Die Fackel glimmt

Vor rund 100 Tagen gab Amazon den Startschuss für das Kindle-Programm in Deutschland. Seinerzeit prophezeiten viele, dass dies die lang erwartete Initialzündung für den deutschen E-Book-Markt bedeute. Doch die bisherigen Absatzzahlen sprechen eine andere Sprache.

Zwar hat Amazon „den deutschen E-Book-Markt einen großen Schritt vorangebracht“, resümiert Jonathan Beck, Mitglied der Verlegerfamilie von C.H. Beck. Aber: „Von einer explosionsartigen Entwicklung können wir nicht sprechen.“ Der Start des Kindle-Programms war „ein weiterer Schritt, den E-Book-Markt auf ein breiteres Fundament zu stellen“, meint auch Oliver Pux von der Lübbe-Abteilung Bastei Entertainment und Tobias Selke von Rowohlt ergänzt: „Das Thema E-Book wird immer wieder ins Bewusstsein der Endverbraucher gebracht, und somit werden sich auch Investitionen in Zukunft rentieren.“

Dennoch bewerten die Verlagsexperten die Entwicklung des digitalen Marktes insgesamt positiv: „Wir sehen eine deutliche Belebung des gesamten E-Book-Marktes“, erklärt Thomas Altmann, Leiter der Abteilung E-Business bei Droemer Knaur. Er ist zufrieden mit den E-Book-Absätzen – ebenso wie Random-House-Manager Frank Sambeth und Tobias Selke von Rowohlt. „Wir waren über die Absätze nach dem Launch des Shops sogar überrascht“, freut sich Pux von Bastei Entertainment. Auch die befürchtete Kannibalisierung der anderen Vertriebsplattformen sei nicht eingetreten. Trotz positiver Tendenzen: „E-Books sind für uns immer noch ein Zuschussgeschäft – auch inklusive des Kindle Stores“, meint Jonathan Beck.

E-Book-Kunden ticken offenbar ähnlich wie Print-Kunden: „In der Regel korrelieren E-Book- und Printabsätze“, so Altmann von Droemer Knaur. „Die Print-Bestsellerliste scheint dem Kunden auch als Referenz für den E-Book-Kauf zu dienen“, stellt Selke von Rowohlt fest und Random-House-Manager Frank Sambeth ergänzt: Bezüglich Genres und Zielgruppen seien immer weniger Unterschiede zwischen traditionellen und E-Lesern zu erkennen.

Einige Vorlieben sind dennoch erkennbar: Bisher kaufen nach Erfahrung von Bastei Lübbe überproportional viele Männer E-Books „aber – und das zeigen auch die Umfragen – die Frauen holen auf“. Spannung, Krimi, Mystery und Klassiker wie Jerry Cotton und John Sinclair sowie einige Erotiktitel seien besonders beliebt.

Auch eine gewisse Preissensibilität der Kunden sei „im Moment noch“ zu spüren. „Der Erfolg des Niedrigpreissegments liegt wahrscheinlich auch in einer anfänglichen Experimentierfreude der neuen Kindle-Besitzer begründet“, vermutet Beck. Tobias Selke von Rowohlt stimmt ein: „Der Kindle-Besitzer stöbert im Angebot des Amazon-Shops und prüft, wie sich deutsche Bücher auf dem Kindle lesen lassen.“ Günstige E-Books sind laut Oliver Pux auch bei Smartphone-Lesern und Experimentierfreudigen gefragt. Dennoch wollen die Verlage mit Blick auf die Qualität ihrer Angebote bei ihren derzeitigen Preismodellen bleiben.

Wird sich der Markt in Deutschland ähnlich wie in den USA entwickeln? Die Verlagsexperten gehen nicht davon aus und verweisen auf andere, eher konservativ geprägte, Lesegewohnheiten und ein breiteres Buchhandelsnetz in Deutschland. Der E-Book-Markt werde eher langsam wachsen. „Ich glaube nicht, dass es einen kurzfristigen Erdrutsch in Richtung E-Books geben wird“, so Oliver Pux von Bastei Entertainment: „wohl aber ein kontinuierliches Wachstum des digitalen Buchmarkts“.

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