Ich lege die Waffen nieder

Nachdem im März bereits einige Mitarbeiter in der US-Zentrale des japanischen Manga-Verlags Tokyopop gehen mussten, bricht Tokyopop jetzt die Zelte in Los Angeles komplett ab.

Nach Angaben des 1997 gegründeten Unternehmens soll die US-Zentrale Ende Mai aufgelöst werden – der Hauptsitz des Verlags lag bis dato in Kalifornien, obwohl rechtlich die japanische Tokyopop K.K. laut Wikipedia die Mutterfirma aller internationalen Tokyopop-Niederlassungen ist. Die deutsche Dependance, die das europäische Geschäft koordiniert, sowie Film- und Fernseh-Projekte des Verlags werden demnach nicht tangiert.

14 Jahre nach dem Start lege er die Waffen nieder, schrieb Firmen-Gründer Stu Levy am vergangenen Freitag, mit Verweis auf die Manga-Revolution, die „gewonnen“ worden sei und das Comic-Genre in die globale Pop-Kultur geführt habe.

Gegenüber buchreport.de versichert der Geschäftsführer von Tokyopop Deutschland, Joachim Kaps, dass der deutsche Verlag unverändert weitergeführt werde. „Das Unternehmen war – auch wenn es ob des Umfangs der amerikanischen Aktivitäten oft anders wahrgenommen wurde – eine Schwester, aber nicht unsere Muttergesellschaft.“

Der deutsche Markt entwickele sich für Tokyopop grundlegend anders als in den USA. „Wir konnten unser Geschäft in Deutschland bis ins neue Quartal hinein entgegen der Trends des deutschen Buchmarkts immer weiter ausbauen.“ In den vergangenen Jahren seinen Umsatz und  Ergebnis kontinuierlich gesteigert worden. Auch der Start in das laufende Geschäftsjahr sei mehr als positiv verlaufen, „so dass wir allen Grund haben, im deutschen Markt optimistisch nach vorne zu blicken“.

Jetzt sei man auch aus Respekt gegenüber den Leistungen der amerikanischen Kollegen in den vergangenen 15 Jahren noch stärker motiviert, die Marke des Verlags als ein verlegerisches Zuhause für Manga und Comics in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. „Stärker als bisher werden wir uns auf diesem Weg fortan auch um die internationale Vermarktung der von Tokyopop entwickelten Themen kümmern“, blickt Kaps voraus.

Hintergrund des US-Rückbaus ist laut Levy u.a. die Pleite der zweitgrößten US-Buchhandlung Borders. „Sie schulden uns einen bedeutenden Betrag. Wir sind kein großes Unternehmen und mit geringeren Geldmitteln, als geplant, müssen wir uns neu gruppieren, um zu überleben“, erklärte Levy im März gegenüber Publishers Weekly.

Chronik

Der Verlag wird 1997 in Los Angeles unter dem Namen Mixx Entertainment Inc. gegründet (seit 1999 firmiert das Unternehmen unter Tokyopop).

1998 bringt der Verlag mit „Sailor Moon“ einen der größten Bestseller der Firmengeschichte an den Start.

2003 werden durchschnittlich 25 Manga-Bände im Monat veröffentlicht. Die erste ausländische Niederlassung von Tokyopop in Großbritannien vertreibt dort die amerikanischen Ausgaben, macht jedoch keine eigene Programmplanung.

Im April 2004 gründet der Verlag seine zweite ausländische Niederlassung in Deutschland mit Sitz in Hamburg. Der Verlagsleiter ist Joachim Kaps, ehemaliger Verlagsleiter bei Carlsen Comics.

Am 21. Juni 2005 beginnt Tokyopop auch in Japan mit verlegerischen Tätigkeiten. Den Anfang machen die auch in den USA und Deutschland erhältlichen Star Wars Anime-Comics.

2006 schließt der Verlag ein Vertriebsbündnis mit HarperCollins.

2008 wird der amerikanische Verlag in zwei Verlage aufgeteilt, Tokyopop Inc., der Mangas und Comis vertreibt, und Tokyopop Media, der Filmprodukte und Spiele veröffentlicht sowie den Internetauftritt des Unternehmens verwaltet. Dabei werden 39 Arbeitsplätze abgebaut und das Manga-Programm auf die Hälfte reduziert. Später wird auch das Programm in Großbritannien von 25 auf 20 Titel reduziert.

Im Dezember 2008 werden nach einem starken Rückgang der Verkaufszahlen in den USA erneut acht Angestellte entlassen.

Februar/März 2011: Durch die Borders-Pleite werden Redakteure und Hersteller entlassen, im Mai 2011 erfolgt die komplette Schließung des US-Verlags.  

Quelle buchreport, Wikipedia

Kommentare

1 Kommentar zu "Ich lege die Waffen nieder"

  1. Tokyopop Deutschland hat die internationale Rechte-Verwertung an den Titeln der amerikanischen Schwester sowie der Bücher des japanischen Partners Gentosha Comics übernommen.

    s.: buchreport.de/url.tokyopop2

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