Konfliktäres Direktgeschäft

Im enger werdenden Markt beobachten Buchhändler nicht nur die Abwanderung ins Online-Geschäft mit Sorge, sondern sehen auch das ebenfalls wachsende Direktgeschäft von Verlagen kritisch. Aktuell liegt Christoph Greuter, der vier Buchhandlungen im Süden Baden-Württembergs bewirtschaftet, mit dem Campus Verlag über ein angebahntes Direktgeschäft über Kreuz.

Hintergrund ist die Anfrage eines Greuter-Unternehmenskunden nach 1600 Exemplaren des Campus-Wirtschaftsromans „Das Ziel“, der im Einzelverkauf 27 Euro kostet. Sein Kunde, berichtet Greuter, habe ihn mit dem Verlagsangebot von 13,80 Euro konfrontiert. Damit habe er auch mit den von Campus vorgesehenen Preisen für Mengenabnahme nicht mithalten können.

Campus-Marketing-Verlagsleiter Joachim Bischofs erklärt auf buchreport-Anfrage, das günstige Direktangebot mit einer Sonderausgabe. Man sei von der Firma „speziell nach einer eigenen Ausgabe gefragt worden“ und habe jetzt ein Angebot abgegeben. Dass der Kunde parallel in einer Buchhandlung eine „Mengenanfrage“ tätigte, habe man nicht gewusst.

Ob das Geschäft tatsächlich zustande kommt, ist offen, weil das anfragende Unternehmen insgesamt offenbar weniger als 20.000 Euro ausgeben will. Unabhängig davon thematisiert Buchhändler Greuter Grundsatzfragen über eine womöglich weit verbreitete Praxis von Verlagen:

  • „Warum kommt ein Verlag nicht auf die Idee, einen Kunden auf den örtlichen Handel zu verweisen?“
  • „Warum lassen Verlage Buchhändler um jedes Prozentpünktchen Rabatt feilschen und beliefern Endkunden mit einem Rabatt von rund 50%?“

Im Ergebnis verlören die Buchhandlungen zumindest für größere Anfragen ihre Rechnungskunden, fürchtet Greuter. Die vom Handel gegenüber den Kunden hochgehaltene Preisbindung werde zudem unglaubwürdig, auch wenn formal mit einer Sonderausgabe alles korrekt sei. Mit Nachlässen in dieser Höhe mache man letztlich die Firmenkunden glauben, dass Händler ebenfalls solche Nachlässe beziehen, „was (leider) nicht stimmt, beim Kunden, der von Preisbindung nichts wissen will, aber den Eindruck von Preiswucher des Buchhändlers erweckt“.

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