Lizenz zum Wegsparen

Die schnell voranschreitende Digitalisierung im Bereich der Fachinformationen stellt die Fachsortimenter vor große Herausforderungen bis hin zur Überlebensfrage. Jetzt bedroht neben der technischen eine bildungspolitische Entwicklung zusätzlich die Existenz von Fachbuchhändlern, die ihr Geschäft vor allem mit wissenschaftlichen Bibliotheken machen: Die „Initiative Nationale Lizenzierung“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen.

Die Allianz ist die Lobbyorganisation der aus öffentlichen Mitteln finanzierten Forschungseinrichtungen. Mitglieder sind neun Gremien und Institutionen, u.a. Deutsche Forschungsgemeinschaft, Fraunhofer Gesellschaft, Hochschulrektorenkonferenz und Max-Planck-Gesellschaft. In der Vergangenheit trat sie öffentlich vor allem als energische Verfechterin der Open-Access-Idee in Erscheinung (buchreport berichtete). Erklärtes Ziel der Allianz ist, für die Wissenschaftler eine „möglichst entgelt- und barrierefreie Verfügbarkeit von Publikationen“ zu gewährleisten. Das wichtigste Instrument dafür sieht die Allianz in „Nationallizenzen“, die direkt mit den Wissenschaftsverlagen abgeschlossen werden.

Das Strategiepapier „Schwerpunktinitiative ,Digitale Information‘ der Allianz-Partnerorganisationen“ vom 11. Juni 2008 zeigt, dass die Kostenersparnis durch Umgehung des Fachsortiments beim Abschluss der Nationallizenzen aus Sicht der Forschungslobby ein durchaus erwünschter Effekt ist.
In dem Strategiepapier heißt es u.a.: „Um in den deutschen Forschungseinrichtungen den umfassenden und für den wissenschaftlichen Nutzer entgeltfreien Zugang zu digitalen Verlagspublikationen zu gewährleisten, werden die Allianz-Partnerorganisationen darauf hinwirken, Lizenzabkommen, die ihre Einrichtungen mit Wissenschaftsverlagen abschließen, zunehmend in nationale Konsortialverträge einzubetten – im Sinne einer besseren Versorgung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und im Sinne eines verantwortungsbewussten Umgangs mit öffentlichen Mitteln.“

Bisher bestehen solche Nationallizenzen vor allem für kleine spezielle Fachgebiete. Aber auch im Fachzeitschriftenbereich gewinnt dieses Modell, bei dem die Fachsortimenter außen vor bleiben, an Bedeutung. Auf ihrer Jahrestagung in Bremen beschäftigte sich Anfang des Monats auch die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Sortimenter (AWS) mit diesem Thema. Wie genau eine Gegenstrategie aussehen könne, werde noch diskutiert, ist aus dem Kreis der Fachsortimenter zu hören.

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