Außenseiter gewinnt Roman-Preis

In der Glashalle der Leipziger Buchmesse hat die Jury die Preise der Leipziger Buchmesse vergeben.

Clemens J. Setz lockt ins Labyrinth

Der in den Augen der Jury beste Roman stammt von Clemens J. Setz (im Bild li.): „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ (Suhrkamp). Die Jury: „Den Ausschlag gaben die Kühnheit der Konstruktion, die Eigenwilligkeit der Sprache und die Konsequenz des Konzepts, das zu gleichermaßen originellen wie unheimlichen Geschichten führte. Sie machen mit einem ernüchternden Menschenbild ernst, das wir wissenschaftlich längst akzeptiert haben, aber kulturell bislang erfolgreich überspielen. Der Preis würdigt ein düsteres, mit Überraschungen aufwartendes Prosalabor, in dem ein junger Autor sich traut, mit den Mitteln der Sprache Va-banque zu spielen.“

Setz ist auch Übersetzer und Gründungsmitglied der Literaturgruppe Plattform. 2010 gewann er für seinen zweiten Roman „Die Frequenzen“ (Residenz) den Bremer Literaturpreis, außerdem wurde dieser für den Deutschen Buchpreis nominiert. Vor drei Jahren wurde Setz beim Bachmann-Wettbewerb mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet. 2007 erschien sein Roman „Söhne und Planeten“ im Residenz Verlag (2010 als Taschenbuch bei btb).

Angesichts des Wettbewerbs mit anderen Kandidaten wie Arno Geiger, Wolfgang Herrndorf und Peter Stamm hatte den Autor vermutlich kaum ein Kritiker auf der Rolle.


Hennig Ritter schafft „meisterhafte“ Aphorismen

Beim Sachbuch erhält in diesem Jahr Henning Ritter (re.) die Auszeichnung für die „Notizhefte“ (Berlin Verlag). Die Jury: „Das Werk ist ein ungewöhnliches Buch, nicht nur weil es Gelehrsamkeit auf eine leichte Art präsentiert, anmutig, freundlich, nie grimmig, sondern in der Form des Aphorismus, der Reflexion, des Kurzessays, der kritischen Bemerkung. Sprache und Bildung werden hier virtuos gehandhabt. Die ‚Notizhefte‘ erlauben es dem Leser, den Autor beim Gespräch mit dessen Vertrauten aus der Geistesgeschichte zu belauschen. Er erwischt sie in dem Augenblick, da sie sich unbeobachtet glauben und ihre Leidenschaften unverstellt äußern. Es sind dies – und das erhöht das Vergnügen in diesem Fall – Leidenschaften des Denkens und des Formulierens.

Henning Ritter ist langjähriger Redakteur der „FAZ„, verantwortlich für das Ressort Geisteswissenschaften und Sohn des Philosophen Joachim Ritter. Der Herausgeber der „Werksbesichtigung Geisteswissenschaften“ (1990) veröffentlichte zuletzt 2008 „Die Eroberer“ (Beck), „Nahes und fernes Unglück“ (Beck, 2004) „Die Fassaden am East River“ (Suhrkamp, 2000) und „Der lange Schatten“ (1992, Insel). Henning Ritter wurde im Jahr 2000 die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen, 2005 erhielt er den Ludwig-Börne-Preis.


Barbara Conrad ist Tolstoi „näher gekommen als alle anderen“

In der Kategorie „Übersetzung“ gewinnt Barbara Conrad (mi.) für die Übersetzung von Lew TolstoisKrieg und Frieden“ (bei Hanser erschienen).

Die Jury: Barbara Conrad habe die bislang beste Übersetzung des Romans vorgelegt und sei Tolstoi näher gekommen als alle anderen Übersetzer. Conrad habe „Tolstois eigenwilligen erzählerischen Duktus herausgearbeitet und in lebendige deutsche Prosa übertragen. Mit ihren kundigen Kommentaren summiert sich das zu einer zweifach glänzenden Leistung: als Übersetzung des Werkes und als Unterrichtung über die Epoche, in der es spielt.“


Über den Preis

Seit dem Jahr 2005 wird jeweils am ersten Buchmessetag in der Glashalle der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert und wird von einer siebenköpfigen Jury zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung verliehen. Unterstützt wird der Preis durch den Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB).


Die bisherigen Preisträger

Preisträger 2010

  • Belletristik: Georg Klein, Roman unserer Kindheit (Rowohlt Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 25 am 5.4.2010
  • Sachbuch/Essayistik: Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. (Verlag C.H.Beck)
  • Übersetzung: Ulrich Blumenbach für: David Foster Wallace: Unendlicher Spaß (Verlag Kiepenheuer & Witsch)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 8 am 7.9.2009

Preisträger 2009

  • Übersetzung: Eike Schönfeld für die Übersetzung von: Saul Bellow: Humboldts Vermächtnis (Kiepenheuer & Witsch)
  • Sachbuch/Essayistik: Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen (Rowohlt Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 19 am 30.3.2009
  • Belletristik: Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff (Suhrkamp Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 29 am 30.3.2009


Preisträger 2008

  • Übersetzung: Fritz Vogelgsang für Joannot Martorells: Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc (S. Fischer Verlag)
  • Sachbuch/Essayistik: Irina Liebmann: Wäre es schön? Es wäre schön.(Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 37 am 14.4.2008
  • Belletristik: Clemens Meyer: Die Nacht, die Lichter (S. Fischer Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 27 am 31.3.2008

Preisträger 2007

  • Übersetzung: Swetlana Geier für die Übersetzung von Fjodor Dostojewskijs: Ein grüner Junge (Ammann Verlag).
  • Sachbuch/Essayistik:Saul Friedländer: Die Jahre der Vernichtung. (Verlag C.H. Beck).
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 47 am 23.10.2006
  • Belletristik: Ingo Schulze: Handy. (Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 10 am 9.4.2007

Preisträger 2006

  • Übersetzung: Ragni Maria Gschwend für die Übersetzung von Antonio Moresco: Aufbrüche (Ammann)
  • Sachbuch/Essayistik: Franz Schuh: Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche (Zsolnay)
  • Belletristik: Ilija Trojanow: Der Weltensammler (Hanser)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 12 am 8.5.2006

 
Preisträger 2005

  • Belletristik:Terézia Mora: Alle Tage (Luchterhand)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 29 am 11.10.2004
  • Sachbuch/ Essayistik: Rüdiger Safranski: Schiller oder Die Erfindung des deutschen Idealismus (Hanser)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 9 am 23.05.2005
  • Übersetzung: Thomas Eichhorn für Les Murray: Fredy Neptune (Ammann)

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