Leiden an der Logistik

Amazon schafft Jobs. Der Online-Händler heimst viel öffentliches Lob für die Ankündigung ein, in neuen Logistikzentren im rheinischen Rheinberg und im bayerischen Graben jeweils „bis zu 1000 langfristige Arbeitsplätze innerhalb der nächsten drei Jahre zu bieten“. Das hehre Bild trübt allerdings harsche Kritik der Gewerkschaft Verdi an den Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren Werne und Leipzig (Foto: Wareneingang, Copyright: Amazon). Vor allem in Leipzig seien „die Zustände skandalös“, erklärt Verdi-Sekretär Thomas Schneider gegenüber buchreport.

In den Logistikzentren leisteten die Mitarbeiter „harte Arbeit unter hohem Druck“, beklagt Schneider. Anders als bei vergleichbaren Unternehmen seien sogar persönliche Gespräche untereinander unter Androhung von Abmahnungen untersagt. Andererseits würden die Mitarbeiter in „Kritikgesprächen“ oft wegen angeblich schwacher Leistungen unter Druck gesetzt.

„Die Flexibilität und Schnelligkeit bei der Kundenbelieferung wird vor allem auf Kosten der Beschäftigten hergestellt“, schimpft der Gewerkschafter. So würden in Zeiten mit geringem Arbeitsaufkommen Schichten abgebrochen, ohne Rücksicht auf Arbeitnehmer, die bis zu 60 km Anfahrtsweg zur Arbeit haben. Umgekehrt werde in Stoßzeiten, vor allem vor Weihnachten und Ostern, häufig Sonntagsarbeit angeordnet.

Besonders ärgerlich sei vor diesem Hintergrund vor allem das Lohnniveau im Logistikzentrum Leipzig: Gerade mal 7,76 Euro pro Stunde verdienten Mitarbeiter dort im ersten Jahr, nach dessen Ablauf auch nur 8,65 Euro.

„Konkurrenzfähig und leistungsbezogen“

Für Amazon widerspricht der für die Logistikzentren zuständige Regional Director Armin Cossmann: „Unsere Mitarbeiter werden mit Respekt behandelt.“ Der Online-Händler zahle „konkurrenzfähige und leistungsbezogene Gehälter“, die sich aus festen Stundenlöhnen und Boni zusammensetzen.

Durch das Schichtmodell bei Amazon würden Mitarbeiter mit langen Anfahrtswegen bei der Bildung von Fahrgemeinschaften unterstützt. Und grundsätzlich pflege das Unternehmen eine „aktive Kommunikation“ durch Mitarbeiterforen und Informationsveranstaltungen. „Selbstverständlich ist auch die Kommunikation unter Mitarbeitern selbst ein integraler Bestandteil des Arbeitsalltags bei Amazon“, versichert Cossmann.

Kommentare

2 Kommentare zu "Leiden an der Logistik"

  1. Ich arbeite auch bei Amazon in Duisburg und bei uns passierte das gleiche. Wir konnten es nicht glauben: Die Mitarbeiter, die gut gearbeitet haben, bekamen einen 1-Monatsvertrag und die Leute, die es nicht verdient haben, bekamen Festverträge und Jahresverträge !!!!!

