Impulse aus dem Kinderzimmer

Das Kinder- und Jugendbuch ist auch auf dem Geschäftsfeld Export eine Warengruppe mit Potenzial. Renate Reichstein (Foto), stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (AvJ) und Leiterin der Abteilung Rechte und Lizenzen in der Verlagsgruppe Oetinger, beleuchtet im Interview aktuelle Entwicklungen und Baustellen. 

Das Kinder- und Jugendbuch steht im Binnenmarkt für verlässliche Vitalwerte. Wie schlägt der Puls beim Export?

Nach den aktuellen Zahlen ist der Markt der Auslandslizenzen Kinderbuch 2010 im Vergleich zum bereits starken Vorjahr um erstaunliche 47% gewachsen. Richtig zugelegt haben mit einem Plus von 90% die Bilderbücher. Der größte Einzelanstieg und eine wirklich überraschende Entwicklung.

Was macht Bilderbücher aus Deutschland zum Liebling der Agenten?

Die Produktionen der Verlage sind sehr viel wagemutiger und moderner. Über Jahre, vielleicht sogar über Jahrzehnte waren unsere Illustratoren sehr brav und eigentlich sehr austauschbar. Nun kommt eine neue Generation auf den Markt, die nicht am Mainstream orientiert arbeitet, sondern echte Hingucker kreiert. Titel, die man sogar nach Frankreich verkaufen kann. Dass der schwierige französische Markt Bilderbücher aus Deutschland goutiert, zeigt, dass der neue Stil modern und innovativ ist.

Beim Blick auf die Jugendbuch-Bestsellerlisten dominieren immer noch importierte Helden. Sind deutsche Autorinnen und Autoren für Höhenflüge zu schwachbrüstig?

Vielleicht liegt es daran, dass wir immer noch relativ wenige haben, die so aufgebaut werden können, dass Bestsellerlisten-Potenzial entsteht. Wir haben es z.B. mit Cornelia Funke geschafft, bei anderen funktioniert es aber noch nicht. Das Prädikat „in Amerika ein Erfolg“ bleibt im Handel ein Hauptkriterium. Eigentlich eine bizarre Situation.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung?

E-Books sind ein spannendes Thema, für die Kinder- und Jugendbuchverlage aber bislang nur ein minimales Märktlein. Im europäischen Vergleich muss man Spanien hervorheben, dort scheint der Markt schon zu funktionieren. Die Amerikaner holen sich E-Book-Rechte reflexartig seriell mit ein. Man kann aber auch für die USA nicht behaupten, dass dort bereits ein wirtschaftlich relevanter Markt für elektronische Kinder- und Jugendbücher existiert.

In welchem Fach müssen die Kinder- und Jugendbuchverlage noch dringend ihre Hausaufgaben machen?

Ein übergreifendes Manko ist das Fehlen eines breiten Angebotes von Büchern für Leseanfänger. Kinder, die gerade das Lesen gelernt haben, wollen nach der Lektüre ihres ersten Buches in der Regel neuen Lesestoff, den es in der erforderlichen Vielfalt leider derzeit nicht gibt. An diesem Punkt verlieren wir sie oft an Konkurrenzmedien. Wie schwer es ist, sie später zurückzugewinnen, wissen wir alle.

Die Fragen stellte Rainer Uebelhöde

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