Facebook ist kein Handelsplatz

Das Thema „F-Commerce“ bewegt den Handel und die Netzgemeinde. Vielfach werden Facebook-Shops als Chance für Marken und Shops gefeiert. Doch lohnt sich der Aufwand auch für (Online-)Buchhändler? E-Commerce-Experte Jochen Krisch (Foto) verweist auf Alternativen.

Welchen Kundentyp könnten Online-Händler über Facebook erreichen?

Sie können ihre Kunden da abholen, wo sie sich aufhalten. Dadurch, dass Facebook so weit verbreitet ist, erreichen Händler im Netzwerk fast jeden, nicht mehr allein die jüngeren Kunden. Erfolgsentscheidend ist aber, dass sie sich an die Umgebung anpassen.

Lohnt sich ein Facebook-Shop?

Ich halte vergleichsweise wenig von Facebook-Shops. Facebook ist für mich eine Kommunikationsplattform, kein Handelsplatz und auch keine Handelsplattform. In das Netzwerk statische Shops einzubauen, macht aus meiner Sicht wenig Sinn. Was dagegen Sinn macht: Exklusive Angebote, Aktionen und Themen anzuteasen und dann auf den regulären Shop zu verweisen.

Durch einen Facebook-Shop würde also ein unnötiger Mehraufwand entstehen?

Ja. Der Shop muss vermarktet werden, dabei sollte berücksichtigt werden, ob der Facebook-Shop als Ersatz oder als Ergänzung dient. Ein weiteres Problem: Der Platz in Facebook ist geringer, die Funktionalität ist im Vergleich zum regulären Online-Shop stark eingeschränkt. Daher müssen Händler genau überlegen, wie sie den Facebook-Shop integrieren. Die Kunden sind es noch nicht gewohnt, im Facebook-Kontext zu kaufen und Kreditkartennummern einzugeben. Ich glaube nicht, dass der Aufwand den Nutzen rechtfertigt.

Werden die Händler nicht irgendwann hinterherhinken, wenn sie keinen Facebook-Shop anbieten?

Nein, das glaube ich nicht. Facebook ist momentan das ultimative Netzwerk, aber das kann wieder vorbei gehen, wie man am Beispiel MySpace sehen kann. In den USA gehen die Facebook-Nutzerzahlen tendenziell zurück. Ich glaube, dass Facebook-Connect oder Like-Buttons, die in den eigenen Shop eingebunden werden, für Online-Händler viel attraktiver sind.

Die Fragen stellte Torge Frühschulz

Kommentare

3 Kommentare zu "Facebook ist kein Handelsplatz"

  1. Also momentan is Facebook sicherlich noch eher ein Patz für Teasers und Spezialangebote, aber jeder Shop-Besitzer sollte die Entwicklung interessiert verfolgen. Es ist schon sehr wahrscheinlich, dass, wenn FB’s Entwicklung so weitergeht, Shops hier bald eine attraktive Plattform finden, und sicherlich auch nicht weiter kompliziert aufzusetzen sein werden.

  2. Marko Christiansen | 12. Juli 2011 um 1:10 | Antworten

    Ich glaube der Standpunkt, auf Facebook kann man nichts verkaufen, ist zu verallgemeinernd. Richtig ist, das Facebook oder auch andere Social-Networks von den Leuten nicht in erster Linie zum Shoppen genutzt werden, was aktuelle Studien auch deutlich belegen. Andererseits könnten gerade bestimmte E-Books (wenn man sie denn als Bücher sehen will), in Zukunft bei Facebook besser verkauft werden, als in Onlineshops. Grund ist die „Nähe“ von Facebook zu den Smartphones und Tablets. Vor allem letztere werden in Zukunft als E-Book-Reader an Bedeutung gewinnen. Die Nutzergruppe ist diesen modernen Medien gegenüber aufgeschlossen und an das Downloaden von Dateien gewöhnt. Wenn E-Books demnächst die Stärke dieser Geräte voll ausspielen (Videos, Animationen, Verlinkung, etc.), kann man E-Books auch über Facebook gut verkaufen. Wichtig ist, dass die E-Book-Angebote auf Facebook themenrelevant platziert werden. Reine E-Book-Shops werden es auf Facebook schwer haben. Das ist zumindest meine Meinung.

  3. Mathias Voigt | 11. Juli 2011 um 19:30 | Antworten

    Interessanter Punkt! Mir leuchtet die Argumentation allerdings nicht ein. Warum sollen (Online-)Buchhändler oder auch Verlage (mit oder ohne Alleinstellungsmerkmal im Programm), die in Facebook (neue) Kunden suchen, nicht auch ausprobieren, in entsprechenden Shops auf der Plattform zu verkaufen? Es scheint positive Erfahrungen mit dem „F-Commerce“ aus anderen Bereichen zu geben – warum das Ganze nicht also auch für Bücher?

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