Jochen Krisch: Dem Buchhandel fehlen neue Verkaufskonzepte

Jochen Krisch: Dem Buchhandel fehlen neue Verkaufskonzepte

Der Buchhandel ist die erste Handelsbranche hierzulande, die die Marktführerschaft an einen reinen Onliner abgeben muss. Und Thalia & Co. können auch nicht groß auf Cross-Channel-Effekte hoffen.

Die Buchhandelskette Thalia ist in den letzten Jahren durch Zukäufe stark gewachsen. Laut Buchreport konnte Thalia durch die Komplettübernahme von buch.de erstmals die Umsatzmilliarde überspringen.

Dennoch dürfte Thalia 2010 den Rang als größter deutscher Buchhändler an Amazon verloren haben.

„Die Dynamik, das bestätigen auch Verlage, ist eindeutig auf der Seite von Amazon. Der Händler übernimmt die Spitze, heute oder morgen.

Die Daumenpeilung auf der Basis der veröffentlichten Zahlen sieht so aus: [Die deutsche] Amazon-Dependance spielt mindestens 10% der Gesamterlöse ein, was umgerechnet eine Summe von 2,5 Mrd Euro ergibt.

Dabei macht der Medienumsatz zwischen 50 und 55% aus, also rund 1,4 Mrd Euro. Vor dem Hintergrund, dass Bücher verglichen mit DVDs und CDs – gerade in der Preisbindungszone Deutschland – den Großteil der Medien-Umsatzes beisteuern, ergibt sich ein Bücher-Umsatz von über 1 Mrd Euro für 2010.“

Der Buchhandel ist damit die erste Handelsbranche hierzulande, die die Marktführerschaft an einen reinen Onliner abgeben muss.

Und Thalia & Co. können auch nicht groß auf Cross-Channel-Effekte hoffen. Denn wer sich online über Bücher informiert, der kauft auch online – mit einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit von 78% (siehe auch Die besten Analysen und Statistiken zur Strategiefindung für den Handel)

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Vor allem die großen Buchhändler haben es in den letzten Jahren versäumt, ihre Ladenkonzepte zu überdenken und – von Ausnahmen wie Dussmann einmal abgesehen – attraktive Verkaufskonzepte zu (er)finden, die mehr bzw. anderes bieten als es der Online-Handel kann.

In den USA, wo der Konzentrationsprozess im Handel schon weiter fortgeschritten ist, ist die Lage bereits um einiges dramatischer („Ein Bücherriese liegt am Boden“).

Und hier wie dort hat man nicht das Gefühl, dass in der Branche schon das rechte Problembewusstsein herrscht. Denn ansonsten würde die Buchbranche, die sich gerne so exzessiv mit (aus heutiger Sicht) Randthemen wie eBooks auseinandersetzt, sich einmal ähnlich intensiv mit neuen Verkaufskonzepten und alternativen Geschäftsmodellen für den Buchhandel befassen.

Man muss sich also nicht wundern, wenn nun zunehmend mehr Verlage die Initiative ergreifen und in den Direktvertrieb einsteigen. Vor allem die Entwicklungen im Sach- und Fachbuchhandel sind faszinierend zu verfolgen, wo Haufe & Co. die Branche mit neuen Vertriebsmodellen revolutionieren (s. Interview).

Momentan ist es tatsächlich wahrscheinlicher, dass die nächste große Idee für den Buchhandel der Zukunft, wenn nicht von einem unabhängigen Anbieter, dann doch eher aus einem Verlagshaus heraus kommt als von einem Handelshaus.

Ich freue mich, dass ich auch immer wieder von der Buch- und Verlagsbranche zu Vorträgen und (Strategie-)Workshops eingeladen werde. Am 4. Mai darf ich in Frankfurt bei der Jahrestagung des Arbeitskreises Ratgeberverlage sprechen.

Mitarbeit: Marcel Weiß

Kommentare

1 Kommentar zu "Jochen Krisch: Dem Buchhandel fehlen neue Verkaufskonzepte"

  1. Genau, die Buchhändler sind alle selber schuld wenn sie sich keine „neuen Verkaufskonzepte“ einfallen lassen. Auweia …

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