Partner am Scheideweg

Die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) hat das Programm ihrer Jahrestagung bekanntgegeben, die vom 2. bis 4. Mai in Bremen stattfinden soll. Vorgesehen ist u.a. eine Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Digitale Welt – Ende oder Beginn einer neuen Partnerschaft zwischen Handel, Verlag und Bibliotheken?“ Wenn man sich die aktuellen Entwicklungen in der Landschaft der Fachverlage und -sortimenter anschaut, ist diese Fragestellung weder in der Tendenz noch in der angedeuteten Tragweite übertrieben.

Haushaltssperren und Wirtschaftskrise

Auf jeden Fall werden die Fachbuchhändler in Bremen sehr vieles zu beraten und zu bedenken aber sehr wenig zu bejubeln haben. Schon weil die Bilanz des Jahres 2010 bei vielen AWS-Mitgliedern das schlichte Prädikat „mies“ verdient. Eine Reihe von ungünstigen Umständen traf da in selten gesehener Dimension zusammen:

  • Die dauerkriselnde schwarz-gelbe Koalition hat in den vergangenen beiden Jahren gesetzgeberisch wenig zustandegebracht. Entsprechend wenig kommentierende und erläuternde Produkte konnten RWS-Verlage auf den Weg und Fachbuchhändler an den Mann bringen.
  • Angesichts der Sparzwänge in den öffentlichen Haushalten mussten die wichtigen Kundengruppen der Behörden und öffentlichen Bibliotheken auf breiter Front Kürzungen ihrer Budgets hinnehmen – und an die Fachbuchhändler weitergeben.
  • Die Ausläufer der Finanzkrise erwischten auch viele Kunden aus den Reihen der Industrieunternehmen und Rechtsanwaltskanzleien, die daraufhin den Rotstift auch bei der Literaturbeschaffung ansetzen mussten.

So hart diese externen Faktoren den Fachbuchhandel auch getroffen haben, ist doch wenigstens absehbar, dass sie in dieser massiven Zusammenballung Episode bleiben. Ganz im Gegensatz zu den grundstürzenden strukturellen Veränderungen der Branche, die derzeit zu beobachten sind.

Ein Schlaglicht auf die Umbrüche wirft die Übernahme des Leipziger Fachinfo-Dienstleisters LSL durch Haufe:

  • Die Digitalisierung weicht die Grenzen der Branche auf: Die Verlage selbst sind immer stärker auf den Kontakt zum Endkunden angewiesen, um bei der Entwicklung neuer digitaler Produkte schnell auf die aktuellen Markttrends reagieren zu können.
  • Wohl nicht zufällig hat Haufe sich einen Distributor ohne Ladengeschäfte ausgesucht. Die Dienstleister ohne buchhändlerische Tradition und stationäre Anbindung gehen derzeit mit der breitesten Brust durch die Branche; siehe etwa den expandierenden Fachinformationsdienst BFD, der im aktuellen „buchreport.spezial RWS Recht & Steuern“ porträtiert ist.

Kooperieren und beiderseitig profitieren

Im gleichen Heft plädiert der Remscheider Buchhändler Thomas Halbach für eine vertiefte Partnerschaft zwischen Fachbuchhändlern und -verlagen. „Dass man kooperieren und dadurch beiderseitig profitieren kann, hat unsere Branche noch nicht wirklich begriffen“, moniert Halbach.

Hinter vorgehaltener Hand äußern Vertriebler in den Verlagen schon die Sorge, der mittelständische Fachbuchhandel könnte als starker Vertriebspartner auf mittlere Sicht verloren gehen. Wenn diese Gefahr gebannt werden soll, müssen schnell neue Wege der Partnerschaft gefunden werden.

aus: buchreport.magazin 3/2011

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