Die Arbeitswelt driftet auseinander

Jeder zweiter deutsche Arbeitnehmer bekommt mittlerweile einen befristeten Vertrag, das sind rund eine Mio mehr als Mitte der 90er Jahre. Auch die Zahl der weiblichen Teilzeitarbeiter hat sich stark verändert: Nur die Hälfte der Frauen hat noch ein normales Arbeitsverhältnis. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer Langzeitstudie, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vorgestellt hat.

Die Ergebnisse in Schlaglichtern:

  • Befristete Beschäftigung: Fast jede zweite Neueinstellung ist inzwischen befristet, Auszubildende nicht eingerechnet. Vor zehn  Jahren war es weniger als jede dritte. Damit gibt es heute rund 2,7 Mio befristet Beschäftigte – rund eine Mio mehr als Mitte der 90er Jahre. Dies trifft vor allem Berufseinsteiger: Ein Unter-30-Jähriger ist heute deutlich kürzer in einer Firma als früher. Im Schnitt ist ein Beschäftigter des Jahrgangs 1977 heute ein Jahr und acht Monate in einem Betrieb beschäftigt. Früher waren es durchschnittlich zwei Jahre und drei Monate.
  • Selbstständige: Ihre Zahl ist gegenüber 1994 um knapp 900000 auf 4,1 Mio gestiegen. Der Zuwachs beruhe vor allem Einzelkämpfer ohne Mitarbeiter.
  • Teilzeitbeschäftigte: Die in Teilzeit angebotenen Stellen haben sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt, inzwischen sind es 8,7 Mio Stellen. Geringfügig Beschäftigte wurden nicht eingerechnet.  
  • Geringfügige Beschäftigung: Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse bis 400 Euro ist seit 1999 um mehr als 1,1 Mio auf 4,8 Mio gewachsen.
  • Leiharbeit: Sie hat sich seit 1994 mehr als verfünffacht: Waren es 2004 noch rund 140000 Leiharbeiter, nähert sich die Zahl mittlerweile der Millionengrenze.
  • Geschlechterverhältnis: Der Anteil der normalen Arbeitsverhältnisse – der ungeförderten, sozialversicherungspflichtigen, unbefristeten Vollzeitbeschäftigungen – habe sich innerhalb der letzten 15 Jahre kaum verändert (von 66% in 1992 auf heute 60%). Hier zeigen sich jedoch starke Unterschiede zwischen den Geschlechtern:  Nur noch jede zweite Frau steht noch in einem normalen Arbeitsverhältnis, bei den Männern sind es unverändert zwei Drittel.

„Die Arbeitswelt driftet auseinander“, folgert IAB-Direktor Joachim Müller aus den Ergebnissen. Während es immer mehr Leiharbeiter, Teilzeitjobs und befristete  Arbeitsverhältnisse gebe, erfreuten sich andererseits viele Arbeitnehmer langer Betriebszugehörigkeiten und stabiler Arbeitsplätze.

Dennoch könne sich das Arbeitsverhältnis auf lange Sicht wieder ändern: Eine sinkende Arbeitslosigkeit und der Fachkräftemangel dürften „die Position der Arbeitnehmer generell verbessern“.

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