Der laxe Umgang mit Urheberrechten ist kein Kavaliersdelikt

Das Internet sei für das Wissensmanagement der Gesellschaft die vermutlich größte gegenwärtige Herausforderung, erklärte Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder in seiner Rede zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse im Leipziger Gewandhaus. In Zeiten der Digitalisierung ließe sich das „Prinzip Buch“ nur erhalten, wenn „wir es wieder neu zum Leben entfachen“.

Honnefelders Thesen in Kurzfassung:

  • Bedeutung des Buches: Die Gesellschaft brauche den freien und öffentlichen Zugang zu allen relevanten Informationen und Inhalten. Dabei käme dem Buch eine besondere Rolle zu: „Das Buch hebt bestimmte Inhalte aus der Fülle hervor, gibt ihnen Permanenz, schafft gut zugängliche Bezugspunkte der Kommunikation, erlaubt die Bildung des kulturellen Gedächtnisses und stiftet wie kaum ein anderes Medium individuelle und kollektive kulturelle Identität.“ Diese Leistung sei ganz unabhängig davon, ob es physisch gedruckt und gebunden oder digital verarbeitet ist.
  • Digitalisierung: Die Erweiterung der Wissenswelt durch Google oder Apple, durch Mobile-Content und Plattformen im Internet sei deshalb nicht die Alternative zum „Prinzip Buch“, sondern dessen Erweiterung, „in zuweilen revolutionärer Form“. Künftig drängten Partner auf den Markt, „deren Kernkompetenz nicht im Buchhandel liegt, die aber etwas von Vertrieb, von Kunden und von Kundenbindung verstehen“. Weil aber „ein Tablet oder ein E-Book-Reader ohne Inhalt nicht viel mehr als Sondermüll“ sei, seien diese neuen Marktteilnehmer auf Inhalte angewiesen.
  • Zukunftsperspektiven: Das „Prinzip Buch“ ließe sich nur erhalten, „wenn wir seine kulturelle Bedeutung als Herausforderung begreifen und sie durch neue Wege der buchhändlerischen Vermittlung immer wieder neu zum Leben bringen“. Dies gelte für den unabhängigen kleinen Verlag und die unabhängige Buchhandlung wie für die neuen großen Anbieter von Inhalten gleichermaßen.
  • Urheberrecht: Für den Buchmarkt sei es eine gute Entwicklung, dass auch Telekommunikationsunternehmen Inhalte anbieten (s. „Mobilfunker lesen lassen“). Schließlich könnte auch der Umgang mit Urheberrechten davon profitieren: „Spätestens damit nämlich müsste der Zeitpunkt gekommen sein, an dem auch die neu gewonnenen Marktteilnehmer ein Interesse daran haben, für einen angemessenen Umgang mit dem Urheberrecht zu werben und gegen das Raubkopieren digitaler Produkte vorzugehen.“ Honnefelder appellierte vor allem an die Politik, sensibler mit Urheberrechten umzugehen: „Der laxe Umgang mit Urheberrechten ist kein Kavaliersdelikt. Und wie wir mit unseren Inhalten künftig umgehen, ist für die Zukunft eine zentrale Frage.“

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