Schichten driften auseinander

Während Deutschlands Zeitschriftenverleger nach dem Studium der neuen Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA 2011, hier die Webseite) aufatmen können, dürften die Zahlen der Statistiker in der Buchbranche für Verstimmungen sorgen.

Für gute Laune bei den Zeitschriftenverlegern dürfte das Ergebnis der AWA-Studie sorgen, dass die Nutzung von Printmedien in den vergangenen zwölf Monaten erstmals seit 2006 wieder gestiegen ist – durch die verstärkte Lektüre von Frauen und Jüngeren.

Wie oft die Deutschen ein Buch zur Hand nehmen und eine Buchhandlung besuchen, diese Fragen haben die Allensbacher mit Blick auf die sozialen Schichten analysiert (hier das PDF dazu). Grundsätzliches Ergebnis: Die sozialen Schichten driften laut Allensbach materiell, in Bezug auf Interessen, Lebensstil und Weltanschauung auseinander. Unter den Deutschen mit niedrigem Bildungsniveau nehmen immer weniger ein Buch zur Hand. Auch die Häufigkeit von Buchhandels-Besuchen in der „Unterschicht“ ist deprimierend.

Weitere für die Buchbranche relevante Ergebnisse im Detail:

Leseaffinität:

  • Die Leseneigung ist ausgeprägt und schichtgebunden:  In der „Unterschicht“ (die Terminologie stammt aus der AWA) sagen 39%, längeres Lesen strenge sie an, in der „Oberschicht“ nur 11%.
  • Analog dazu: In der Oberschicht bekundet jeder Zweite, „Ich lese Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, wann immer ich Zeit habe“, in der Unterschicht nur 28%.
  • Seltener als ein Mal pro Monat ein Buch zur Hand nehmen 60% der Unter-30-Jährigen mit einfacher Schulausbildung; bei den Unter-30-Jährigen mit höherer Schulbildung aber nur rund ein Viertel. Die Entwicklung seit 1998 ist gravierend: Damals lag die Quote der weniger Gebildeten, die seltener als ein Mal pro Monat zum Buch greifen, bei „nur“ 41%.

Buchhandelsbesuche:

  • Wie oft Eltern mit ihren Kindern in Buchhandlungen gehen, ist auch extrem abhängig vom sozioökonomischen Status:
  • „Häufig“ und „gelegentlich“ besuchen 66% der Befragten mit hohem Status Buchhandlungen.
  • Bei den befragten Eltern mit niedrigem Status liegt der Vergleichswert bei 17%.
  • Unabhängig vom sozioökonomischen Status gehen nur 41% der befragten Eltern häufig oder gelegentlich in eine Buchhandlung.
  • Der Anteil derjenigen, die selten oder nie dorthin gehen, liegt mit 58% höher.
  • Analog dazu nehmen 65% der befragten Eltern mit hohem sozioökonomischen Status „gelegentlich“, „häufig“ oder „immer/fast immer“ ihre Kinder mit, bei niedrigem Status nur 36%.

Bildungsziele:

  • „Freude an Büchern zu haben und gerne lesen“ geben 55% der deutschen Eltern von Schulkindern als Erziehungsziel an – auch hier gibt es eine Korrelation mit dem Status (hoch: 69%, niedrig: 26%).
  • Eine gute Bildung ist bei drei Viertel der befragten Eltern ein Ziel der Erziehung.

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