte E-Book-Studie für Deutschland“ (hier mehr) vorlegte und mit einer Kakofonie von Zahlen aus verschiedenen Quellen viel Kritik in der Branche erntete, hinterlässt auch die neue Studie zur Piraterie (hier mehr) viele Fragezeichen, und zwar sowohl bei der Analyse als auch der Schlussfolgerung durch den Verband.

Für grundlegende Zweifel sorgt besonders die Einstufung des „Illegalen“: Demnach werden alle Personen, die sich bei Tauschbörsen, privaten Websites und in Foren Lektüre besorgen, pauschal in die Ecke der Piraten gerückt, ungeachtet der riesigen Mengen an legalen Buch-Downloads z.B. aus dem „Projekt Gutenberg“. Angreifbar macht sich der Verband außerdem mit der einseitigen Interpretation. In der Frankfurter Schwarzmalerei haben Lichtblicke – dass nur 1% der Deutschen illegal E-Books liest; dass der Piraterie-Trend bei Musik rückläufig ist; dass die Situation bei digitalen Hörbüchern im reiferen Markt nicht so düster aussieht – keinen Platz.

Allzu leicht macht es sich der Verband mit dem  Appell an die Politik, endlich Gesetze zum Urheberschutz im Netz zu entwickeln, mit dem Hinweis, dass der Ruf nach neuen Geschäftsmodellen für Verlage nur ein „billiges Ablenkungsmanöver“ sei. Nein, die stärkste Waffe im Kampf gegen Piraterie ist und bleibt ein umfangreiches, nutzerfreundliches und nicht überzogen teures legales Angebot, damit mögliche Käufer nicht zu Dieben werden. Diese Hausaufgaben muss die Branche erledigen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Frankfurter Schwarzmalerei"

  1. Ich kann die Studie weiterhin auch aus dem Grund nicht ganz ernst nehmen, weil hier (einmal so gewendet) der Balken im Auge des anderen gezeigt werden soll, ohne den Balken im eigenen Auge zu bedenken. Das Urheberrecht ist – zum Nachteil aller – komplizert und auch die Buchbrance selbst erlaubt sich deshalb immer wieder Verstöße. Das hat auch das Geplänkel um das lizenzwidrig genutzte Foto zur Börsenvereinspressemitteilung gezeigt. Was mich aber ärgert ist z.B., dass die buch.de Internetstores AG es trotz Hinweisen nicht fertig bekommt, den Verkauf von im eigenen Webshop urheberrechtwirdrigem Material an gutgläubige ebook-Käufer zu unterbinden und das seit Jahresfrist. Ausführlich dazu hier: http://walfischbucht.wordpress

    Vor diesem Hintergrund ist die Studie um so fragwürdiger.

    A. Buck
    Rechtsanwalt

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