Susanne Martin: Buchhandel muss Bedürfnisse lauter vorbringen

Susanne Martin: Buchhandel muss Bedürfnisse lauter vorbringen

Vor einem knappen Jahr fragte ich mich in einem Blogbeitrag, wo die BuchhändlerInnen eigentlich bei größeren Treffen der Buchbranche bleiben. Vom Buchcamp, das am vergangenen Wochenende auf dem mediacampus stattgefunden hat, gab es heuer die erfreuliche Zahl von 10% teilnehmender BuchhändlerInnen zu berichten. Und auch ich konnte mir dieses Jahr das Wochenende frei nehmen und dabei sein.Und ich bot gemeinsam mit René Kohl aus Berlin eine Session unter dem Titel „E–Books und das stationäre Sortiment“ an.

„Braucht das Sortiment E–Books“ und brauchen „E–Books das Sortiment“ – das waren die beiden Hauptfragen, um die die Diskussion kreiste. Die Meinungen waren gemischt – für uns beide war sicher eine wichtige Erkenntnis, die wir mitgenommen haben, dass wir Buchhändlerinnen und Buchhändler unsere Bedürfnisse und Anforderungen an die Verlage und den Börsenverein sehr viel lauter und deutlicher formulieren müssen.

Während sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitgehend einig waren, dass das Sortiment die E–Bookumsätze braucht, um die zurückgehenden Buchumsätze auszugleichen, war man sich ebenso einig, dass es online sehr schwierig werden wird und hier sicher der meiste Umsatz an uns vorbeigehen wird. Festgestellt wurde aber, dass ein Aspekt von den Verlagen noch völlig außer Acht gelassen wird: Das Buch ist sehr häufig ein Geschenk. Es sollte also über Formen nachgedacht werden, wie E–Books physisch verkauft werden könnten, und genau hier kommt dann wieder das stationäre Sortiment ins Spiel. Denn hier fragen Kundinnen und Kunden nach Geschenken, lassen sich in der Buchhandlung beraten oder inspirieren. Wenn wir unser Angebot um die Form E–Book erweitern und diese auch präsentieren könnten, wäre das für beide Seiten ein Gewinn: Bei uns wird gekauft und der Kunde kann ein E–Book verschenken. Epidu bietet solche E–Book Cards bereits an, die aussehen wie eine kleine Grußkarte. Eingedruckt ist sowohl ein QR–Code, mithilfe dessen die Leserinnen und Leser sich das Buch aufs iPad oder das Smartphone laden können als auch ein Buch – Code, mithilfe dessen das Buch auf den PC heruntergeladen werden kann. Diese Karten könnten auch den gedruckten Büchern beigegeben werden, und man hätte so die zweite Form, von der das Sortiment profitieren könnte und über die auf der Session gesprochen wurde, nämlich das Bundle. Warum nicht die Möglichkeit schaffen, Buch und E – Book gemeinsam zu erwerben?

Ob die Karte letztendlich das richtige Format ist oder, wie René Kohl es sich vorstellen könnte, eine Hülle ähnlich wie einer DVD oder einem Hörbuch, in dem dann die Zugangsdaten für’s E–Book enthalten sind, das sind sicher eher Feinheiten.

Als ich im Nachgang zur Session mit Cao Hung Nguyen von Epidu gesprochen habe, erzählte er, dass die Verlage, denen Epidu sein Modell angeboten hat, sehr zögerlich sind. Offensichtlich muss erst eine große Kette kommen und die Aufnahme ins Sortiment garantieren, bevor die Verlage bereit sind, sich auf so ein Experiment einlassen. Da frage ich mich natürlich schon: Wie ernst ist es den Verlagen eigentlich damit, das stationäre Sortiment zu unterstützen? Wäre es nicht den Versuch wert, für die Spitzentitel der Programme, die inzwischen ja mehr und mehr auch als E–Book erscheinen, so ein Modell einfach mal auszuprobieren?

