Von der Gute-Nacht-Lektüre zum Kriegsfilm

Vorbei sei die „niedlich-kuschelig-fröhlich-bunt-magische Zeit in der Hogwarts-Schule“, beweint der „Stern“ den Abschied von „Harry Potter“ zum Start des letzten Films (zum Inhalt). Die Zeiten seien schon länger hart bei Potter, der letzte Film aber offenbare sich als „ausgewachsener Kriegsfilm“, der den Titelhelden aussehen ließe „wie eine Nerd-Version von Bruce Willis“.

Angesichts von Zerstörung, Tod und blanker Verzweiflung sei fraglich, ob der Film noch für Kinder geeignet sei. „Von Liebe keine Spur“, stimmt die „Welt“ mit ein: „Man hätte es kaum für möglich gehalten, aber Heiligtümer II ist noch düsterer, Harry noch einsamer“ als der vorletzte Teil. „Was einst als kindgerechte Gute-Nacht-Lektüre begann, endet in Zerstörung und Tod, die auch die Titelfigur nicht verschont“, heißt es bei SPIEGEL ONLINE. Der Zuschauer verabschiede sich mit dem – nun auch filmischen – Ende der Reihe von seiner eigenen Kindheit: „Mit Harry, Hermine und Ron sind wir alt geworden, erst schleichend Schuljahr um Schuljahr, dann sprunghaft“. 

Wie sehr sich „Harry“ und seine Freunde verändert haben, dürften am besten die Kinofans in Berlin beurteilen können. Die „Berliner Morgenpost“ (13.7.) erzählt von einem 27-stündigen Film-Marathon zu „Harry Potter“: 700 Besucher kamen, um alle Verfilmungen von J. K. Rowlings Fantasy-Romanen hintereinander zu sehen.

Leider gehe der Reifungsprozess der Schauspieler „im Special-Effects-Rausch verloren, wurde überdeckt von digitaler Schminke – bis hin zur Nachbearbeitung der letzten Teile in 3D“ ergänzt die „Frankfurter Rundschau“ (13.7). Der Film „macht uns den Abschied von dem Zauberer und seinen Freunden nicht allzu schwer“, stimmt die „FAZ“ mit ein. Die Produktion in 3D reduziere den Film auf „seine reichlich eingesetzten“ Spezialeffekte: „Am plastischsten erscheinen im Grunde die langen grünlichen Fingernägel – seien es die des nun völlig plattgesichtigen Bösewichts Lord Voldemort oder jene des silbersüchtigen Kobolds Griphook“, heißt es weiter.

„Wer sich über das Phänomen Harry Potter lustig machen will, findet in dieser Fortsetzung reichlich Material“, liest man in der „Stuttgarter Zeitung“ unter der Überschrift „Zum Glück liegt Hogwarts in Ruinen“. Der Film besitze keine vernünftige Dramaturgie, erkläre seine Figuren und Motive nicht nachvollziehbar und „häuft verschwenderisch Dinge auf die Leinwand, die als erschütternde Offenbarungen präsentiert werden, dem Unkundigen aber kaum mehr zu sein scheinen als ein zufälliger Probeschuss der Konfettikanone“. Das Schlusswort der „Welt“: „Nein, so wollen wir Harry Potter nicht in Erinnerung behalten.“

Der Trailer zum Film:

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