Libreka muss verkauft werden

Wie erwartet hat die E-Book-Plattform des Börsenvereins im Branchenparlament für einen Eklat gesorgt. Zwischenbuchhändler fordern den Verband auf, sich von Libreka zu trennen – und drohen unverhohlen mit dem Austritt aus dem Verband.

Während sich der Sortimenter- und Verleger-Ausschuss dafür ausgesprochen haben, Libreka weiterhin zu unterstützen, attackierte das Gremium der Zwischenbuchhändler den Verband ob der strategischen Ausrichtung des E-Book-Distributeurs. Zentrale Forderung: Libreka müsse an eine dritte Firma verkauft werden. Außerdem solle die Quersubventionierung durch die VlB-Titelgebühren eingestellt werden.

Besonders KNV-Chef Oliver Voerster zeigte sich verärgert: Libreka schädige massiv die wirtschaftlichen Interessen einzelner Mitglieder. „Unter dem Dach des Verbands gab es noch nie so viele Mitglieder, die sich fragen, ob der Börsenverein noch ihre Interessen vertritt“, schimpfte Voerster.  Und drohte mit dem Austritt aus dem Verband: „Wir müssen neu bewerten, wie lange wir noch mit unseren Beiträgen solche Entwicklungen unterstützen wollen.“ Diskussionen wie um Libreka gefährdeten das Weiterleben eines Dreisparten-Verbands.

Zwar habe man mit der MVB Kooperationsmöglichkeiten sondiert, doch diese seien nicht akzeptabel, so Voerster.

Matthias Heinrich, Chef des Zwischenbuchhandels-Ausschusses, erklärte im Gespräch mit buchreport.de, er gehe persönlich nicht davon aus, dass der Verband durch den Streit um Libreka gesprengt werde – gleichwohl sei dies ein „Thema mit Zündstoff“.

Weiterer Kritikpunkt aus dem Zwischenbuchhandel: Der Versuch des Verbands, die zentrale Plattform zur Distribution von elektronischen Büchern aufzubauen, sei ein Verstoß gegen das Kartellrecht.

Zuvor hatte Libreka-Chef Ronald Schild, wie in den vergangenen Jahren häufig von Verbandsmitgliedern gefordert, Zahlen zur Entwicklung von Libreka vorgelegt. Demnach lagen die Erlöse von 2006 bis 2010 bei 4,4 Mio Euro – bei Kosten von 4,7 Mio Euro. Der Breakeven sei 2011 geplant, 2012 werde bereits ein positives Ergebnis (599.000 Euro) erzielt, 2013 liege der Gewinn bereits bei 1,26 Mio. Euro. Perspektivisch sei Libreka auch nicht mehr auf die VlB-Quersubventionierung angewiesen..

Den eigenen Marktanteil taxiert Libreka, wie eine zweite Tabelle zeigt, aktuell auf 15%, für 2012 und 2013 wird mit einem Anstieg auf 18% gerechnet.

Zwar wurde die neue Offenheit bei der MVB begrüßt, doch aus Sicht von KNV-Chef Voerster zeigten diese lediglich einen „Best Case“, tatsächlich sei die Finanzierung nicht gesichert.

Karl-Peter Winters, Vorsitzender des Verleger-Ausschusses, bilanzierte am Ende der Sitzung mit Blick auf Libreka: „Es besteht kein Konsens über die Sparten hinweg.“

Neben der Neupositionierung als digitale Auslieferung ist gestern ein weiterer strittiger Punkt hinzugekommen: Im Herbst will die MVB komplette White Label Shops für den Buchhandel anbieten, im direkten Wettbewerb zu Libri, Umbreit und KNV (buchreport.de berichtete).

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