Krise der Spitzentitel

Im Sog des neuen Simon Beckett-Hardcover-Topsellers „Verwesung“ (Wunderlich) hat Rowohlt auch einen parallel herausgebrachten alten Beckett-Titel erfolgreich im Taschenbuch lanciert. Der auf Anhieb geglückte Durchmarsch von „Tiere“ auf Platz 1 der SPIEGEL ONLINE-Bestsellerliste war  nicht nur absehbar, sondern ist im Handel hochwillkommen, denn der Taschenbuch-Markt durchläuft derzeit ein Nachfragetal und braucht dringend Impulse.

Buchhändler, die sich in diesen Tagen über ihre eigenen Taschenbuch-Zahlen wundern, müssen jedenfalls nicht vordringlich an ihrer Verkaufskompetenz zweifeln. Sie liegen vielmehr im Trend:

  • Seit Mitte Januar bleiben die Taschenbuch-Umsätze von Woche zu Woche deutlich, meist zweistellig, hinter dem Vorjahr zurück, ohne dass im Winter 2010 die Latte beim Taschenbuch besonders hoch gelegt worden wäre.  
  • Taschenbuch-Romane tun sich besonders schwer: In der Warengruppe lag der Umsatz in einzelnen Wochen bis zu 20% niedriger als vor einem Jahr.

Bestverkaufte Titel reichen nicht an das Vorjahr heran

Strukturelle Veränderungen als Erklärung für den Einbruch führen nicht weit:

  • Die Verlage haben seit Monaten die Neuerscheinungen verteuert, im Schnitt um 3%, dabei aber wie gehabt vor der 10-Euro-Schwelle gebremst und vor allem Titel aus der untersten Preisschublade im Preis angehoben.
  • Die Verlage hatten zudem 2010 den Titelausstoß deutlich gebremst und 7% weniger Taschenbuch-Neuerscheinungen herausgebracht. Aber: In diesem Jahr zieht die Produktion wieder an und die Sortimenter haben auch bei reduziertem Ausstoß immer noch die Auswahl aus ca. 450 Taschenbuch-Neuerscheinungen, um in ihrem Angebot neue Akzente zu setzen.

Diese Akzente waren aber in jüngster Zeit eindeutig zu schwach und so ist die aktuelle Taschenbuch-Delle tatsächlich eine Krise der Spitzentitel: In der 7. Kalenderwoche haben die Top-5-Titel 37% weniger Umsatz gezogen als die bestverkauften Titel ein Jahr zuvor und damit das ganze Segment mit heruntergezogen.

Vor einem Jahr hatten Stephenie Meyers „…Abendrot“, die Stieg
Larsson
-Titel und Ken Follett („Die Tore der Welt“) das Ranking angeführt.
Aktuell sind neben dem neuen Spitzenreiter Simon Beckett (Erstverkaufstag war der 24. Februar) von den jetzt ausgepackten März-Novitäten aber kaum weitere Impulse zu erwarten.

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