Neustart zu Ende

Der Greifenverlag in Rudolstadt ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Gera hat über das Vermögen des Verlages das Insolvenzverfahren eröffnet. 

Die Geraer Rechtsanwältin Kerstin Jeska-Zimmermann wurde zur Verwalterin bestellt. Zunächst wurden der Geschäftsbetrieb und die aktuelle Geschäftslage bewertet und gesichert.
 
Wie die Anwältin berichtet, wurden mit Unterstützung der Medien A4 Vermögensverwaltungsgesellschaft die Geschäfte fortgeführt. Die Investorensuche habe begonnen. Als ehrenamtlicher Verlagsleiter sei Norbert Richter eingesetzt worden.

Der 1919 von Karl Dietz gegründete Greifenverlag, dessen Name und Signet auf die Wandervogelbewegung zurückgehen und der seine bedeutendste Phase in den 50er Jahren erlebte, hatte 2009 eine Renaissance erfahren. Rückblick: Ursprünglich sollten die Digitalisierungsleistungen der Eulenspiegel-Gruppe in eine eigene GmbH ausgegliedert werden.

Der Journalist und Sachbuchlektor Holger Elias, der für diesen Bereich verantwortlich zeichnet, brachte in dieses Projekt zudem eine seit Jahrzehnten privat angelegte Sammlung eingescannter Klassiker im Umfang von 2500 Titeln ein. Als der gebürtige Thüringer entdeckte, dass der Name Greifen seit der Abwicklung, die sich bis 2004 hingezogen hatte, wieder zu haben war, wurde die Marke für die Digitalaktivitäten genutzt und beschlossen, auch ein Novitätenprogramm zu lancieren.

Das erste Programm – eine Mischung aus Gegenwartsliteratur zu gesellschaft­lichen Debatten und neue Titel der zu DDR-Zeiten florierenden Reihe „Greifenkrimi“ – erschien in einer eigenen Vorschau im Herbst 2009. Innerhalb des ersten Jahres erschienen laut Verlag 120 Titel.

Die Finanzierung wurde ebenfalls auf neue Beine gestellt: Als einziger Buchverlag in Deutschland firmierte Greifen als eingetragene Genossenschaft.

Greifen sollte sich hauptsächlich aufs Print-on-Demand-Verfahren stützen, langfristig waren auch Titel für den Buchhandel geplant.

Das Insolvenzverfahren ist der Höhepunkt turbulenter Monate:

  • Im Januar 2011 meldet der Verlag Zahlungsschwierigkeiten, worauf der Vorstand ein Restrukturierungskonzept beschloss.
  • Am 7. März folgt der Gang zum Insolvenzgericht.
  • Am 27. April ordnet der Aufsichtsrat die sofortige vorläufige Entbindung des Vorstandsvorsitzenden Uwe Hartmann von seinem Amt an. Verleger Norbert Richter wird in den Vorstand geholt, als Geschäftsführer und Verlagsleiter – Elias wird in den Aufsichtsrat kooptiert.
  • Am 6. Mai beantragt der Vorstand die Rücknahme des Antrages auf Insolvenzeröffnung, nachdem ein Prüfverband die Auffassung von Vorstand und Aufsichtsrat bestätigt habe, wonach der Verlag zum Zeitpunkt der Antragstellung weder zahlungsunfähig noch überschuldet gewesen sei. Nachdem der neue Verlagsleiter aber ihm bisher vorenthaltene Informationen sichtet, entscheidet er, das Insolvenzverfahren doch zu befürworten.

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