Das Wichtigste, was wir je in Deutschland gemacht haben

Warum startet Amazon so spät mit dem Kindle-Programm in Deutschland? Und wie wollen die Münchner den Vorsprung von Apple & Co. aufholen? amazon.de-Chef Ralf Kleber (li.) und Nicholas C. Denissen (re.), Vice President Media, im Interview.

Warum starten Sie so spät?
Ralf Kleber: In Deutschland ist das E-Book-Thema immer noch ein sehr junges. Heute ist erst die Stunde minus eins – es gibt erst 25.000 deutsche Titel und noch viele Bücher, die noch digitalisiert werden müssen. Insofern starten wir nicht zu spät. Wir haben jetzt das erreicht, was wir erreichen wollten: alle auf dem deutschen Markt verfügbaren Titel im Angebot und daneben viele gemeinfreie Bücher. Amazon ist einem klaren Plan gefolgt: Erst den Kindle-Store in USA etablieren und verbessern, danach das Produkt besonders in den englischsprachigen Ländern verfügbar machen – es gibt nun einmal viel mehr englischsprachige Kunden als deutsche. Und dann auch den deutschen Markt überzeugen, der für Amazon ein ein sehr wichtiger Markt ist. Wir verkaufen seit 13 Jahren physische Bücher und haben gute Erfahrungen mit Kunden und Verlagen gemacht.
 
Sie müssen den Markt von hinten aufrollen, weil Wettbewerber wie Apple schon einen Vorsprung haben.
Kleber: Als wir in Deutschland mit unserem Shop gestartet sind, gab es auch Tausende andere Anbieter, insofern ist diese Situation keine neue für uns.
 
Sie profitieren also davon, dass die anderen die Aufbauarbeit geleistet haben, die Sie in den USA alleine machen mussten?
Kleber: Uns ist es aber genauso recht, selbst die Grundlagen zu schaffen. Zentral ist aber, dass wir ein Gerät im Angebot haben, das in puristischer Form eine komfortable Form der Lektüre ermöglicht und uns einen Vorsprung gegenüber anderen ermöglicht.
 
„Dies ist das Wichtigste, was wir je gemacht haben“, verkündete Amazon-Boss Jeff Bezos 2007. Welchen Stellenwert hat der Kindle für Ihren Shop?
Kleber: Das ist das Wichtigste, was wir je in Deutschland gemacht haben, seitdem wir mit unserem Store online gegangen sind.

Denissen: Man muss sich unseren Anspruch noch einmal vor Augen halten: Jedes Buch in jeder Sprache an jedem Ort der Welt binnen 60 Sekunden verfügbar zu machen. Autoren und Verlage suchen händeringend nach Möglichkeiten, um ihre Bücher überall verfügbar zu machen. Wir schaffen ein Medium, mit dem ein kultureller Austausch auf einem ganz anderen Niveau möglich ist.
 
Welche Erfahrungen aus dem US-Kindle-Geschäft seit 2007 sind für den Deutschland-Start wichtig?
Kleber: Der deutsche Kunde hat zwar individuelle Merkmale, und unser Job ist es, diese Merkmale herauszuarbeiten. Aber generell sind die Merkmale ähnlich gegenüber dem US-Kunden. Der Buchleser in den USA unterscheidet sich nur geringfügig von dem US-amerikanischen.
 
In den USA finden Sie nicht an jeder Ecke eine Buchhandlung, insofern ist die Ausgangssituation eine andere.
Denissen: Entscheidend ist, dass unsere Kunden zu allen Tageszeiten und an allen Orten der Welt Bücher kaufen und lesen können.  Es geht uns um Vielfalt, nicht um Verdrängung.
 
Weiterer Unterschied: Hierzulande können Sie nicht mit einem aggressiven Pricing den Markt aufrollen.
Kleber: Wir sind seit 13 Jahren auf dem deutschen Buchmarkt und kennen die Preisbindung, mit der alle Händler leben müssen – darüber muss man nicht lamentieren. Obwohl wir die gleichen Preise wie andere haben, strömen die Kunden zu uns.
 
Die Fragen stellte Daniel Lenz

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