Unsere Kunden bekommen punktgenaue Antworten

Auf der Tagung „Semantics and Media“ (14. bis 15.7.) berichten Internet-Experten über die Entwicklung semantischer Technologien. Einer der Redner ist Christian Dirschl, der als Content Architect bei der Fachverlagsgruppe Wolters Kluwer daran arbeitet, den Nutzern die Navigation durch das Meer der digitalen Informationen zu erleichtern. Im Interview mit buchreport erklärt er, warum auch Fachverlage auf semantische Suche setzen.

Worin besteht für einen Fachverlag der Charme semantischer Suchfunktionen?

Der große Charme besteht darin, dass unsere Kunden punktgenaue Antworten auf die Fragen bekommen, die sie stellen. Bisher mussten sie sich in Printprodukten oder Datenbanken die Antworten auf ihre Fragen aus einer mehr oder weniger großen Menge von Inhalten selbst zusammensuchen. Die semantische Suche ermöglicht uns jetzt, das Informationsbedürfnis unserer Kunden viel gezielter zu bedienen, indem wir z.B. ihre Fragen besser analysieren und unsere Daten mit Zusatzinformationen teilweise automatisiert anreichern.

Das klingt sehr aufwendig.

Das ist es auch, weil eine gewisse Komplexität dahintersteht. Bei Wolters Kluwer haben wir ja zum Beispiel sehr verschiedene Zielgruppen, von Steuerberatern über Fachanwälte bis hin zu Schulleitern. Jede dieser Zielgruppen hat auch ihre spezifischen Fragestellungen. Die Herausforderung liegt nun darin, die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen auf einer abstrakten Ebene abzubilden, um das ganze Spektrum möglicher Fragen möglichst umfassend abdecken zu können. Das ist nicht nur ein Problem der Suche. Die Aufgabe, unsere Daten für die Kunden optimal aufzubereiten, durchzieht alle unsere Kernprozesse und die gesamte Wertschöpfungskette.

Führt das zu neuen Produkten?

Die Entwicklung neuer Produkte ist sicher eine Option, für uns steht die semantische Suche aber vor allem als Kernfunktionalität zur Verbesserung unserer bisherigen Anwendungen im Fokus. Sie wirkt im Hintergrund und schlägt sich in einer deutlich gesteigerten Qualität unserer Produkte nieder.

Wie weit ist das in der Praxis?

Die ersten Anwendungen haben wir schon seit einigen Jahren in Produkten implementiert. Zur Zeit arbeiten wir an einer umfassenderen Anwendung für unsere Jurion-Lösung, die bis zum Herbst implementiert werden wird.

Die großen Suchmaschinen Google und Co. arbeiten auch an dieser Technologie. Fürchten Sie deren Konkurrenz?

Nein, denn in unseren Kernanwendungen werden sie keine Konkurrenz werden. Die großen Suchmaschinen arbeiten zwar auch an diesen Technologien, haben aber keinen vergleichbaren Zugang zum Kunden. Unser großer Vorteil ist, dass wir die Anforderungen unserer Kunden genau kennen. Deshalb können wir Inhalte und Software und das Zusammenspiel von beidem optimal auf diese Bedürfnisse abstimmen. Eine allgemeine Suchmaschine kann das nicht, und die einzelnen Berufsgruppen sind als Teilmärkte auch zu klein, um für die großen Suchmaschinenbetreiber wirklich interessant zu sein.

Die Fragen stellte David Wengenroth.

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