Wie funktioniert E-Book-Marketing, Herr Lazimbat?

Viele Verlage beschäftigen sich schon mit dem Thema E-Book. Dabei vernachlässigen sie aber oft das Handelsmarketing, warnt Sascha Lazimbat (Foto), Geschäftsführer der auf digitale Vertriebsdienstleistungen für Verlage spezialisierten A2 Electronic Publishing GmbH.

Können einem Verlag, der seine E-Books im Internet verkaufen will, nicht alle Händler außer Amazon und Apple egal sein?

Amazon und Apple teilen zwar über die Hälfte des E-Book-Marktes zwischen sich auf, aber in manchen Bereichen und Genres haben auch kleine E-Book-Shops einen erstaunlich großen Marktanteil. Ganz abgesehen davon, dass die Konzentration auf zwei große Player auf lange Sicht für die Verlage hoch problematisch wäre. Auch die Erfahrung im Musik-Download-Markt zeigt, dass das ganze Potenzial nur ausschöpfen kann, wer mit einer zweistelligen Zahl von Handelspartnern arbeitet.

Aber auch die Verteilung der E-Books auf mehrere Shops nützt nichts, wenn sie dort keiner findet …

Stimmt. Deshalb ist es besonders wichtig, bei den Shops auf die Listen der empfohlenen Inhalte zu kommen.

Wie macht man das?

Durch spezialisiertes Handelsmarketing für E-Books. Vielen Verlagen ist nicht bewusst, dass das Handelsmarketing neben zahlreichen technischen Fragestellungen rund um den E-Book-Vertrieb überhaupt ein eigenständiges Thema ist. Oft ist noch nicht geklärt, wo diese Aufgabe überhaupt angesiedelt werden soll: Im Vertrieb oder beim Verkauf, beim Projektleiter oder bei der Marketing- und PR-Abteilung.

Wo sollte sie denn angesiedelt werden?

Jedenfalls an einer Stelle, wo sie als wirtschaftliche Aktivität unter vertrieblichen Gesichtspunkten angesehen wird.

Und wie sieht der Weg auf die Empfehlungslisten der E-Book-Shops konkret aus?

Besonders wichtig ist, den Dialog mit den Storemanagern aufzunehmen, die diese Listen zusammenstellen. Anders als im stationären Handel entscheiden die viel öfter redaktionell nach der inhaltlichen Relevanz eines E-Book-Titels für die Zielgruppe ihres Shops. Dafür können die Vorverkäufe der Printausgabe ein Kriterium sein, aber eine große Rolle spielt auch die Relevanz eines Titels zu einem bestimmten Zeitpunkt. Zum Beispiel wenn ein Shop eine spezielle Empfehlungsliste für ein bestimmtes Ereignis, für Weihnachten oder für die Urlaubszeit zusammenstellt.

Die Fragen stellte David Wengenroth

Foto: © Hedrich Mattescheck

Aus: buchreport.magazin/2011 (hier zu bestellen)

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