Kalkulierter Skandal

Drei Jahre nach dem Erfolg der „Feuchtgebiete“ bei DuMont schiebt Piper den zweiten Roman von Charlotte Roche an den Start: Die „Schoßgebete“ erscheinen am Mittwoch (10.8.) mit einer Startauflage von 500.000 Exemplaren.

Felicitas von Lovenberg durfte den Roman vorab lesen und scheint begeistert: „Wer geglaubt hat, sie könne nur provozieren, aber nicht schreiben, wird staunen“, lobt die Literaturkritikerin das Buch in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (8.8.). Schoßgebete sei reifer und anspruchsvoller als der Erstling: „Wo Helen Behmel sich selbst äußerlich untersuchte, richtet Elizabeth Kiehl ihren erbarmungslosen Forscherblick auf ihr Innerstes.“ Roche wahre die Balance zwischen Verbergen und Enthüllen, Künstlichkeit und Komik bis zum Schluss.

Auch diesmal erzähle sie mit „krasser Detailversessenheit, in einer manchmal ungelenken, aber direkten Sprache und mit großer Freude am Überschreiten von Schamgrenzen“, schreibt der SPIEGEL, der heute (8.8.) ein großes Exklusiv-Interview mit der Autorin und TV-Moderatorin veröffentlichte, in dem Roche auch vom tödlichen Autounfall ihrer Familie erzählt. Ihre drei Brüder waren 2001 auf dem Weg zu ihrer Hochzeit in London bei einem Autounfall ums Leben gekommen, die Mutter wurde schwer verletzt. Ein ähnlicher Unfall ereignet sich auch im Leben der Hauptfigur in Roches Roman. Die „FAZ“: „Das wahre Ereignis verleiht dem Roman eine Dringlichkeit und eine Wucht, denen man sich nicht entziehen kann.“ Roche habe ein Buch geschrieben, das uns weit über die Lektüre hinaus bewege und beschäftige. Dies lasse sich „von manch einem literarischen Meisterwerk nicht sagen“.

Erst zwei Tage vor dem offiziellen Erscheinungstermin am 12. August werden die Rezensionsexemplare an die übrigen Medien verschickt, die sich entsprechend auf Mutmaßungen beschränken – und Gebete:

David Hecker beispielsweise hat genug von „olfaktorischen Grenzgebieten“ und „unappetitlichen Geschichten“, schreibt er in der „Welt am Sonntag“ (7.8.). Schon die Verlagsankündigung tänzelte „auf der dünnen Klinge zwischen Skandal und Seriosität. In diesem Sinne wirbte auch Charlotte Roche im Youtube-Video für ihr Buch: „Wer dachte, ‚Feuchtgebiete’ sei krass, muss sich hierbei richtig anschnallen“:

Hecker schickt allein aufgrund einer solchen Ankündigung ein „Stoßgebet zum Literaturhimmel“: „Lass es wütend sein und witzig, dieses Buch. Lass es erwachsen um sich schlagen, gut geschrieben sein. Und lass es gut riechen.“ Ähnlich skeptisch zeigt sich die „taz“, die den neuen Roman in die Rubrik „Gurke des Tages“ (8.8) gewählt hat.

Die Buchkette Hugendubel erwartet dem „Stern“ zufolge, dass Schoßgebiete einer der stärksten Titel des Herbstes wird. Und auch Thalia verspreche, das Buch „in ausreichenden Mengen und gut auffindbar“ bereit zu halten. Kein Wunder, schließlich habe Piper daran gearbeitet, dass das Buch mit „kalkuliertem Skandal“ zum Megaseller werde.

Roches erster Roman „Feuchtgebiete“ rangierte acht Monate auf Platz eins der SPIEGEL-Bestsellerliste. Die Gesamtauflage lag bei 1,8 Mio Exemplaren. Roche im SPIEGEL: „Ich wäre verrückt, wenn ich glaubte ‚Feuchtgebiete’ wäre zu übertreffen.“

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