Und wenn ich schon dabei bin, das Gelernte umzusetzen und meine Bedürfnisse (und hoffentlich die vieler Kolleginnen und Kollegen im Sortiment) deutlich zu artikulieren: Organisiert der Börsenverein eigentlich einen runden E–Book –Tisch, an dem sich VertreterInnen aus Sortiment, Verlagen und Entwicklerunternehmen treffen und austauschen? Falls nicht: So etwas könnte doch am Rande der Messen wunderbar organisiert werden, oder? Die Session auf dem Buchcamp jedenfalls hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, dass beide Sparten miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam nicht mehr nur darüber nachdenken, ob E–Books das Sortiment brauchen und das Sortiment E–Books, sondern darüber, welche Modelle es geben kann, die das Sortiment am E–Book–Geschäft partizipieren lassen!

Susanne Martin, Schiller Buchhandlung (Stuttgart) und als Twitter-Autorin äußerst aktiv im Internet.

Kommentare

5 Kommentare zu "Susanne Martin: Buchhandel muss Bedürfnisse lauter vorbringen"

  1. Bernd Brügner | 17. Mai 2011 um 15:58 | Antworten

    Ich versuche auch bei der Veranstaltung dabei zu sein, wäre gut zu wissen ob es noch andere Lösung für den Buchhandel gibts eBooks zu verkaufen.
    Interessant wäre auch dabei diese E-Book Cards vorstellen zu können, da ich es gerne in meiner Buchhandlung testen bzw. verkaufen würde.

  2. Ich bin gespannt, welchen Diskussionsbedarf die BuchhändlerInnen auf dem Fokus Buchhandel 2011 in diesem Zusammenhang haben werden.

    Aus meiner Sicht sind die Themen „Partner der Region“, „elektronische Medien“ und die „Klaviatur des social media marketings“ auch für den stationären Buchhandel nur noch schwer voneinander zu trennen. Besonders, wenn man den Buchhandel aus der Perspektive des Konsumenten betrachtet.

    Ich freue mich jedenfalls auf den Austausch in Bad Gögging und Bad Driburg.

  3. Obgleich „nur“ 10% vom Sortiment da waren. Susanne Martin hat auf alle Fälle ihre Bedürfnisse mit der wortwörtlichen Power dargelegt und das ganze in diesem Artikel noch einmal perfekt zusammen gefasst.

    Sobald mein multimedialer iPhone-Roman auch im Buchhandel erhältlich ist http://bit.ly/kGQOXG, werde ich mir sicherlich etwas einfallen lassen um dem Käufer einen Mehrwert mitzugeben. Manchmal müssen auch erst die Kleinen unabhängigen zusammenhalten, ehe sich die Großen bewegen.

  4. Ein toller Bericht!

    Sehe ich genauso wie die Autorin, wieso werden die Barsortimente und der Börsenverein nicht aktiv um den Buchhandel mit den Thema eBooks zu unterstützen.
    Da im Vergleich zu anderen Ländern, der Buchhandel in Deutschland sehr stark ist.

    Wenn das Buch physikalisch ausgeliefert werden kann, so ist es wohl auch mit den eBookCards möglich, ebooks zu verkaufen. Als Paket mit einem Buch zusammen, wäre es doch ideal um den Lesern es zu ermöglichen das Buch unterwegs mit den eBookReader oder Zuhause als normales Buch lesen zu können.

    Die Branche mit den Verlagen, Buchhandel und der Börsenverein muss und wird sich bewegen müssen um neue Absatzmärkte erschließen zu können, fragt sich nur ob einer frühzeitig im Zug springt und weniger für den Ticket zahlt, als diejenigen die später zusteigen und es sehr viel teurer wird.

  5. 10 % teilnehmende Buchhändler ist mehr als nichts, aber ganz ehrlich: Etwas mehr Power von der vertreibenden Zunft wäre hilfreich. Es ist sicherlich nicht verkehrt, noch ein paar mehr Geschäftsmodelle zum Vertrieb von eBooks, Content & Co. in unsere schöne Buchwelt zu bringen.

    Neben den oben angesprochenen physischen ebookcards (die ich mir tatsächlich etwas volumiger wünsche) gibt es in meinem Blog auch noch einen Vorschlag zum Thema Bundle von Buch + ebook:
    http://www.kohlibri-blog.de/2011/05/ebooks-und-das-stationare-sortiment/

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