Inhalte auch vernünftig verpacken

Der Vertrieb von Medienprodukten wird immer komplexer. Die 2. Fachkonferenz Medienvertrieb 3.0 (11. Mai, ab 9.30 Uhr in der Akademie des Deutschen Buchhandels) untersucht die Vertriebsrevolution im Buch- und Medienmarkt und ihre Folgen. Im Interview skizziert Stefan Weikert, Verlagsleiter Edel:Books (Edel AG), die Chancen der Verlage in einer digitalen Medienwelt.

Der Buchverlagsbereich der Edel AG wächst seit 2007 stetig. Wo liegt das Potenzial von Buchverlagen in einer zunehmend digitalisierten Medienwelt?
In den zusätzlich entstehenden Vertriebs- und Kommunikationskanälen für Inhalte – die aber natürlich neben den Chancen auch Risiken bergen. Das gedruckte Buch wird sich aber auch in einer digitalisierten Welt weiter als Kulturgut behaupten, wobei die haptische Qualität vielleicht sogar eine noch wichtigere Rolle spielt, um den Mehrwert gegenüber dem virtuellen Medium deutlich zu machen. Es wird also für die Verlage auch künftig darum gehen, Inhalte nicht nur zu erzeugen, sondern sie auch vernünftig zu verpacken.

Ihre beruflichen Wurzeln liegen in der Musik-Branche. Von welchen der dort gesammelten Erfahrungen profitieren Sie heute im Verlagsgeschäft am meisten?
Zum einen vom Umgang mit Künstlern und sonstigen kreativen Köpfen: Musiker und Autoren haben die gleichen hohen Ansprüche, wenn es um die Realisierung ihres Werkes  geht. Zum anderen haben wir in der Musikindustrie in den letzten Jahren lernen müssen, kontinuierlich auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren – diese Erfahrungen helfen durchaus, sich den Herausforderungen eines neuen Verlags in einer sich wandelnden Buchbranche zu stellen.

Welche Kanäle nutzen Sie vor allem für die Vermarktung und den Vertrieb Ihrer Bücher? Welche Rolle spielen digitale Distributionswege?
Wir nutzen zu allererst einmal die üblichen konventionellen Kanäle wie alle anderen Verlage, die illustrierte Bücher herausgeben. Dazu gehört im Marketing- und PR-Bereich natürlich auch das Internet mit all seinen Spielarten, von redaktionellen Portalen bis zu Social Media Plattformen. Im E-Book-Geschäft sind wir überall dabei, wo es für unsere Bücher zu diesem frühen Zeitpunkt Sinn macht. Dieser Bereich spielt aber insgesamt noch eine deutlich untergeordnete Rolle.

Bei der Vermarktung von digitalen Angeboten testen Verlage momentan unterschiedlichste Modelle – von der Content-Vermietung bis zur „All you can eat“. Was können Sie dabei von der Musikindustrie im Bereich Song-Downloads lernen?
Die Erfahrungen der Musikbranche zeigen ganz deutlich, dass der Konsument sein über Generationen gelerntes Rezeptions- und Kaufverhalten auch bei non-physischen Produkten nicht so ohne weiteres ändert. Auch wenn die digitale Welt uns viele neue Möglichkeiten bietet, werden die ganz traditionellen Geschäftsmodelle hier am besten angenommen.

Wie wird der Buch- bzw. Medienvertrieb in fünf Jahren aussehen?
In der Musikindustrie gehört das Digitalgeschäft längst zum Alltagsgeschäft – an die Stelle von Business Development Managern sind Vertriebsmitarbeiter getreten, die eng mit ihren Kollegen aus dem physischen Vertrieb zusammenarbeiten und im Prinzip das gleiche tun wie diese. Hier wird es auch im Buchvertrieb hingehen.

Die Akademie des Deutschen Buchhandels in München bietet in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen zu Herstellung und Managment an:

2. Mai: Vom gedruckten Buch zum E-Book – Formate, Konvertierungsmethoden und Prozessoptimierung

11.–13. Mai: Herstellung kompakt

13. Mai: Business-Plan: Geschäftsideen bewerten und umsetzen   

16.–17. Mai: Projektmanagement für Führungskräfte

19.–20. Mai: Grafik für Nicht-Grafiker in Verlagen

27. Mai: Bewertung von Verlagsunternehmen

27. Mai: Corporate Design für Verlage

30. Mai: Herstellung von E-Medien

30. Mai – 1. Juni: Betriebswirtschaft für Führungskräfte II

8.–9. Juni: USP crossmedial – Alleinstellung für Verlagsprodukte von Print bis Online definieren und umsetzen

9.–10. Juni: Buchlayout in der Praxis

27. Juni: Pricingstrategien für das E-Business

29. Juni: Digitale Bilder. Bearbeitung, Qualitätssicherung

4.–5. Juli: Herstellung für Lektoren

4.–5. Juli: Neue Fachmedien entwickeln

4.–6. Juli: Strategische Programmplanung

8. Juli: Geschäftsmodell E-Book

13. Juli: Crashkurs Konzeption von E-Produkten

13. Juli: Produktions-Management für Verlage

21.-22. Juli: Intensivtraining für erfahrene Führungskräfte: Werkzeuge effizienter Führung

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