Sagen Sie jetzt nichts

Am Montag starb der Humorist Vicco von Bülow, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Loriot, im Alter von 87 Jahren. Ausgewählte Stimmen aus der Tagespresse:

„Je mehr Comedians die Bühnen bevölkerten, desto einzigartiger wurde Vicco von Bülow“, lobt ihn Hajo Schumacher in der „Berliner Morgenpost“. Und ergänzt: „Wer wirklich etwas bedeutet in diesem Land, der schafft es zu Weihnachten ins deutsche Wohnzimmer. Der Bundespräsident zum Beispiel. Oder Loriot.“

„Sein Name, sein Werk bedürfen keines Grabsteines, sie sind uns in die Herzen eingeschrieben“, trauert Peter Raue in der „BZ“: Kein Deutscher der letzten Jahrzehnte sei so geliebt und bewundert worden wie er. „Kein literarisches, kein filmisches Werk hat sich so in das Gedächtnis eingegraben wir das von Vicco von Bülow.“

Arno Frank fragt sich in der „taz“: „Worüber lachten eigentlich die Deutschen, bevor Loriot kam? Gar nicht.“ Denn: „In Loriot floss alles zusammen, was jemals komisch war in Deutschland.“ Und die „SZ“ (24.8.) stimmt ein: „Es brauchte Loriot, damit die Deutschen erkannten: Wir haben Humor“. Ganz sicher sei er einer der wenigen Künstler seines Fachs gewesen, der begriffen habe, dass Tragik und Komik nicht nur „benachbart“ oder „verwandt“, sondern zwei Seiten einer Sache sind, so Frank: „Und dass diese Sache das Leben ist.“

Diese Loblieder hätte Vicco von Bülow sicher nicht hören wollen, mutmaßt „SPIEGEL ONLINE“. Viel zu fein, viel zu bescheiden sei er gewesen. Zudem wäre Loriots Tod absolut nicht nötig gewesen. Denn: „Unsterblich war er längst.“

Wohl deshalb wünscht sich Jörg Thomann in der „FAZ“ auf „die bestürzende Nachricht, dass Vicco von Bülow gestorben ist, so reagieren zu können, wie der Meister es wohl angemessen fände, mit jener wehmütigen Lakonik etwa, mit der er selbst vor vier Jahren seine langjährige, kongeniale Partnerin Evelyn Hamann verabschiedete.“ Stets eine Meisterin des Timing, habe sie diesmal die Reihenfolge nicht eingehalten, rügte Loriot, und schickte ein väterliches „Na warte“ hinterher. Weitere Stimmen zum Tod von Loriot hat die „FAZ“ in einer Bildergalerie gesammelt.

Seine Pedanterie verfolgt die Journalisten offenbar auch nach seinem Tod: „Einen Augenblick lang stelle ich mir erschrocken vor, Loriot lebte noch, während ich einen Nachruf über ihn schreibe. Und dann male ich mir aus, wie er über die schlampige Schnelligkeit und Ungenauigkeit entsetzt gewesen wäre und sie missbilligt hätte, wie er alles missbilligte, was seinen Sinn für Akkuratesse, ja Pedanterie und seinen Kampf gegen die Ungenauigkeit betroffen hätte“, schreibt Hellmuth Karasek in der „Berliner Morgenpost“.

Der Autor Axel Hacke habe einmal das Lebenswerk von Loriot, so weit es gedruckt vorliegt, auf eine Waage gestapelt, berichtet der „Tagesspiegel“. Seitdem weiß man: Es sind 4,1 Kilo. Im September dürfte die Waage etwas schwerer werden. Aus Anlass von Loriots Tod will der Diogenes-Verlag den Erscheinungstermin seines letzten Buches vorziehen: „Bitte sagen Sie jetzt nichts“ mit Gesprächen mit Loriot aus vier Jahrzehnten soll nun bereits Mitte September 2011 erscheinen, nicht wie geplant im November.

In diesem Sinne, hier Loriots Plädoyer fürs Lesen:

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