Erst das Videospiel, dann das Buch

Heute beginnt mit der Gamescom in Köln die weltweit größte Messe für interaktive Spiele und Unterhaltung (hier mehr). Auch Verlage und Buchhandlungen suchen Anknüpfungspunkte zur Games-Industrie, unter ihnen der Panini Verlag als einer der ersten Anbieter von Romanen und Comics zu PC- und Computerspielen. Im Interview erklärt Panini-Chefredakteur Jo Löffler (Foto), wie sich die Branchen einander annähern.

Panini publiziert seit 2001 Bücher zu Videospielen. Wie hat sich das Genre entwickelt?

Der Output ist viel größer, als das noch vor zehn Jahren der Fall war. Das Genre ist aber nicht nur gemessen an der Zahl der Titel umfangreicher, sondern auch inhaltlich variantenreicher geworden. Am Anfang war die Formel: Wir machen ein Buch zum Spiel; mittlerweile gewinnen originäre Inhalte an Bedeutung, die nur für die Bücher erdacht wurden.

Werden Buchausgaben zum Standard in der Verwertungskette von Videogames?

Absolut, zumal wir immer stärker den Eindruck haben, dass die Game-Publisher das Buch als hervorragendes Tool entdeckt haben, um ein Spiel zu vermarkten. Es ist mittlerweile sogar schon so, dass sie auf uns zukommen, wenn ein Roman zum Game verfasst werden soll; das war früher anders. Außerdem merkt man, dass der Roman immer mehr ein wesentlicher Bestandteil des Spiels wird: Autoren, die für die Game-Handlung verantwortlich sind, schreiben immer häufiger auch den Roman.

Warum werden Bücher seltener zur Vorlage von Videospielen?

Es gibt Ausnahmen, etwa die „Gerald-Saga“ von Andrzej Sapkowski, die auch als Videospiel ein Bestseller geworden ist. Aber möglicherweise ist der Gedanke immer noch zu weit weg für Videospiel-Produzenten, obgleich hier ein Schatz an Themen verborgen ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändert: Hollywood entdeckt Videospiele als Filmstoff, vielleicht entdeckt die Games-Industrie bald Bücher als Themenquelle.

Einige Games-Romane erreichen Verkaufszahlen von über 100000 Exemplaren. Welche Rolle spielt der Buchhandel als Vertriebsweg?

Das hängt davon ab, wie gut der entsprechende Händler seine Hausaufgaben gemacht und das Potenzial solcher Titel erkannt hat. Wir machen zunehmend die Erfahrung, dass insbesondere der Buchhandelsnachwuchs gut über Games Bescheid weiß.

Die großen Buchketten führen bereits eigene Abteilungen mit Video- und Computerspielen. Ein Thema nur für Filialisten?

Es braucht keine Videospiel-Abteilung, im Gegenteil: Mir ist es sogar lieber, wenn sich die Games-Romane im Fantasy- oder Science-Fiction-Regal wiederfinden, damit Fantasy-Leser sich einmal einen Roman greifen, der auf Basis eines Games geschrieben wurde.

Videospiele werden bereits in Feuilletons rezensiert. Sind sie als Kulturgut akzeptiert?

Das ist längst passiert. Das Budget für Videospiele übersteigt das von Hollywood! Spiele sind aus dem Kulturbereich nicht mehr wegzudenken.

Die Fragen stellte Till Spielmann

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