  2. unbekannt mitarbeiter Bad Her | 3. Januar 2012 um 23:51 | Antworten

    hallo,ich arbeite seit november 2010 bei amazon. ich wurde seinerzeit eingestellt mit einem zeitvertrag bis 31.12.2010, dem schloss sich ein jahresvertrag bis 31.12.2011 an. mit beginn des Dez.2011 hat man uns durch die geschäftsleitung, dies passierte aber auch während des jahres 2011, immer im glauben gelassen, dass es zum jahreswechsel 2011/2012 einen festanstellungsvertrag gibt. ich wurde im unternehmen an mehreren prozessstellen eingesetzt, bei denen ich, rückmeldung durch die “leads” überdurchschnittliche leistung erbrachte. selber habe ich versucht die firmen philosophie aufzunehmen und in meiner täglichen arbeit abzubilden, was mir mit verlaub, so glaube ich, auch gelungen ist. ganz zu schweigen davon, dass ich oftmals meine arbeiten auch erledigt habe, wenn ich grippal infiziert war. nichts desto trotz, ging ich arbeiten um ja nicht einen prozentual hohen kranktagestand zu erreichen. hier wurde einem durch die verantwortlichen des unternehmens jederzeit suggeriert, dass die firma die “volle hingabe und identifizierung mit dem unternehmen” einfordert.
    ca. 30 tage vor dem jetzigen jahreswechsel habe ich auf zureden und leichtem druck durch meinen “lead” die im unternehmen bekannte “co-worker ausbildung für mehrere Prozessbereiche” erfolgreich absolviert.
    am 30.12.2011 hat man dann die mitarbeiter in unterschiedlichen gruppen, in unterschiedliche besprechungsräume gebeten. hier möchte ich abkürzen, da ich der auffassung bin, dass ihnen dieses prozedere bekannt sein sollte. man hat mir einen 3 monats vertrag vorgelegt, den ich unterschrieben und angenommen habe.
    Gestatten sie die Ausführung, dass ich nachweislich weiß, dass es Kolleginnen und Kollegen gibt, die einerseits erst seit drei Monaten mitarbeiter sind, diese bekamen Festverträge.
    leider entzieht es sich meiner Kenntnis, wie das unternehmen bei einem Mitarbeiter verifizieren will, ob er wie gefordert, an allen Prozessstellen verwendet werden kann.
    Es ist mir unbegreiflich, keiner aus dem Vorgesetztenberreich hat mir diese Massnahme bis heute erläutert, wie man sich von Mitarbeitern in einer mit, verlaub, menschenunwürdigen umgangsart behandelt, umgeht.
    Ich ersuche sie, alls vertreter für “alle” mitarbeiter im standort bad hersfeld, kontakt zur geschäftsleitung herzustellen, sich die auswahlkriterien darlegen zulassen und erläuterungen aufliefern zu lassen, die zu dieser personalmassnahme geführt haben.
    dies erbitte ich mir nicht nur für mich, sondern auch für all die mitarbeiter, die “zu unrecht” bewertet wurden, mithin keine festanstellung bekommen haben.
    ich kann von mitarbeitern berichten die in pausen kontakt zu “leads” und “managern” gesucht haben, deren leistungen z.b. im “pictower” nicht in annähernder weise dem nahegekommen ist, was als vorgabe benannt wurde.
    weiterhin wurde z.b. ein polnischer kollege, nichts gegen seine nationalität, nach nur 2 monaten mit einem festvertrag versehen wurde.
    es gibt viele weitere beispiele, die mit festvertrag versehen wurden, die sich aus meiner sicht bis heute im unternehmen in keinster weise mit ihrer arbeitsleistung bewiesen haben.
    all dies, stellt nur einen kleinen bereich von unzulänglichkeiten dar, welche hinter den toren des unternehmens passieren.
    menschlicher umgang und weiteres will ich hier nicht näher erklären.
    ich glaube, dass diese bei ihnen hinreichend bekannt sein sollten.
    abschließend nochmals beine bitte, klären sie auf, wie es zu der personalauswahl für festanstellung gekommen ist und kommunizieren sie dies in die mitarbeiterschaft im unternehmen amazon in bad hersfeld.
    für ihren einsatz, ihre unterstützung vielen dank!!!
    gruss
    ein(e) noch amazonmitarbeiter(in)
    der liebe kollege armin aus leipzig, scheint ein ähnliches Problem im Bereich umgang mit Menschen, anstand und verlässlichkeit in Aussagen zu haben, wie mein geschätzter Robert in Bad Hersfeld.
    Also liebe Amazonkollegen(innen) im gesamten Unternehmen scheint nur Druck bis hin zur Psyche, verbreitung von Angst um Arbeitsplatz, mithin zur täglichen Arbeitsleistung den Menschen in einen Schraubstock stellen und diesen während der Arbeitszeit langsam zu drehen.

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