Öde und humorlos

Für die am heutigen Abend auf Arte (6. Juli 2011, 23.40 Uhr) ausgestrahlte Verfilmung des Romans „Die Möglichkeit einer Insel“ hagelt es in den Feuilletons Kritik. Ein Problem: Michel Houellebecq (Foto) hat selbst Kamera angelegt.

Zum Plot des Romans (nachfolgend zusammengefasst von Arte, hier mehr Infos), zu dessen Verfilmung der Autor selbst ein Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat: Nach zahllosen Natur- und menschengemachten Katastrophen ist die Erde unbewohnbar. Von seiner Höhle aus verfolgt Daniel, ein menschlicher Klon in der 25. Generation, anhand von alten Aufzeichnungen das Leben seiner Vorfahren. Um ein „Liebe“ genanntes Phänomen zu verstehen, von dem seine Vorfahren berichten, beschließt Daniel, die Welt außerhalb seiner Höhle zu erkunden…

Mit dem Wechsel des Mediums habe sich Houellebecqs trauriger Humor verändert, schreibt die „FAZ“ (S. 33) zum Film. „Er ist weit weniger grell und zynisch, nicht so berserkerhaft in seiner Zivilisationskritik“.

Houellebecq sei immerhin kompromisslos, schreibt der „Tagesspiegel“: Vor sieben Jahren habe er darauf bestanden, die Verfilmung seines Roman selbst zu übernehmen, dafür habe er sich sogar mit seinem angestammten Verlag überworfen. „Obwohl es mit dem Roman die Filmrechte erworben hatte, war das neue Verlagshaus dann aber nicht sehr überzeugt von Idee und Drehbuch des Films, was Houellebecq ein weiteres Mal den Verlag wechseln ließ.“ Beim Film frage sich der Zuschauer aber, ob die Sequenzen „nun wahnsinnig öde sind oder einfach nur den festen Willen zur Kontemplation erfordern“.

Die „Tageszeitung“ beklagt die Humorlosigkeit der Verfilmung, die sich an Tarkowskij („Solaris“) anlehne.

Kommentare

1 Kommentar zu "Öde und humorlos"

  1. Eduard Fansd | 7. Juli 2011 um 20:34 | Antworten

    Zitat aus dem zitierten und verlinkten Artiekl der taz: „Das letzte Drittel des Films „Die Möglichkeit einer Insel“ hat ästhetisch nichts mit der ersten Stunde gemein und zeigt Houellebecq als gelehrigen Schüler Tarkowskijs („Solaris“). In dessen Filmen war für Humor tatsächlich kein Platz.“
    Wie man daraus lesen kann, dass H. sich an „Tarkowskij anlehne, auf dessen Humor aber verzichte“ ist nicht nur angesichts des ursprünglichen Titels, sondern auch angesichts des Vorbild-Films Solaris überaus erstaunlich.

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