Ein starkes Signal

Fast einstimmig haben die Mitglieder auf der Hauptversammlung des nordrhein-westfälischen Landesverbandes des Börsenvereins für die Verschmelzung mit dem Bund gestimmt: 119 Mitglieder stimmten für die Fusion, fünf dagegen, fünf Personen haben sich enthalten. Damit wurden die nächsten Schritte auf dem Weg zur Fusion mit dem Bund geebnet.

Die Beschlüsse im einzelnen:

  • Mit einer Gegenstimme und vier Enthaltungen gaben die Mitglieder grünes Licht für eine Satzungsänderung des Landesverbandes NRW, die den rechtlichen Rahmen für eine Hochzeit mit dem Bund bildet. 
  • Der Vorstand wurde beauftragt, die Verschmelzung mit dem Bund vorzubereiten. 119 Mitglieder stimmten für die Fusion, fünf dagegen, fünf Personen haben sich enthalten.
  • Falls sich die Verschmelzung durch den Bund gescheitert wäre, hätten die Mitglieder noch über eine Beitragserhöhung des Landesverbandes ab 2012 abstimmen müssen. Durch die ersten beiden Abstimmungen entfällt diese Möglichkeit.
  • Zudem bestätigte die Hauptversammlung den bisherigen Vorstand.

Die nächsten Schritte:

  • Am 10. Juni 2011 stimmen die Mitglieder auf der Hauptversammlung des Bundesverbandes auf den Buchtagen in Berlin über die Satzungsänderung und die neuen Beiträge für die Region NRW ab. Der Beschluss bedarf der Dreiviertel-Mehrheit der anwesenden Mitglieder.
  • Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse treffen sich am 13. Oktober 2011 der Bundesverband und der Landesverband NRW in zwei separaten außerordentlichen Hauptversammlungen, um den endgültigen Verschmelzungsbeschluss zu fassen und den bis dahin entwickelten Verschmelzungsvertrag freizugeben.
  • Zum Januar 2012 könnte die Verschmelzung von Bund und NRW dann in Kraft treten.

Mögliche Szenarien für 2012

Der schlankere Verband soll nach dem Willen des Vorstands wie folgt ausgestaltet werden:

  • Einsparungen in der Gremienarbeit: Gibt der Landesverband NRW seine rechtliche Eigenständigkeit zum Jahreswechsel endgültig auf, würden Jahresroutinen wie Geschäftsführersitzungen, Vorstandssitzungen, Jahreshauptversammlungen, Kassenprüfung, Kontakte zu Registergericht und Notaren, Jahresabschluss und Steuerberatertermine sowie der Vor- und Nachbereitungsaufwand für die entsprechenden Termine wegfallen.
  • Administrative Entlastung: Entfallen würden darüber hinaus Sachkosten und Aufwand für Teile der Mitgliederverwaltung, Vertrags- und Versicherungsangelegenheiten und das Pflegen eigener Mitgliedschaften in anderen Verbänden. Buchhaltung, Zahlungsverkehr, Inkasso, Controlling, Mitgliederverwaltung, Beitragsfragen, Vertragsangelegenheiten (in Teilen),  Versicherungsangelegenheiten (in Teilen) und Personalwesen sollen nach Frankfurt verlagert werden.
  • Regionale Schaltstelle: Künftig soll eine Regionaldirektion Sprachrohr für landestypische Bedürfnisse sein. Der Regionaldirektor leitet das Büro Düsseldorf und ist Mitglied der Geschäftsleitung des Börsenvereins.
  • Task Forces: Themen, die sich in Regionaltreffen als wichtig für die Mitglieder herauskristallisieren oder die direkt von den Mitgliedern an das Büro in Düsseldorf herangetragen werden, sollen künftig in Arbeitsgruppen geklärt, geordnet, gelöst oder für eine breitere Diskussion aufbereitet werden. Themen von übergreifender Bedeutung können von einem Sprecher der Task-Force gemeinsam mit dem Regionaldirektor in die Gremien des Börsenvereins direkt eingebracht werden.
  • Regionaltreffen: Es soll es mehr Regionaltreffen geben, diese sollen zukünftig verstärkt zur Meinungsabfrage bei den Mitgliedern dienen.
  • Seminare: Im Bereich der Weiterbildung will NRW künftig stärker mit dem Mediacampus Frankfurt zusammenarbeiten.
  • Einsparungen: Durch diese Schritte seien laut Rechnung des Vorstands Einsparungen in Höhe von mindestens 27% des Budgets des Landesverbands NRW (bzw. 184000 Euro) möglich

