Den Mund zu voll genommen?

Bei der Tagung des Branchenparlaments stieß die Ausrichtung von Libreka gestern auf massive Kritik von Seiten der Zwischenbuchhändler – wie viel Konkurrenz darf der Verband Mitgliedern wie Libri & Co. machen, ist die heiße Frage, an der sich der Schlagabtausch entzündet hatte. Jetzt folgt juristischer Widerstand: Wettbewerber Bookwire prescht mit einer Einstweiligen Verfügung gegen die MVB vor, die heute Morgen in Frankfurt überbracht wurde.

Die Frankfurter E-Book-Vertriebsfirma Bookwire wird von der Kurskorrektur Librekas (Abschied vom Endkundengeschäft, hin zur Auslieferungs-Dienstleisterrolle, als Mittler zwischen Verlagen und E-Book-Shops à la Apple und Amazon) vermutlich am stärksten innerhalb der Branche tangiert. Denn während große Verlage wie Random House oder Holtzbrinck eigene Lösungen favorisieren, um ihre E-Books bei den großen Portalen einzustellen, sind die meisten kleineren und mittelgroßen Verlage auf Firmen wie Bookwire – und neuerdings auch Libreka – angewiesen, um bei Apple &. Co. zu landen.

Über den Strategiewechsel von Libreka hatte sich Bookwire-Chef Jens Klingelhöfer schon im Herbst gewundert: „Das ,neue Angebot‘ von Libreka existiert bereits am Markt durch Firmen wie Bookwire auf der einen und Dienstleister wie z. B. die HGV oder Arvato etc. auf der anderen Seite – die alle bereits viele Schritte weiter sind.“

Bookwire geht es nicht darum, die Konkurrenz-Stellung der Verbandstochter vor Gericht grundsätzlich in Frage zu stellen. Der Vorwurf lautet auf Irreführung, ein Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG, §5). Mit Behauptungen wie „als Distributionsplattform bietet libreka! das zentrale, gebündelte E-Book-Angebot der deutschen Verlage, auf das alle Marktteilnehmer und Online-Shops zugreifen können“ (aus einer Pressemitteilung der MVB zum Start des Telekom-Kiosks Page Place) erwecke die MVB den Eindruck, Marktführer zu sein oder zumindest eine Spitzenstellung  auf dem Markt der digitalen Distributeure einzunehmen. Dies sei falsch.

Begründung: Mit 130 Verlagskunden habe die MVB nicht einmal 5% aller deutschen Verlage (rund 2800 Verlage) unter Vertrag. Laut der jüngsten E-Book-Studie des Börsenvereins veröffentlichten bereits 35% der Verlage E-Books, das wären rund 980 Verlage – von denen die MVB nur 13% an Bord habe. Aus diesen Gründen könne keine Rede davon sein könne, dass Libreka als Vertrieb „die deutschen Verlage“ vertrete. Zum Vergleich: Das eigene Independent-Unternehmen vertreibe bereits exklusiv die E-Books von 50 Verlagen, über Libri würden aktuell E-Books von 450 Verlagen angeboten.

Die MVB übe „auf subtile Art und Weise einen erheblichen Druck auf die Buchverlage aus, ihr schnellstens ebenfalls den Digitalvertrieb ihrer Werke zu überlassen bzw. zu ü̈bertragen“, heißt es im Antrag auf den Erlass einer einstweiligen Verfügung, für die ein Streitwert von 25.000 Euro angesetzt wurde.

MVB: Einstweilige Verfügung liegt nicht vor

Bei der von buchreport um eine Stellungsnahme gebetenen MVB zuckt man am Freitag nachmittag noch mit den Schultern: „Eine etwaige einstweilige Verfügung gegen die MVB bzw. libreka! liegt uns nicht vor. Insofern wäre es verfrüht, hierzu Stellung zu nehmen. Wenn eine solche eingehen sollte, werden wir sie sorgfältig prüfen. Wir sind zuversichtlich, dass die Angelegenheit rasch aufgeklärt werden kann, denn die MVB hat den Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, mit libreka! für die gesamte deutsche Buchbranche eine Distributionsplattform für E-Books bereitzustellen.“ 

Laut Klingelhöfer ist die gerichtlich angeordnete EV am Freitag per Fax vorab an die MVB geschickt worden, voraussichtlich Montag werde sie in gedruckter Form zugestellt.

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