Libreka muss unabhängig bleiben

Wird Libreka bald auf eigenen Füßen stehen oder braucht die Plattform größeren Investitionsspielraum, um in andere Bereiche zu expandieren und in neue Technologien zu investieren? Im Interview mit buchreport.de bezieht MVB-Geschäftsführer Roland Schild (Foto) Stellung zum geforderten Verkauf von Libreka und zur Kritik am „kostenlosen“ Konvertierungsangebot, wie sie zuletzt vom Unsichtbar-Verleger Andreas Köglowitz geäußert wurde.

Zuletzt wurde Kritik laut, dass man nicht wirklich von einer „kostenlosen“ Konvertierung sprechen kann, wenn diese durch die Verkäufe der E-Books refinanziert wird. Wie definieren Sie in diesem Fall „kostenlos“?

Wir haben immer klar und unmissverständlich gesagt, dass wir die Kosten für die Konvertierung nicht selbst übernehmen können. Die Konvertierung wird durch Verkäufe über Libreka refinanziert: Die Verlage stellen uns je 15 Freiexemplare pro digitalisiertem Titel zur Verfügung. Die Kosten der Freiexemplare werden mit den Libreka-Erlösen des jeweiligen Verlages verrechnet.

Mit welchem Dienstleister arbeiten Sie zusammen?

Unser Auftrag ist dem Vernehmen nach der weltweit größte Auftrag für die Konvertierungsbranche, der momentan vergeben wird. Daher sind wir von dem ausgewählten Dienstleister gebeten worden, die Ankündigung gemeinsam abzustimmen. Dies wird in den nächsten Tagen erfolgen.

Haben Sie den Auftrag öffentlich ausgeschrieben?

Nein. Wir haben eine ganze Reihe von uns bekannten und empfohlenen Dienstleistern kontaktiert und von diesen Dienstleistern Angebote angefordert.

Wie wird sich die Konvertierung refinanzieren? Allein die Kosten der Konvertierung sollen sich auf rund 1 Mio Euro belaufen…

Inzwischen haben bereits knapp 100 Verlage Interesse bekundet. Die erwarteten Kosten liegen im sechsstelligen Bereich. Wir gehen davon aus, dass wir die Aktion über einem Zeitraum von zwei bis maximal zweieinhalb Jahren kostenneutral für die MVB gestalten können.

Wann wird Libreka endlich auf eigenen Füßen stehen?

Libreka steht immer schon auf eigenen Füßen. Unsere Finanzierung steht im Wesentlichen auf zwei Beinen. Der momentan größte Teil der Finanzierung ist die gemeinsame Titelmeldegebühr für VLB und Libreka. Das zweite Standbein ist die Verkaufsprovision für die Titel, die wir über Libreka distribuieren. Das ist eine Säule, die rasant wächst: Wir hatten im Zeitraum von Dezember bis Mai eine Steigerung der Verkaufszahlen von 1000% – ungefähr 70% pro Monat. Diese Entwicklung setzt sich im Juni und nach ersten Erkenntnissen auch im Juli fort. Nach unseren bereits kommunizierten Prognosen könnten die Verkaufsprovisionen die Titelmeldegebühren schon im Jahr 2013 übersteigen.

So dass Sie Libreka auch ohne das VLB finanzieren können…

Nicht ganz. Wir werden auch im Jahr 2013 in der Situation sein, dass wir die Titelmeldegebühren zumindest teilweise brauchen. Aber in den Folgejahren könnte sich Libreka allein aus den E-Book-Verkäufen finanzieren. Das hängt natürlich auch von der Marktentwicklung ab, die wir ja nur sehr bedingt beeinflussen können. Wir diskutieren die Finanzierungsmodelle für Libreka intensiv mit den Verlagen. So favorisieren einige Verlage, das derzeitige Finanzierungsmodell beizubehalten um Libreka einen größeren Investitionsspielraum zu geben. Andere Verlage fordern wiederum ein modulares Preismodell für VLB und Libreka. Es ist aber angesichts des sich rasant entwickelnden Marktes zu früh für eine Prognose, in welche Richtung sich das Finanzierungsmodell entwickeln wird.

Sind sie in den von den Zwischenbuchhändlern geforderten Verkaufsgesprächen von Libreka vorangekommen?

Nein. Wir haben die Gespräche nicht weitergeführt, weil zuletzt mehrfach – beim Branchenparlament und auf der Hauptversammlung – sehr große Unterstützung für die derzeitige Struktur von Libreka offenkundig wurde. Zudem wurde der klare Wunsche geäußert, dass eine so wichtige und zentrale Distributionsplattform unabhängig bleibt und nicht in die Hände einer Sparte geht.

Wird Libreka aus der MVB ausgegliedert und in ein Gemeinschaftsunternehmen überführt?

Auch diese Gespräche haben wir formell gestoppt, da wir keine Unterstützung in der Branche gesehen haben. Die Branche ist offensichtlich mit der momentanen Konstruktion zufrieden.

Die Fragen stellte Lucy Kivelip

Kommentare

1 Kommentar zu "Libreka muss unabhängig bleiben"

  1. Ronald Schild | 21. Juli 2011 um 23:22 | Antworten

    Lieber Herr Köglowitz,

    hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen, das durch aus dem Kontext gerissene Zitate allerdings eher verschlimmert wird.

    Seit der Ankündigung der Konvertierungsoffensive haben wir stets betont, dass die Konvertierung selbst kostenfrei ist, sich allerdings durch die 15 Freiexemplare refinanziert.

    Ich kann natürlich verstehen, dass Verlage eine ‚echte‘ Kostenfreiheit bevorzugen würden, aber die ist mit einer betriebswirtschaftlich verantwortungsvollen Steuerung von libreka nun einmal nicht zu vereinbaren. Deshalb aber nun eine Täschung zu insinuieren oder von unglücklichen Formulierungen zu sprechen, geht deutlich am Kern der Sache vorbei. Vielmehr haben wir mit der Konvertierungsoffensive ein für Verlage hochattraktives Paket geschnürt, dass den Start bzw. den Ausbau des E-Book-Geschäfts einfach und risikolos gestaltet.

    Ich würde mich natürlich trotz dieses Missverständnisses freuen, wenn Sie sich an der Konvertierungsaktion beteiligen würden.

    Mit besten Grüßen
    Ronald Schild

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