Innovationstreiber in Verlagen

Nicht nur Branchenunternehmen und ihre Mitarbeiter sind von der fortschreitenden Digitalisierung betroffen. Auch die Hochschulinstitute, die das Buch im Schild führen, beackern Themenfelder, die weniger Gewissheiten als in früheren Zeiten enthalten. Wie die Stuttgarter Hochschule der Medien den aktuellen Herausforderungen begegnet, erläutert Prof. Ulrich Huse (Foto) im Gespräch mit buchreport.

Die größten Herausforderungen für die Branche?

Die größte Herausforderung scheint mir derzeit keine technologische, sondern eine psychologische zu sein: Erst wenn die Verlage wieder aus der Defensive herauskommen und sich offensiv dazu bekennen, dass sie auch in Zukunft Ideen entwickeln, aufbereiten und verbreiten wollen, erst dann werden sie sich auch selbstbewusst den technologischen Veränderungsprozessen stellen und diese aktiv gestalten können. Sie sollten dazu stehen, nicht nur vermarktungsfähigen Content zu generieren, sondern auch weiterhin Bücher zu verlegen und damit gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen, auch wenn sich die Erscheinungsformen von Büchern ändern und die von ihnen angestoßenen Debatten dann in virtuellen Räumen stattfinden.

Die Verlagsbranche ist zweifelsohne tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Auslöser sind das Internet als konkurrierendes Gratismedium und ein gravierender Wandel bei den Mediennutzungsgewohnheiten. Dazu kommen spezifische Herausforderungen wie Fragen des veränderten Workflows und der Datenhaltung in Buchverlagen. Auch hier gilt: Anders zu denken bedeutet offen zu sein für neue Lösungen, nicht mehr zwangsläufig vom gedruckten Buch auszugehen bedeutet nicht, das gedruckte Buch totzusagen, sondern seine veränderte Stellung in einer Welt neuer, digitaler, mobiler Medien zu bestimmen.

Mit welchen Ansätzen begleiten Sie die Entwicklung?

Um den Studiengang Mediapublishing kontinuierlich an die Veränderungen in der Verlagslandschaft anzupassen und langfristig eine breite Abdeckung der geforderten und erwarteten Kenntnisse und Fähigkeiten bei den Absolventen zu gewährleisten, wurde z.B. 2008 eine Professur für Medienkonvergenz eingerichtet. Sie dient dazu, strategische und konzeptionelle Fähigkeiten für das crossmediale Produktmanagement zu trainieren und digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Organisatorischer Ausdruck ist die Einrichtung eines Convergent Media Centers an der Stuttgarter Hochschule der Medien.

Wie schlägt sich das im Lehrangebot nieder?

Verstärkt nutzt der Studiengang die Kooperation mit Verlagen, um die Studierenden in Projekten zukunftsorientierte Aufgabenstellungen lösen zu lassen und damit als Innovationstreiber in die Verlage hinein zu wirken. Dazu drei Beispiele der jüngsten Vergangenheit: Für Wissenmedia wurden neue Produktformen (Apps u. a.) für einen Referenztitel kreiert, für Ravensburger entstanden Entwürfe für eine Community-Website, ein iPad-Spiel und ein Digital Book, mit dem Motorbuch-Verlag entwickelten Studierende das Konzept „Motorbuch goes E-Book“.

Alle Artikel der Serie:

  • Studiengang Buch- und Medienproduktion der HTWK Leipzig
  • Studiengänge Buchwissenschaft an der Ludwig-Universität München
  • Studienganz Buch- und Medienproduktion an der HTWK Leipzig
  • Buchwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität
  • Buchwissenschaft und Buchwirtschaft an der Universität Leipzig
  • Buchwissenschaft an der Uni Mainz
  • Mediapublishing an der Hochschule der Medien in Stuttgart

Aus: buchreport.magazin 5/2011

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