Scheitert die Verschmelzung wären dem Vorstand zufolge folgende Einschränkungen erforderlich:

  • Die Beiträge des – in diesem Fall rechtlich eigenständig bleibenden – Landesverbandes NRW würden ab 2012 erhöht werden, um die zu erwartenden Rückgänge der Mitglieder und die sinkenden Mitgliedsbeiträge auszugleichen.
  • Das Leistungsangebot des Landesverbandes würde sich bereits ab 2012 deutlich vermindern. Auch Kampagnen wie „echt & gut“ seien dann nicht mehr zu finanzieren und nicht mehr zu organisieren.
  • Der Landesverband müsste sich in diesem Fall ausschließlich auf telefonische Beratungen und ein Minimum an Standardveranstaltungen beschränken, prophezeit der Verband.  

Die Position der anderen Landesverbände

Im Gegensatz zu NRW stehen andere Landesverbände einer Fusion mit dem Bundesverband kritisch gegenüber:

  • Auch im Landesverband Baden-Württemberg steht eine Fusion mit dem Bundesverband zur Diskussion, alternativ plädiert der Vorstand dafür, die föderalen Strukturen bei gleichzeitiger Beitragssenkung zu erhalten. Während die Mitglieder sich – im entsprechenden Forum von „Mein Börsenverein“ – bisher kaum zu den Optionen geäußert haben, diskutieren die Funktionäre über die Zukunft des baden-württembergischen Börsenverein-Landesverbandes in mehreren offenen Briefen über das „Gespenst der Fusion“. 
  • Im „Wettstreit der Ideen“ zur Zukunftssicherung des Börsenvereins hat der Landesverband Saarland sich für die Idee seines Vorstandes eingesetzt: Die Mitglieder plädierten Ende März einstimmig für den Antrag ihres Vorstands, mit den Landesverbänden Hessen und Rheinland-Pfalz zu fusionieren. Bisher waren die Landesverbände zwar rechtlich selbstständig, haben aber seit acht Jahren mit einer gemeinsamen Geschäftsstelle in Wiesbaden und einem gemeinsamen Seminarprogramm kooperiert. Am 12. Mai folgt die Abstimmung über das Dreierbündnis in Hessen, am 18. Mai dann Rheinland-Pfalz.
  • Im Landesverband Nord steht mögliche Fusion mit dem Bund vorerst nicht zu Debatte: „Obwohl die Mitgliederzahlen auch bei uns zurückgehen, befinden wir uns auf der Beitragsseite in einer komfortablen Situation“, erklärte Landesvorstand Michael Hechinger im Gespräch mit buchreport. Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern seien von den strukturellen Umwälzungen in der Branche nicht in dem starken Ausmaß betroffen, wie andere Regionen. 
  • Die übrigen Landesverbände wollen – mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen – die regionalen Strukturen erhalten. Das im Oktober abgegebene gemeinsame Statement für die Erhaltung der förderalen Strukturen (hier mehr) zum ausführlichen Statement der Landesverbände haben die Landesfürsten in dieser Woche in einem offenen Brief erneut bekräftigt. Ihre Begründung: „Die bisherige Form der Zusammenarbeit der Verbände und der gemeinsamen Interessenvertretung der Mitglieder hat sich in der Vergangenheit bewährt und wir sind dezidiert der Meinung, dass diese Form der dezentralen Organisation bestens geeignet ist, dem Strukturwandel unserer Branche zu begegnen.“

Foto: © Lichtblick-Fotos/Volker Wiciok

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