Geben und Nehmen

Wie viel Konkurrenz darf der Verband mit seinen Wirtschaftstöchtern seinen Mitgliedern machen, lautet spätestens seit der Neupositionierung von Libreka eine zentrale Frage in den Gremien des Börsenverein. Stand zuletzt die Positionierung als digitale Auslieferung, in Konkurrenz zu Anbietern wie Bookwire, HGV oder Arvato Systems, im Fokus der Diskussion, könnte sich der Streit jetzt an den Ausbau-Plänen der Frankfurter entzünden: Im Herbst will die MVB komplette White Label Shops für den Buchhandel anbieten, im direkten Wettbewerb zu Libri, Umbreit und KNV. Bislang stellt die MVB Sortimentern nur verschiedene Möglichkeiten zum Vertrieb digitaler Bücher bereit.

Wie das Verbandsorgan Börsenblatt berichtet, sollen die Shops von den Buchhändlern in ihrem Design gestaltet werden können, u.a. auf der Basis der Technik von claudio.de, dem Hörbuch-Portal, das die Frankfurter vom Focus Magazin Verlag übernommen haben. Als Monatsgebühr habe Schild einen Betrag zwischen 60 und 70 Euro sowie eine „entgegenkommende Konditionengestaltung“ genannt. Zum Angebot der Shops gehörten neben gedruckten Büchern E-Books und Hörbücher.

Besonders bei Libri, Umbreit und KNV, die jeweils über 1000 Partner-Buchhändler mit Shop-Systemen versorgen, dürfte diese Ankündigung für schlechte Laune sorgen. „Der Verband bietet Lösungen an, die es schon gibt“, sagt ein Vertreter aus dem Zwischenbuchhandel, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Über 2500 Sortimenter werden von Libri & Co. mit einem Shop versorgt – es gibt keinen zusätzlichen Bedarf.“

Schon die ursprüngliche Fokussierung von Libreka aufs Endkundengeschäft fand im Zwischenbuchhandel ein kritisches Echo. Auch die Tatsache, dass die Libreka-Mutter MVB gezielt mit einzelnen Zwischenbuchhändlern Kooperationsmöglichkeiten ausgelotet hatte (bis zur Ausgliederung im Rahmen eines Joint-Ventures), sorgte für Verstimmungen. Stephan Schierke, Chef der VVA, schimpfte im Herbst 2010, dass die selektiven Kooperations-Gespräche dem Wettbewerb schadeten; als Joint-Venture mit einem oder mehreren Zwischenbuchhändler würde die Plattform ihren Anspruch der Neutralität verlieren.

Im Sortimenterausschuss hat Schild heute außerdem die Frage aufgeworden, ob den Sortimentern noch an der Endkundenplattform libreka.de gelegen sei, die trotz Neuausrichtung auf die Dienstleisterrole bislang so weiterläuft. Was Osiander-Chef Heinrich Riethmüller verneinte, da die Plattform ohnehin kaum Umsätze erzeuge.

Schild reagierte außerdem auf die Kritik von Buchhändlern an der Kooperation mit der Telekom (für den digitalen Kiosk Page Place): „Wir sind eine Drehscheibe und müssen für alle Partner interessant sein“. Die Verlage hätten ein großes Interesse daran, dass Libreka alle Vertriebskanäle bediene. „Das ist ein Geben und Nehmen“, so Schild. „Wenn wir einzelne Partner ausschließen, würden die Verlage möglicherweise Titel zurückziehen, wodurch Libreka an Attraktivität verlieren würde.“

Kommentare

2 Kommentare zu "Geben und Nehmen"

  1. Peter Stanberg | 8. April 2011 um 1:07 | Antworten

    Der Vertreter des Zwischenbuchhandels mag Recht haben. Sind alle Buchhändler durch die bestehenden bestens versorgt, so braucht die Libreka-Initiative keinem Grossisten Kopfzerbrechen verursachen. Ob diese Aktivität sinnvoll und aufgrund der bestehenden Zusammenhänge vertretbar ist, ist freilich ein anderes Thema.

    Da sind die Lösungen von eCCOMES eher eine attraktive Alternative zu den bestehenden White-Label-Shops. Denn diese Lösungen werden nicht nur ebenso günstig betrieben sondern sind Premiumlösungen, wie sie weder Libri noch Umbreit noch KNV anbietet. Diese Shops sind individuell gestaltet und können mit beliebigem Sortiment befüllt werden: jeder Grossist kann einfach angebunden werden. Libreka, claudio, ciando, new books, bic media widgets u.v.a. inklusive. Und um Nonbook-Artikel ergänzt werden. Der Händler bleibt flexibel und ist nicht auf einen Zulieferer festgelegt.

    Wer also nicht nur einen Shop benötigt, weil es heute eben „sein muss“, sondern seinen Kunden ein zugeschnittenes Angebot anbieten möchte, für den
    sind die White-Label-Shops nicht die optimale Lösung. Hier bietet die Orange-Technologie von eCCOMES eine hervorragende Lösung, auf die bereits viele Klein- und Großversender setzen. Diese ist auf alle Fälle neutral und gänzlich kundenorientiert.

  2. Christina Schulte | 6. April 2011 um 23:49 | Antworten

    Und hier der Link zum Verbandsorgan
    http://www.boersenblatt.net/43

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