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Immer mehr Flächen werden dem Hörbuch entzogen

Im stationären Handel hat sich das Hörbuch nach dem von buchreport erhobenen Umsatztrend noch immer nicht erholt. Lagen die Erlöse im vergangenen Jahr 8,2% unter dem Vorjahreswert, sieht die Zwischenbilanz für 2011 nicht viel besser aus: Von Januar bis April schrumpften die Umsätze um weitere 6,6% gegenüber dem (schwachen) 2010-er Niveau. Die Signale aus den Verlagen sind nach einer Umfrage von buchreport zu den bisherigen Erfahrungen im stationären und Onlinegeschäft 2011 gemischter Natur.

Beim  Hörverlag liegen Umsatz sowie die Relation stationärer Handel gegenüber Online-Vertrieb aktuell nach Angaben von Sprecherin Heike Völker-Sieber auf Vorjahres-Niveau. Aktuell ziehe der Verkauf allerdings deutlich an. „Die Marktbedingungen stimmen, und wenn die Prognosen eintreten, ist ein gutes Hörbuch-Jahr zu erwarten“, heißt es aus München. Die Resonanz aufs Herbstprogramm sei vorab extrem positiv. In den vergangenen Jahren sei die Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts für den Jahresumsatz noch einmal gestiegen, weshalb sich der Verlag mit Bestsellern wie „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ (Walter Moers), Boxen wie „5 Kriminalgeschichten“ von Agatha Christie, höherpreisigen Editionen wie „Novellen“ (Heinrich von Kleist) und Geschenk-Artikeln wie dem Märchen-Kanon von Michael Köhlmeier umsatzstark aufgestellt habe.

Johannes Stricker von Hörbuch Hamburg berichtet von einer verhaltenen Entwicklung in diesem Jahr, ein Trend, der für die gesamte Buchbranche zu beobachten sei. Die Entwicklung  gehe weiter in Richtung Online-Handel (besonders Amazon) und digitale Plattformen (iTunes und Audible). „Je mehr Flächen im stationären Handel dem Hörbuch entzogen werden, desto stärker wird diese Tendenz sein“, warnt Stricker. Bleibt aber zuversichtlich: Die Lust am Hören steige weiterhin, weshalb Verlage mit dem besten Angebot noch ein Potenzial ausschöpfen könnten.

Anders als Stricker erkennt Peter Bosnic, Verlagsleiter bei Steinbach Sprechende Bücher, dass sich der Umsatzanteil des Onlinegeschäfts im eigenen Verlag seit einiger Zeit bei ca. 6% eingependelt habe. Erklärung: „Wir haben nicht das Thriller- und Krimi-Programm, da gibt es wohl mehr Zuwächse im  Download als bei bei den literarischen Titeln.“

Für Stephanie Mende (Audio Media) ist das Hörbuchjahr 2011 gut angelaufen. „Wir rechnen daher mit einem weiteren Wachstum im Vergleich zum verlagsinternen Boomjahr 2010 – das gilt bei Audio Media für beide Vertriebsschienen.“

Kilian Kissling, Chef bei Argon, bilanziert bei Umsatz und Marktanteil in diesem Jahr bisher ein Wachstum. Gleichwohl hätten sich die Vertriebskanäle uneinheitlich entwickelt: Im stationären Buchhandel habe Argon das – dank seinerzeit „Hummeldumm“ – schon sehr hohe Vorjahresniveau noch einmal leicht gesteigert werden können. Der Tonträgerfachhandel habe überdurchschnittlich zugenommen. Im Online-Handel gebe es kleine Einbußen bei den Versendern, die durch Zugewinne bei den Downloads etwas mehr als ausgeglichen worden seien. Interessant sei die Entwicklung, dass, im Verhältnis zu den Absätzen des gleichnamigen Buchs, die „Hörbuchquote“ deutlich gewachsen sei.

John Ruhrmann, Chef beim ausschließlich auf digitale Hörbücher fokussierten Label MfM Entertainment, zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung im Download-Geschäft. „Die Käufer haben verstanden, dass es auch ganz einfach digital geht. Den Preiskampf im stationären Handel mit 10-CD-Boxen zu ruinösen Preisen können wir nicht mithalten, deshalb fahren wir in der rein digitalen Schiene umso besser.“

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