Leipzig schaut weg

Schlechte Reden, weltfremde Stimmung, falsche Preisträger – oder doch das überwältigende Buchfestival Ostdeutschlands? Die Publikumspresse ist mit Blick auf die Leipziger Buchmesse geteilter Meinung. buchreport.de gibt einen Überblick.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 27) wundert sich, dass die Japan-Katastrophe außer in der Eröffnungsrede von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bei der Verlagsszene nicht zur Sprache kam. „Natürlich, Serbien war offizieller Messeschwerpunkt; aber wie erklärt man die Indifferenz einer ganzen Branche gegenüber einer Katastrophe von globaler Konsequenz? War es vielleicht Pietät gegenüber den Opfern und Leidtragenden von Fukushima, die den Literaturbetrieb nur hinter vorgehaltener Hand über die Tragödie reden ließ?

Die Tageszeitung meint dagegen, jeder halbwegs empathiefähige Mensch habe nicht ignorieren können, was zeitgleich zu den Lesungen in Leipzig auf der Welt passierte.

Auch die „Neue Zürcher Zeitung“ (S. 36) widmet sich dem Spannungsfeld Buchbranche/Weltpolitik: „Weder Ghadhafis schmutziger Bürgerkrieg noch die Katastrophe in Japan vermochten die gewohnt bunte Fröhlichkeit der Leipziger Messe zu verdüstern. Gegenwärtig war die Außenwelt gleichwohl.“

Die „Frankfurter Rundschau“ meint, es seien grundsätzlich außerordentlich wenige wirklich originelle Reden gehalten worden. „Ein Kommunalpolitiker und zwei Schriftstellerinnen haben es diesmal in Leipzig herausgerissen.“

Außerdem beklagt sich die „taz“ über die Wahl von Clemens J. Setz zum Träger des Leipziger Buchpreises. Er sei „freundliche Verkörperung der Gestalt eines literarischen Junggenies, die vom Literaturbetrieb immer mal wieder gern entdeckt wird“. „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf wäre dagegen eine „Anerkennung für einen entspannten, gleichwohl komplexen Umgang mit literarischen Mustern gewesen und zugleich ein Zeichen dafür, dass man nicht mehr in den Mustern von E- und U-Literatur denkt.“

Der „Tagesspiegel“ beobachtet, dass von der Digitalisierung in Leipzig nicht viel zu sehen gewesen sei. „Die Digitalisierung der Branche dürfte aber die Beliebtheit einer rundum analogen Veranstaltung wie der Leipziger Buchmesse kaum negativ beeinflussen. Denn auch im E-Book-Zeitalter wollen Dichter noch angefasst, gehört, um Autogramme gebeten und bewundert werden, und Promis und Semipromis sowieso.“

Kommentare

1 Kommentar zu "Leipzig schaut weg"

  1. Oliver Gehrmann | 21. März 2011 um 23:55 | Antworten

    Ich denke, dass insbesondere das Thema Japan in der Buchmesse quasi omnipräsent war. Gerade im Anime- und Manga-Bereich in Halle 2, der natürlich einen engen Bund mit dem Thema Japan hat, konnte man an nahezu jedem Stand eine Spendenaktion vorfinden oder sich über die Bemühungen der jeweiligen Standbetreiber zur Opferhilfe informieren.

    Highlights waren beispielsweise der Stand der Deutsch-Japanischen Gesellschaft oder die Spendenaktion des Roten Kreuzes.
    In der Berichterstattung unseres Teams von Sammelkartenspielern (http://www.bootcample.de/tag/b… sind wir unter anderem auch auf dieses Thema eingegangen.

    Viele Grüße,
    Oliver Gehrmann

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