Beiträge rauf oder Kosten runter?

Der heute bei den Buchtagen in Berlin präsentierte Finanzbericht des Börsenvereins zeigt eine weiterhin angespannte Haushaltslage im Verband. Besonders die Entwicklung der Wirtschaftsbetriebe spiegelt die Abhängigkeit von der schwierigen Branchenkonjunktur. Hoffnungsschimmer: Die Frankfurter konnten die Beitragsverluste bremsen.

Rückblick 2010:

Börsenverein:

  • Unter dem Strich steht für das Vereinsjahr 2010 ein Jahresüberschuss von fast 4 Mio Euro, davon sind 3,8 Mio Euro allerdings nicht liquiditätswirksam, sondern auf den Tausch der Immobilien Großer Hirschgraben und Braubachstraße zurückzuführen .
  • Ohne Sondereffekte hätte das Jahresergebnis bei rund 95.000 Euro gelegen.
  • Der Verband konnte die Beitragsverluste 2010 bremsen: Die Zahl der Mitglieder sank um 14 auf 5782. Der Börsenverein führt dies auf die einmalige Mitgliederakquiseaktion „185+“ zurück, bei der 3600 Kandidaten angeschrieben und 233 neue Mitglieder an Bord geholt wurden. Die Beiträge spülen fast 60% der Erträge in die Kasse.
  • Die Aufwendungen des Verbands lagen 944.000 Euro über dem Budget (7,7 Mio Euro), was der Verband hauptsächlich auf höhere Kosten für Rechts- und Beratungskosten (232.000 Euro) und höhere außerplanmäßige Abschreibungen auf die Liegenschaft „Haus des Buches“ (145.000 Euro) zurückführt.
  • Die höheren Aufwendungen hätten jedoch teilweise durch höhere Einnahmen aufgefangen werden können, da die Auswirkungen der Finanzkrise die Einnahmen nicht so stark geschmälert hätten wie erwartet.

Wirtschaftsbetriebe:

  • Die Wirtschaftsbetriebe des Verbands mussten 2010 Federn lassen: Die Umsätze der BBG-Gruppe (dazu zählen die Messe-Organisatoren AuM, die MVB und die BAG, die nach dem Verkauf des Clearing-Geschäfts an die DZB Bank jetzt BAGL heißt) lagen mit 51,2 Mio Euro um 4,4 Mio Euro unter den Erlösen von 2009. Die Messe verlor dabei 0,7 Mio Euro gegenüber 2009 (32,2 Mio Euro). Bei der MVB schrumpften die Erlöse aus der verlegerischen Tätigkeit (ohne Lizenzerlöse) um 4,6% auf 16,7 Mio Euro – auch der Teilbereich digitale Distribution verzeichnete ein Minus.
  • Das Konzernjahresergebnis der BBG-Firmen lag mit 5,4 Mio Euro deutlich über dem Vorjahresergebnis (2,6 Mio Euro), allerdings hauptsächlich durch den Verkauf des BAG-Clearinggeschäfts.

Ausblick 2011/2012:

Börsenverein:

  • Der Verband hatte das Budget 2011 vor dem Hintergrund stetig sinkender Mitgliedereinnahmen und Lizenzeinnahmen aus dem „Börsenblatt“ konservativ geplant. Doch besonders wegen der geringeren Rückgang der Mitgliedsbeiträge und einer Umsatzsteuererstattung korrigiert der Börsenverein den Ausblick auf 2011 auf der Ertragsseite um 460.000 Euro. Neue Prognose für den Jahresüberschuss: 51.000 Euro.
  • Für 2012 rechnet der Börsenverein mit einem Jahresergebnis von 25.000 Euro und geht weiterhin von einer „angespannten Haushaltslage“ aus.
  • Ausgleichen will der Verband die sinkenden Einnahmen aus Mitgliedsbeträgen laut Schatzmeister Jürgen Horbach auf der 186. Hauptversammlung des Börsenvereins durch folgende Schritte: „moderate Anhebung der, „seit 2001 unveränderten, Beiträge“, Erhöhung der Ausschüttung aus den Wirtschaftsbetrieben sowie, wie im Jahresbericht angemerkt, Einnahmen aus Sponsoring.

Wirtschaftsbetriebe:

  • Die Wirtschaftsbetriebe gehen 2011 von einem leichten Umsatzplus aus.

Diskussion auf der 186. Hauptversammlung

  • Kritik aus dem Publikum erntet Horbach vor allem für seinen Vorschlag, langfristig die Beiträge zu erhöhen. So wie die Branche da stehe, könne sie sich Beitragserhöhungen nicht leisten. Weitere Mitgliedsrücktritte seien die Folgen, welche dann wiederum die Beiträge in die Höhe treiben würden. Der Börsenverein solle stattdessen darüber nachdenken, wie man sich schlanker darstellt, so KNV-Chef Oliver Voerster: „Bei Libreka und bei anderen Dingen haben Sie genügend Möglichkeiten einzusparen.“ Aber auch positive Stimmen wurden laut: Die Branche könne es sich nicht leisten, die Mitgliedseinnahmen nicht zu erhöhen. Letztlich wurde die Debatte von den Mitgliedern selbst beendet, die mit deutlicher Mehrheit dafür stimmten, die Debatte nicht weiter fortzuführen.
  • eBuch-Vorstand Lorenz Borsche kritisierte die Beitragsstaffel: Das dort herrschende Ungleichgewicht zwischen kleinen und großen Mitgliedern sei schwer zu rechtfertigen. Große Mitglieder beteiligten sich nicht angemessen an der Öffentlichkeitsarbeit, von der sie erheblich profitierten.

Der Jahresabschluss 2010 sowie das Budget 2012 wurden von den Mitgliedern mehrheitlich genehmigt.

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