Preisbindung verhindert Innovationen

Handelsforscher Michael Gerling vom Kölner EHI Retail Institute sieht die Buchpreisbindung im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „brand eins (Juni-Ausgabe, S. 102ff.) äußerst kritisch. Sie sei sogar zum Schaden der kleineren Buchhandlungen, so die etwas eigenwillige Interpretation.

Die These: Die Preisbindung verhindert Innovationen. Die Argumentation: Ohne Buchpreisbindung gäbe es wahrscheinlich Buch-Discounter, in denen Bestseller nur einen Bruchteil des regulären Preises kosteten: „Die kleineren Buchläden hätten ein Problem und wären gezwungen, sich neu aufzustellen – besserer Service, Lesungen, attraktives Einkaufserlebnis, breiteres Sortiment.“

Die bisherigen Innovationen wie Cafés, Veranstaltungen, Leseecken und Selbstbedienung seien von den großen Anbietern ausgegangen. Anders als in Branchen ohne Preisbindung, gebe es immer noch „kleine, verschlafene Buchhandlungen, die sich auf der Buchpreisbindung ausruhen“. Besserung ist aber für Gerling durch die Erfolge des Online-Buchhandels in Sicht: „Durch den Wettbewerb mit Amazon könnte im Buchhandel überfälliger Innovationsdruck entstehen.“

Das Interview „Geiz ist geil. Service ist geiler.“ ist Teil des Schwerpunktthemas „Großorganisation“ im „brand eins“-Juni-Heft.

Kommentare

1 Kommentar zu "Preisbindung verhindert Innovationen"

  1. Thomas Wilking | 1. Juni 2011 um 14:51 | Antworten

    Wenn eine keineswegs unbedeutende Wirtschaftszeitschrift wie „brand eins“ in sechsstelliger Auflage eine Attacke gegen die Buchpreisbindung reitet, sollte die Buchbranche davon wissen. Das gilt auch und gerade, wenn die Argumentation diametral den Argumenten für die Preisbindung widersprechen. Das gilt auch, weil das EHI Retail Institute bisher nicht durch Niveaulosigkeit auffällig geworden ist und der von „brand eins“ interviewte EHI-Geschäftsführer in dem mehrseitigen Interview positiv über die Chancen der kleinerer Handelsunternehmen spricht.
    Die in diesem Kontext verbreiteten Einlassungen gegen die Buchpreisbindung kann die Branche und können die Preisbindungsexperten kopfschüttelnd ignorieren oder sich (möglichst nicht nur in der Branchenpresse) zu Wort melden.
    In den vergangenen Wochen hat buchreport an mehreren Stellen thematisiert, dass die Buchpreisbindung als eines der Fundamente der Branche und vor allem des stationären Handels zu wenig bekannt ist und deshalb die Kunden u.a. glauben, auch neue Bücher seien im Online-Shop günstiger zu haben.
    Die Buchbranche hat einige Besonderheiten, die auch alle Branchenangehörigen kennen. Das Nichtwissen der Kunden, die „fehlende Marktkenntnis“ von Einzelhandelsexperten und die Bereitschaft populärer Wirtschaftsmagazine, diese zu transportieren, sind eine Herausforderung, die man nicht einfach ignorieren kann.

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